Die Bedrohung von Zivilisten durch Anti-Fahrzeug-Minen

Ein Auto von Handicap International, dessen ganze Front exlpodiert ist

Ein Fahrzeug von Handicap International, das von einer Mine getroffen wurde © Handicap International

Für die Staaten, die das Abkommen von Ottawa unterzeichnet und ratifiziert haben, ist jeglicher Umgang mit Anti-Personen-Minen verboten. Nicht verboten ist jedoch die Produktion und Verlegung von Anti-Fahrzeug-Minen, obwohl diese einen wichtigen Teil des Landminenproblems darstellen: denn sie bedrohen genauso wie Anti-Personen-Minen auch Zivilisten, legen die Infrastruktur eines Landes lahm und verhindern somit den Wiederaufbau nach einem Krieg. So werden z.B. Anti-Fahrzeug-Minen bewusst gegen Zivilisten eingesetzt, indem man sie zusammen mit Anti-Personen-Minen verlegt, um deren Zerstörungskraft zu erhöhen. Besonders Gebäude, Eisenbahntrassen und Straßen werden häufig mit Anti-Fahrzeug-Minen blockiert, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu verhindern - so geschehen z.B. in Ruanda oder im angolanischen Bürgerkrieg.

Anti-Fahrzeug-Minen sind aus folgenden Gründen für Zivilisten gefährlich:

  • Sie wirken wegen ihrer enormen Sprengkraft wesentlich verheerender als Anti-Personen-Minen.
  • Sie werden häufig mit Zündern bzw. Sensoren ausgestattet, die auch eine Aktivierung durch Menschen ermöglichen. Oftmals sind diese Minen mit einem Sensormix ausgestattet, was eine Räumung erheblich erschwert, bzw. fast unmöglich macht. So explodieren manche Minen z.B. bei einfallendem Licht, das bei der Räumung auf die Sensoren trifft oder durch die Strahlung, die von elektronischen Suchgeräten ausgeht. Die dadurch bedingten hohen Kosten der Räumung gehen zumindest indirekt zu Lasten des Budgets für die Opferhilfe.
  • Fast alle Anti-Fahrzeug-Minen sind mit einer Aufhebesperre versehen. Sie explodieren, wenn ein Mensch sich den Minen nähert oder sie berührt. Somit unterscheiden sie sich nicht von den verbotenen Anti-Personen-Minen.
  • Anti-Fahrzeug-Minen können nicht zwischen militärischen Fahrzeugen (z.B. Panzer) und zivilen Fahrzeugen wie z.B. einem Schulbus unterscheiden. Wie Anti-Personen-Minen töten sie unterschiedslos, auch wenn immer wieder behauptet wird, es wäre eine Unterscheidung möglich. Selbst die Hersteller z. B. der optischen Sensoren (von der deutschen Firma Honeywell), die eine sichere Erkennung von "freundlichen" bzw. "feindlichen" Panzern ermöglichen sollen, äußerten in einem Interview, dass sie "keinem deutschen Panzer raten würden, sich in der Nähe einer deutschen Off-Route-Mine (z.B. ARGES) aufzuhalten."
  • Die Mechanismen, die zur automatischen Selbstzerstörung bestimmter fernverlegbarer Anti-Fahrzeug-Minen führen sollen, haben eine hohe Fehlerquote von bis zu 30 %. D. h. ein so großer Teil dieser Minen, die z. B. beim Falkland-Krieg oder im Kosovo verlegt wurden, bleiben über Jahre "scharf".

UNO-Statistiken belegen schon lange, wie groß die Gefahr durch Anti-Fahrzeug-Minen für die Zivilbevölkerung ist. Allein in Angola wurden in der ersten Hälfte des Jahres 2000 allein 251 Personen als Insassen von Fahrzeugen durch Minen schwer verwundet oder getötet.

Aus Afghanistan gibt es ähnliche Berichte, z.B. von einem schrecklichen Unfall Ende 1998, bei dem eine ganze Hochzeitsgesellschaft betroffen war: 41 Tote und 39 schwer Verletzte. Die Verminung der Straßen hat hier in vielen Teilen des Landes Transporte unmöglich gemacht oder eingeschränkt.

26 % der US-Soldaten, die während der Operation "Restore Hope" in Somalia starben, waren Opfer von Anti-Fahrzeug-Minen.

Handicap International fordert daher ein weltweites Verbot der Entwicklung, der Produktion, des Exportes und des Einsatzes aller Typen von Landminen, also auch von Anti-Fahrzeug-Minen.

Stand: 08/2008

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