
© Nicolas Axelrod / Handicap International
Der gestern von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank vorgestellte Bericht, der die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung ergänzt, ist Anlass für uns, auf die besondere Schutzbedürftigkeit dieser Menschen in Entwicklungsländern hinzuweisen.
Die Ergebnisse dieses ersten Referenzdokuments über Situationen der Behinderung weltweit spiegeln die Beobachtungen von Handicap International vor Ort wider. Sie zeigen deutlich, dass Behinderung eine bedeutende Problematik ist – angesichts der Tatsache, dass eine Milliarde Menschen mit einer Behinderung leben, also 15% der Weltbevölkerung. Durch eine höhere Lebenserwartung, chronische Krankheiten, bewaffnete Gewalt und Naturkatastrophen nehmen die Ursachen von Behinderung immer weiter zu.
Obwohl Behinderung ein globales Problem ist, gibt es eine deutliche Ungleichheit zwischen weiter entwickelten und ärmeren Ländern. 80% der Menschen mit Behinderung leben in Entwicklungsländern. Sowohl im regionalen Bereich als auch auf nationaler und internationaler Ebene ist Solidarität gegenüber diesen Menschen in unterentwickelten Regionen und Schwellenländern notwendig. Besondere Angebote und ausgleichende Maßnahmen sind unabdingbar, um eine Gleichbehandlung für sie zu garantieren. Insbesondere müssen die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in andauernden Krisen und Notsituationen berücksichtigt werden.
Leider geht der Bericht weder auf diese speziellen Bedürfnisse noch die mangelnde Rücksichtnahme der beteiligten Akteure und Geldgeben ein. Dabei sind gerade Menschen mit Behinderung besonders anfällig für die Auswirkungen von Krisen – das haben die letzten großen Notsituationen in Haiti, Pakistan und der Elfenbeinküste wieder gezeigt. Eine gezielte Anpassung der Nothilfe ist für sie deshalb lebenswichtig.
Handicap International ruft außerdem alle Akteure zu besonderer Wachsamkeit auf, denn der Bericht sollte über eines nicht hinwegtäuschen: Auch wenn es natürlich positiv ist, dass der Zugang von Menschen mit Behinderung zu allgemeinen Dienstleistungen hervorgehoben wird, so werden dennoch nach wie vor spezielle Dienstleistungen und Ausgleichsmechanismen benötigt, um langfristig gleiche Bedingungen und Möglichkeiten zu schaffen.