
© Vivath Chou/Handicap International
Der Klumpfuß (pes equinovarus) ist eine angeborene Fehlentwicklung des Fußes: Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln des Fußes sind deformiert. Durch diese Fehlstellung fehlt es dem Fußgelenk an Beweglichkeit. Bei der Hälfte der Fälle sind beide Füße betroffen.
(In Deutschland: 1 von 1.000 Kindern.)
Es gibt verschiedene Grade der Klumpfuß-Erkrankung. Sie reichen von relativ leichten bis hin zu sehr schweren Formen. Aber in jedem Fall kann die Fehlstellung bei Kleinkindern durch adäquate medizinische Behandlung behoben werden.

Ein kambodschanisches Mädchen vor der Behandlung © Vivath Chou/Handicap International
Die Behandlungen sind vergleichsweise einfach, sehr wirksam und kosten wenig. Seit 2003 arbeitet Handicap International in Kambodscha nach der Ponseti-Methode. Diese Methode eignet sich besonders für die Arbeit in Entwicklungsländern, da sie in den meisten Fällen ohne eine Operation auskommt. Um möglichst hohe Heilungschancen sicherzustellen ist es wichtig, dass man die Kinder möglichst früh behandelt.
Ein Klumpfuß wächst sich niemals aus. Ohne Behandlung versteifen sich im Laufe der Zeit die deformierten Gelenke immer mehr. Das Gehen ist nur in manchen Fällen weiter möglich. Anfangs laufen die Kinder dann auf den Außenkanten der Füße – diese werden aber durch das Körpergewicht so weit heruntergedrückt, dass sie irgendwann auf den nach unten gedrehten Fußrücken laufen. Die Betroffenen leiden sehr unter den Schmerzen und den ständig wunden Füßen, aber auch an der körperlichen, seelischen und sozialen Behinderung.

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Hier bei uns in Deutschland wird eine Klumpfuß-Erkrankung oft schon bei einer Ultraschall-Untersuchung während der Schwangerschaft festgestellt. In vielen ärmeren Ländern können sich die Menschen diese teure Untersuchung nicht leisten. An erster Stelle steht hier deshalb die frühzeitige Diagnose kurz nach der Geburt. Bei einer Untersuchung wird speziell nach den typischen Fehlstellungen der Füße gesucht.
In Kambodscha und vielen anderen Einsatzländern bietet Handicap International Fortbildungen für medizinisches Personal, v.a. für Hebammen an. Unsere Informationskampagnen richten sich aber auch an Eltern und werdende Eltern.
Es ist besonders wichtig, die Eltern schon in dieser frühen Behandlungsphase mit einzubeziehen, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Wir erklären ihnen, dass ihr Kind mit der richtigen Behandlung wie alle anderen Kinder auch das Laufen lernen wird.

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Um Methode und Dauer der Behandlung festzulegen, wird zuerst der Grad der Fehlstellung untersucht.
Wir erklären den Eltern, dass sie eine entscheidende Rolle bei der Behandlung ihres Kindes übernehmen müssen: Ein stationärer Krankenhausaufenthalt ist zwar nicht nötig, aber die Eltern müssen zuhause täglich bestimmte Übungen machen und dem Kind das Tragen der Schienen und Gipsverbände erleichtern. Nur so sind die Heilungschancen hundertprozentig gewährleistet.

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Diese Phase ist kritisch. Unsere Spezialisten passen einen Gipsverband an, um die Deformierungen zu korrigieren. Dieser Gips reicht vom Hüftgelenk bis zu den Zehen. Das Risiko, die kleinen Füße bei der Anpassung zu verletzen, darf nicht unterschätzt werden. Hier kommt es auf die Erfahrung und das Fingerspitzengefühl unserer Ärzte, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker an.
Jede Woche bringen die Eltern ihr Kind zu uns, um den Gips zu erneuern und den Fortschritt der Behandlung zu überprüfen. Damit auch die vielen armen und weit entfernt lebenden Familien zu den regelmäßigen Untersuchungen kommen können, stellt Handicap International ihnen eine Unterkunft in unseren Behandlungszentren zur Verfügung.

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Nach dem achten Gipsverband bekommen die Babys eine speziell geformte Schiene, an der Sandalen befestigt sind, die so genannte Denis-Browne-Schiene, die die Fußstellung weiter korrigiert. Die Kinder müssen sie sechs Monate lang Tag und Nacht tragen – nur eine Stunde pro Tag darf sie abgenommen werden. Nach diesen sechs Monaten erhöht sich die „schienenfreie“ Zeit auf zwei Stunden pro Tag.
Einen Monat nach Anpassung der Schiene findet die erste Kontrolle statt.
Danach sind weitere Kontrollen alle drei Monate vorgesehen, bis das Kind das Laufen lernt.
Nachdem das Kind selbständig laufen kann, wird die Schiene nur noch in der Nacht angelegt. Eine abschließende Röntgenuntersuchung folgt und die Kontrollintervalle werden auf vier Monate ausgedehnt.
Wenn das Kind drei bis vier Jahre alt ist, kann die Schiene vollständig abgelegt werden. Nur noch zweimal im Jahr bitten wir die Familien zur Kontrolle.
Mit sechs Jahren wird das Kind nur noch einmal pro Jahr untersucht, bis die Füße des jungen Patienten ausgewachsen sind.
Stand: 02/2009
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