Mutmach-Läufer nach 3 Monaten wieder daheim!

Wieder zu Hause! Nach rund 600km hat Gerold Schäfer die gesamte Strecke von Dresden nach Köln zu Fuß zurückgelegt und ist nun wieder in seiner Heimat Röthlein (bei Schweinfurt) angekommen.

Am Sonntag, den 13.9. um 16.05 Uhr hat Gerold die Stadtgrenze zu Köln überquert! Eine weite Strecke hat er zurückgelegt auf seiner Beinprothese und musste auch die ein oder andere Krise bewältigen.

Aber er hat nie aufgegeben und es hat sich gelohnt. Zum einen, weil viele Menschen auf seine Aktion aufmerksam geworden sind und ihm viel Zuspruch und Respekt entgegengebracht haben. Zum anderen prägt eine solche Wanderung natürlich einen Menschen.

All dies spielte eine große Rolle als Gerold am Freitag, den 18.9.2009 auf dem Schillerplatz in Schweinfurt von den Erlebnissen auf seiner Tour berichtete und sich bei seinen Unterstützern bedankte. Gemeinsam mit Freunden und Menschen, die in Gerolds Tour eine beispiellose Aktion zur Förderung von Respekt für Menschen mit Behinderung weltweit, aber auch seine unglaubliche Einzelleistung sehen, fand die Tour von Gerold einen gelungenen Abschluss.

Gekommen waren auch Pfarrer Roland Breitenbach, der Gerold zu Anfang seiner Tour seinen Segen mit auf den Weg gab, Dr. med. Christof Bretscher und ein Vertreter des Sanitätshauses Rose. Letztere erklärten unter anderem, welche körperlichen Probleme und Schwierigkeiten der 600km lange Lauf für einen Menschen mit einer Beinprothese bereitet: Aufgrund des Fettab- und Muskelaufbaus verändert sich permanent der Stumpf, wodurch es zu Reibungen an der Prothese kommt. Darum musste Gerold die Prothese öfters anpassen lassen auf seinem Weg. Doch Gerold fand viel Zuspruch und Unterstützung von seinen Mitmenschen, die ihm vor allem Respekt für seine großartige Aktion und Leistung entgegenbrachten; Das hat ihn auf seinem Weg geradezu beflügelt.

Und auch wenn Gerolds Tour zu Ende ist, ist der Weg leider noch weit, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Menschen mit Behinderung kein Mitleid sondern Respekt verdienen. Und Gerold Schäfer hat seinen Teil dazu beitragen zu beweisen, dass Menschen mit Behinderung genauso viel leisten können wie jeder andere auch.

Als steter Unterstützer im Hintergrund war Handicap International ebenfalls in Schweinfurt dabei und beglückwünscht Gerold Schäfer an dieser Stelle noch einmal offiziell für seine starke Leistung!

Wer ist Gerold Schäfer?

Gerold Schäfer mit Hund Andy
© Simon Schäfer

Ziemlich genau ein Jahr nachdem das Bein von Gerold Schäfer nachamputiert werden musste, startete der 46-Jährige am 17.06.2009 seinen Lauf quer durch Deutschland. Rund 600 km hat der Röthleiner (Unterfranken) in den letzten Wochen auf seiner Tour von Dresden nach Köln zurückgelegt. Ständiger Begleiter war hierbei Schäfers Terriermischling Andy.

Die Vorgeschichte

Gerold Schäfer befindet sich gerade in der Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur, als er vor 30 Jahren abends mit seinem Moped auf dem Heimweg von einem angetrunkenen Autofahrer in einer Kurve geschnitten wird. Dem damals 16-Jährigen muss das linke Bein amputiert werden, sein linker Arm ist seither gelähmt. Schäfer bricht seine Ausbildung ab, lernt zum Industriekaufmann um und war bis vor drei Jahren in einem Baumarkt als Verkäufer tätig.

Am 15.06.2008 musste das Bein von Gerold Schäfer wegen nachwachsender Knochen nachamputiert werden. Damals war zunächst unklar, ob er jemals wieder wird gehen können. Seitdem findet Schäfer keine feste Anstellung mehr, viele potenzielle Arbeitgeber sehen in ihm aufgrund seiner körperlichen Beeinträchtigung keine fähige Arbeitskraft. Das wollte sich Schäfer nicht gefallen lassen, er wollte etwas unternehmen, etwas „Verrücktes“ tun, um zu beweisen, dass (s)eine Behinderung keinesfalls ein Hindernis darstellen muss – so entstand die Idee des Mutmach-Laufs quer durch Deutschland.

