So viel Räumung wie noch nie - aber immer noch zu wenig Opferhilfe

Ein Entminer entmint direkt vor einem Haus

In der Nähe von bewohnten Gegenden ist Minenräumung besonders wichtig © Stuart Freedman / Handicap International

Ergebnisse der 12. Jahresausgabe des Landmine-Monitor Berichts. Der Landmine-Monitor 2011 berichtet über internationale Entwicklungen im Bezug auf die Landminenverbotspolitik, den Einsatz, die Produktion, den Handel und die Opferhilfe. Der Bericht behandelt das Kalenderjahr 2010, dabei sind Informationen bis zum August 2011 berücksichtigt, soweit dies möglich war.

Der Monitor 2011 identifizierte drei Regierungen, die Anti-Personen-Minen einsetzten: Israel, Libyen und Myanmar.

  • Mit dem bestätigtem Einsatz von Minen durch Israel und Libyen wurde also im Vergleich zum letzten Bericht ein Anstieg verzeichnet.
  • Der Einsatz durch nicht-staatliche bewaffnete Gruppen wurde in vier Ländern bestätigt – Afghanistan, Kolumbien, Myanmar und Pakistan. Der letzte Monitor berichtete noch von sechs Ländern.


Der Monitor ermittelte 12 Länder, die Anti-Personen-Minen herstellen (dieselbe Anzahl, die 2010 schon ermittelt wurde und damit erneut die niedrigste seit Aufzeichnung): China, Kuba, Indien, Iran, Myanmar, Nordkorea, Pakistan, Russland, Singapur, Südkorea, die USA und Vietnam.

2010 wurden insgesamt 4.191 neue Unfälle gemeldet, das sind rund 5% mehr als in 2009, als es offiziell 4.010 Opfer gab.

  • Der geringe Anstieg an gemeldeten Opfern ist noch kein Indikator für einen Trend, da in einigen Ländern die Daten zur Anzahl der Opfer unzureichend sind. In 2010 gab es insgesamt jedoch weniger Opfer als in 2008, als noch 5.502 Unfälle gemeldet wurden.
  • Aufgrund von unvollständiger Datenerhebung war die Anzahl der Unfallopfer jedoch mit Sicherheit höher, als berichtet.


72 Staaten sowie sieben umstrittene Gebiete sind entweder bestätigt oder vermutlich von Minen betroffen.

  • In Kolumbien, Myanmar, Pakistan und Somalia werden dringend Veranstaltungen zur Aufklärung über die Risiken dieser Waffen benötigt. Auch Libyen steht seit dem Ausbruch des bewaffneten Konfliktes im Februar 2011 ganz oben auf der Liste für notwendige Minensensibilisierung. 
Ein Entminer kniet am Boden und gräbt eine Mine aus

Entminung ist zeitintensive Feinstarbeit © Stuart Freedman / Handicap International

Mindestens 200.000.000 m² wurden 2010 durch Minenaktionsprogramme geräumt. Die höchstes jährliche Gesamtzahl, die vom „Monitor“ jemals ermittelt wurde (verglichen mit 198.000.000 m² in 2009 und 160.000.000 m² in 2008).

  • Mehr als 388.000 Anti-Personen-Minen und mehr als 27.000 Anti-Fahrzeug-Minen wurden bei diesen Räumungen zerstört.
  • Die größten Gebiete wurden durch Programme in Afghanistan, Kambodscha, Kroatien, Irak und Sri Lanka geräumt. Sie standen für mehr als 80% der gesäuberten Gebiete.
  • Weitere 460 km² ehemaligen Kriegsgebietes konnten geräumt werden. Dabei wurden mehr als 1,2 Millionen nicht explodierte Kriegsüberreste zerstört. Die meisten wurden in Sri Lanka, Afghanistan und Laos zerstört.


In 2010 profitierte die Opferhilfe von einem neuen Fokus auf den Zugang und die Verfügbarkeit von Dienstleistungen sowie einigen ersten Bemühungen einiger Staaten, den Minenverbotsvertrag mit der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und der Konvention über Streumunition zu verknüpfen.

  • Eine Verbesserung im Zugang zu Hilfeleistungen/Dienstleistungen wurde in vielen Regionen durch vermehrte bewaffnete Auseinandersetzungen wieder zunichte gemacht
  • Die Geldgeber berichteten, dass sie insgesamt 43,6 Millionen Dollar in die Opferhilfe investierten. Ein Anstieg um 5 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Das sind dennoch nur 9% der gesamten Mittel für Minenaktionen – wie auch 2009.


Geldgeber und betroffene Staaten stellten etwa 537 Millionen Dollar an internationaler und nationaler Unterstützung für Minenaktionen zur Verfügung.

  • 31 Geldgeber stellten 2010 480 Millionen Dollar als internationale Unterstützung für Minenaktionen in 57 betroffenen Staaten zur Verfügung – ein Zuwachs von 34 Millionen im Vergleich zu 2009.
  • Das ist der höchste jemals vom Monitor aufgezeichnete Betrag und nun schon im fünften Jahr in Folge über 400 Millionen Dollar pro Jahr.
  • Die Zuschüsse der fünf Top-Geldgeber für Minenaktionen – USA, Europäische Kommission, Japan, Norwegen und Kanada – standen für 64% aller bewilligten Mittel.
  • Die sechs Hauptempfänger – Afghanistan, Angola, Irak, Sudan, Sri Lanka und Kambodscha – erhielten insgesamt 55% der gesamten Mittel.
  • 24 betroffene Staaten stellten 157 Millionen Dollar für nationale Minenaktionen zur Verfügung, 7 Millionen Dollar weniger als 2009, bedingt vor allem durch Ausgabenkürzungen von Kroatien und Angola.

Der Landmine Monitor 2011 wurde im Vorfeld des 11. Treffen der Vertragsstaaten des Ottawa-Minenverbotsvertrags veröffentlicht. Er wurde im Juni 1998 von der nobelpreisgekrönten Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen ins Leben gerufen und wird von einer internationalen redaktionellen Plattform bestehend aus fünf Organisationen  koordiniert: Mines Action Canada, Action On Armed Violence, Handicap International, Human Rights Watch und Norwegian People's Aid. Dies hält eine nachhaltige und systematische Möglichkeit für Nicht-Regierungs-Organisationen bereit, die Umsetzung von humanitären Verträgen und Abrüstungsverträgen beobachten und dokumentieren zu können. Der Monitor hat kurz zuvor auch den Cluster Munition Monitor 2011 veröffentlicht.

Stand 11/2011

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