Das Projekt ist mittlerweile zu einer Anlaufstelle innerhalb und außerhalb Münchens geworden – besonders für Flüchtlinge mit Behinderung. Hier erhalten sie persönliche Unterstützung sowie Angebote zur Fortbildung und können gemeinsam mit behinderten und nicht behinderten Deutschen und MigrantInnen eigene Projekte entwickeln. Förderung der Mobilität und Selbständigkeit sowie die gegenseitige Unterstützung von Menschen mit Behinderung sind entscheidende Punkte.
Seit Anfang des Jahres haben zwei ehrenamtliche Dozentinnen neue, zusätzliche Angebote auf Wunsch blinder ComIn-Nutzer ins Leben gerufen: einen Gitarrenkurs mit Mirjam Schadendorf und einen Englischkurs mit Brigid Delaney. Zudem übernehmen ComIn-Besucher selbst weitere Anleitungen: z. B. Einführung in die Blindenvollschrift sowie Deutschkurse in einer Flüchtlingsunterkunft durch einen syrischen Rollstuhlfahrer.
Die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft für behinderte Flüchtlinge ist häufig nicht gegeben. Oft ergeben sich erst dann Fördermöglichkeiten,wenn sich der rechtliche Aufenthaltsstatus ändert. So konnten drei unserer regelmäßigen Teilnehmer in diesem Frühjahr eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.Vorher hatten sie jahrelang mit einem Duldungsstatus gelebt, der viele Einschränkungen und die Furcht vor Abschiebung beinhaltet. Außerdem bedeutet eine Duldung nach dem neuen Zuwanderungsgesetz, dass den Betroffenen der Behindertenausweis entzogen wird. Der Münchner Flüchtlingsrat hat inzwischen jedoch erreicht, dass laut Altfallregelung des Bundesgesundheitsministeriums behinderten Flüchtlingen, die bereits einen Behindertenausweis hatten, nun wieder ein solcher zusteht. Zahlreiche Aktionen und Anschreiben an Verantwortliche haben letztlich doch ihre Wirkung gehabt.
Selbst aus anderen Städten kommen zu uns inzwischen Anfragen zur Versorgung behinderter Flüchtlinge mit Hilfsmittteln und Therapie. Zusammen mit dem Bayerischen Flüchtlingsrat und dem Haus International setzten wir uns für die Finanzierung eines Cochlea-Implantats für einen gehörlosen vierjährigen Flüchtlingsjungen aus Georgien ein, der inzwischen mit seinen Eltern in das Heimatland zurückkehren musste. Zudem kamen Anfragen für mehrfach behinderte Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, für die bestehende Angebote nicht in Frage kommen und individuelle Lösungsansätze gefunden werden müssen.
Eine gezielte Vernetzung in München ergab sich durch regelmäßige Treffen mit Initiativen aus dem Bereich Migration, Behinderung und Flucht. So entstand u. a. ein Gemeinschaftsstand am 5. Mai – dem Protesttag der Menschen mit Behinderung – und der Plan für ein Bewerbungstraining im Oktober. Integrative Sommeraktivitäten für behinderte Flüchtlingskinder sollen langfristig eine Verknüpfung der Bereiche Kinder- und Jugendarbeit mit Migrations- und Flüchtlingsarbeit erreichen, um niemanden auszuschließen.
Nicht zuletzt ging auch die Ausstellung zur Situation behinderter Flüchtlinge in den Münchner Unterkünften auf Reisen: Auf Initiative des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben wurde sie von Januar bis März 2006 in Erlangen gezeigt. Eine der Unterkünfte mit zahlreichen behinderten Flüchtlingen, die wir auf den Plakaten abgebildet hatten, wurde inzwischen fast vollständig mit Rampen ausgestattet – einschließlich der bislang unzugänglichen Caritas-Beratungsstelle.
Seit September 2005 sammeln zwei blinde Kosovo-Albaner, die schon länger an unserem Kursprogramm teilnehmen, diverse Hilfsmittel wie Blindenstöcke, Lesegeräte und akustische Uhren für die Blindenschule in Peja (Pec)/Kosovo. Dringend benötigen sie hierfür auch noch Spiele für blinde Kinder, weitere Lesegeräte sowie Braille-Zeilen.
Ein querschnittsgelähmter Somalier, der schon länger in Deutschland lebt, ist dabei, in Mogadischu ein Projekt aufzubauen. Das Konzept und die Projektbeschreibung hat er bei ComIn erstellt. Sein Vorhaben präsentierte er mit einer kleinen Ausstellung bei der Münchner Veranstaltung zum Protesttag der Menschen mit Behinderung am 5. Mai 2006.
Stand: 07/2006