Was will Gerold Schäfer mit dieser Aktion bezwecken?

Handicap International unterstützt Gerold Schäfer bei seiner Aktion und ist begeistert von seinem Engagement, sich für mehr Respekt und Toleranz für Menschen mit Behinderung stark zu machen.

Seine Botschaft scheint simpel: Sein Lauf soll anderen Menschen Mut machen. Doch es ist nicht immer leicht für den 46-Jährigen. Seine bisherigen Eindrücke und Erlebnisse auf der Reise reichen von starker Ablehnung und Unverständnis bis zu bedingungsloser Unterstützung und tiefem Respekt. Sein Weg ist ein schwerer - die zu bewältigenden Kilometer stellen dabei ein geringeres Hindernis dar als die Menschen. Ihnen will er vermitteln, dass allen Menschen, unabhängig von kulturellen und gesellschaftlichen Unterschieden oder mit Beeinträchtigungen jeglicher Art, Respekt entgegengebracht werden muss. Seine Botschaft lautet immer wieder: Menschen mit Behinderung brauchen Respekt, kein Mitleid! Sein Motto:

 

„MENSCH SEIN IST ALLES – KEINER IST BESSER!“

 

Das Dreiergespann: Gerold Schäfer mit Hund und Bollerwagen.
© Simon Schäfer

On Tour

Ausgestattet ist Schäfer auf seiner Tour mit einer chipgesteuerten Prothese. Ohne diese wäre es für ihn kaum möglich gewesen, sein Unterfangen in die Tat umzusetzen. Vorteile gegenüber der klassischen Prothese sind unter anderem, dass der Prothesenträger Stabilität gewinnt, praktisch nicht umfallen kann, sich das Bergaufgehen leichter gestaltet und vor allem, dass er an einem Tag eine viel weitere Strecke zurücklegen kann.

Ein Nachteil ist jedoch das nötige Aufladen der Batterien alle 30 Stunden - besonders schwierig, da Schäfer nie genau weiß, wo auf seinem Marsch er übernachten und ob Strom vorhanden sein wird. Denn ohne Strom nützt bekanntlich auch die beste High Tech-Ausstattung nichts. Alles was Gerold sonst noch braucht, zieht er immer hinter sich her - auf seinem Bollerwagen.

 

 

Gerold Schäfers Tour:

zurückgelegte Kilometer: rund 600

 


gestartet am 17.06.09 in Dresden

Stationen: Dresden, Zeitz, Eisenberg, Weimar, Eisenach, Rotenburg (an der Fulda), Homberg (Efze), Bergfreiheit, Frankenberg, Olpe

erreicht am 13.09.09 Köln

 

Stand: 14.09.2009


 

Erlebnisse on Tour:

Respekt für Schäfer

Im Hotel Rhein-Weser-Turm wurde Gerold Schäfer besonders gastfreundlich aufgenommen: Bernhard Schwemmer, der Besitzer, übernahm zusammen mit Rolf Amzehnhoff, dem 2. Bürgermeister von Kirchhundem, für volle drei Tage Kost und Logis.

Die lokalen Zeitungen hatten gute Arbeit geleistet und, Gerold wurde im Turm einfach aufgesucht, fremde Menschen spendeten ihm kleine Beträge, und ein Mann mit Behinderung fragte um Rat - es herrschte eine großartige Stimmung.

Beim Weiterlauf fuhr Herr Amzehnhoff mit seiner Frau Gerold einfach nach, bekundete ausdrücklich Respekt für den Mutmach-Lauf und übergab ihm 25 EUR.

Herzlichen Dank an die Mit-Menschen, Herrn Schwemmer und Herrn Amzehnhoff!

 

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Technische Unterstützung on Tour:

In Rotenburg an der Fulda stand ein Austausch des Liners - die sterile Verbindung zwischen Beinstumpf und Prothese - zum dringenden Gebot; die in Eisenach neu geschaftete Prothese erwies sich als zu eng und somit musste der ursprüngliche Schaft optimiert werden. Das Ganze natürlich in der Filiale von dem bereits in Eisenach bewährten Orthopädiehaus Schindewolf & Schneider.

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