In Entwicklungsländern leben 80 % der Menschen mit Behinderung von weniger als einem Euro pro Tag. Gleichzeitig haben 20 % der ärmsten Menschen auf der Welt eine Behinderung. Diese Zahlen zeigen den wechselseitigen Zusammenhang zwischen Armut und Behinderung. Die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern, Mangelernährung oder unzureichende Gesundheitsversorgung, verursachen Behinderung. Umgekehrt sind Menschen mit Behinderung besonders durch Armut gefährdet. Häufig gibt es keine Schul- und Ausbildungsangebote für sie; in der Folge fehlen Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Also bleiben sie abhängig von ihren Familien – oder von Almosen. So ist es diesen Menschen unmöglich, ein eigenständiges Leben in Würde zu führen.
Die Zahlen schrecken auf, und die Zusammenhänge sind offensichtlich. Dennoch wird die Rolle von Menschen mit Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit noch nicht genügend erkannt. Internationale Konzepte wie die Millenniums-Entwicklungsziele (siehe unten) und Armutsbekämpfungsstrategien berücksichtigen das Problem der Behinderung nicht. Doch diese Ziele können ohne die Einbeziehung aller Menschen nicht erreicht werden. Letztlich profitieren vom Einsatz für Menschen mit Behinderung nicht nur Einzelpersonen, sondern die gesamte Gesellschaft.
Wie groß die Nachteile für Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern sind, wird am zweiten Millenniumsziel deutlich: allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen. Heute ist es so, dass nur etwa 2 % der behinderten Kinder eine Schule besuchen können. Das hat viele Grün
All diese Probleme müssten möglichst bald angegangen werden, um tatsächlich das Millenniumsziel zu erreichen und allen Kindern bis 2015 eine Schulbildung zu ermöglichen, also auch den 98 % der Kinder mit Behinderung in Entwicklungsländern, die heute noch nicht in die Schule gehen.
Auch die Armutsbekämpfungsstrategien der Weltbank (Poverty Reduction Strategy Papers, PRSP) berücksichtigen Menschen mit Behinderung noch kaum. Bei der Formulierung der Strategien wird zwar eine Vielzahl von Akteuren aus Regierungen und auch aus der Zivilgesellschaft beteiligt, jedoch bisher nur selten die VertreterInnen und Vereine der Menschen mit Behinderung. Daher hat Handicap International in den letzten Jahren zusammen mit der Christoffel-Blindenmission und der GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH) ein Projekt durchgeführt, das Möglichkeiten für diese Menschen aufzeigt, die politischen Ziele mitzubestimmen und sich an deren Umsetzung zu beteiligen (mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier).
Die Erfahrungen und weitere, die Mitarbeiter von Handicap International in Bangladesch, Honduras und Sierra Leone gemacht haben, haben wir in einem Handbuch Making PRSP Inclusive zusammengefasst. Das Handbuch enthält außerdem methodische Vorschläge für die Beteiligung von Menschen mit Behinderung. Damit ist es auf viele andere Ländersituationen übertragbar.

Um die Armut zu verringern, sind Arbeitsplätze für alle notwendig. Handicap International unterstützt deshalb Projekte, die Arbeit für Menschen mit Behinderung schaffen. © Handicap International
Unsere Strategie zielt darauf ab, dass Behinderung als Querschnittsthema behandelt wird – denn alle politischen Entscheidungen auf Gebieten wie Gesundheit, Bildung, Beschäftigung oder Infrastruktur betreffen Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen. Dieses Ziel verfolgt Handicap International mit Hilfe von Lobbyarbeit auf verschiedenen Ebenen:
Nur ein ganzheitlicher Ansatz kann den Teufelskreis von Armut und Behinderung an möglichst vielen Stellen durchbrechen.
Im September 2000 haben die Staatschefs von 191 Nationen auf dem UN-Gipfeltreffen die Millenniumserklärung verabschiedet und sich damit verpflichtet, bis zum Jahr 2015 folgende Entwicklungsziele zu erreichen:
Stand: 08/2008