Wenn Kengkeo Bouliphavang alarmiert wird, weiß er, was ihn erwartet. Nichtsdestotrotz ist seine Arbeit hochgefährlich. Bouliphavang ist Sprengmeister und der Leiter des sogenannten Roving- (auf Deutsch: Räumungs-) Teams.
Die Roving-Teams durchsuchen ein Feld nicht systematisch nach Bomben wie die Clearing-Teams, sondern entschärfen nur einzelne, durch Zufall gefundene Blindgänger.
Meist werden sie von der Bevölkerung auf diese hingewiesen.
Doch damit fängt die Arbeit erst an. Oft liegen die Blindgänger in der Nähe von bewohnten Dörfern.
Wenn der Abstand zwischen Blindgänger und Wohngegend zu gering ist, kann es passieren, dass bei der kontrollierten Sprengung auch Häuser durch herabfallende Metallteile beschädigt oder sogar zerstört werden.
Deshalb wird das weitere Vorgehen streng mit der Bevölkerung abgesprochen.
In der Regel wird die Bombe am Fundort gesprengt, da ein Transport meist zu gefährlich ist. Viele der Bomben reagieren trotz ihres Alters schon auf kleinste Erschütterungen.
So kann es auch schon einmal vorkommen, dass ein Dorf für eine Sprengung komplett evakuiert werden muss.
Als wir das Roving-Team begleiten, ist dies zum Glück nicht der Fall. In der Nähe des Dorfes Salloykhao sollen „nur“ kleinere Kaliber kontrolliert gesprengt werden.
Das Roving-Team muss in den Dschungel, um die Bombe ausfindig zu machen. Schließlich stehen wir vor einer großen Phosphorbombe. Für die Sprengung dieser Bombe sind 20 Kilogramm Dynamit notwendig. Die Sanitäterin ist gar nicht erst mitgekommen, denn wenn diese Bombe hochgeht, würden wir alle verbrennen. Da hätte niemand mehr helfen können. Entsprechend mulmig wurde mir auch, als der Sprengmeister begann, die kaum sichtbare Bombe freizugraben. Als wir ihn endlich zum Aufhören bewegen konnten, war ich umso erleichterter. Diese Bombe wird heute nicht gesprengt. Dazu sind gründliche Vorbereitungen nötig.
Aber ich komme noch auf meine Kosten:
Wir warten unter einem auf Pfählen gebauten Haus. Die Straße, an der Salloykhao liegt, ist gesperrt.
Nun kommt ein junger Mann, der einen grauen Kasten trägt, welcher wiederum mit einem Draht verbunden ist, in unsere Richtung. Der Draht wird immer länger. Er baut den Kasten vor mir auf.
Ein Helfer hebt den Deckel des Kastens an – ein roter Knopf kommt zum Vorschein.
Mein Finger zittert. Die Männer zählen auf laotisch einen Countdown – einer übersetzt: “5, 4, 3, 2, 1…” Ein lauter Knall.
Ich habe den MV30-Zünder einer DST- Bombe gesprengt. Bombensprengen - ein Männertraum. Das macht Spaß, aber es zeigt auch, wie gefährlich die Laoten leben. Ich bekomme Angst.
Die Bomben lauern überall, meist sind sie matschbraun. Genau wie der Boden. Sie sind fast unsichtbar.
Der Verkehr rollt wieder. Das Leben geht weiter - bis zur nächsten Bombe. Hoffentlich vom Roving-Team gesprengt, bevor Schlimmeres passieren kann.
Text: Jan-Hendrik Mautsch
Stand 02/2011

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