
Abderrahmane, Leiter des Beratungszentrums C.L.I.O. © Handicap International
C.L.I.O. wurde uns bereits innerhalb des Workshops von einem der Mitarbeiter vorgestellt. In diesem Seminar erhielten wir auch einen Überblick über die Situation von Menschen mit Behinderungen, ihre Versorgung, ihr Ansehen in der Öffentlichkeit und über Vereine, die die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Marokko wahren und durchsetzen wollen.
Für all das steht C.L.I.O. - auch wenn es sich oberflächlich betrachtet "nur" um eine Anlaufstelle handelt, die Menschen mit Behinderungen und ihre Familien mit Informationen versorgt: Informationen über medizinische Versorgung, therapeutische Behandlungen, aber auch über Rechte von Menschen mit Behinderungen, deren Wahrung vor allem seit der UN-Konvention 2006 internationale Gewichtung erhalten hat. C.L.I.O. berät Betroffene und leitet sie wenn möglich an offizielle Stellen weiter.

Mit viele Ruhe berichtet Kadiri, einer der Leiter des Beratungszentrums, von der enormen Wichtigkeit, Menschen zuzuhören. © Handicap International
Neben all der Information spielt bei C.L.I.O. aber vor allem Menschlichkeit eine große Rolle. Die Mitarbeiter wissen, sie können nicht jeder Familie helfen. Sie sagen uns, dass sie niemandem falsche Hoffnung machen oder falsche Versprechungen geben würden.
Aber eines können sie immer: Sie hören jedem, der bei Ihnen Hilfe sucht, zu. Sie setzen sich gemeinsam hin, diskutieren über die Gesamtsituation in der Familie, über Probleme, Arbeit, Sorgen. Und wenn wir uns die kleinen Räumlichkeiten anschauen und die Menschen, die dort ein- und ausgehen, während wir dies alles erzählt bekommen und man uns marokkanischen Pfefferminztee serviert, dann spürt man die familiäre Atmosphäre und die enorme Wichtigkeit von C.L.I.O.
Hier werden nicht nur Informationen weiter gegeben, sondern hier wird neben all den Sorgen und Ängsten auch gelacht. Die Menschen kommen gerne und dankbar hierher - das spürt man sofort.

Gruppenfoto vor dem Büro von C.L.I.O. © Sebastian Mantei
Sbastian Mantei, Journalist und Moderator beim MDR, hat uns auf unserer Reise nach Marokko begleitet. Hier hören Sie seinen Bericht, der ebenfalls auf MDR info ausgestrahlt wurde.

Samia mit Spielkamerad. © Handicap International
Die 5-jährige Samia fällt uns schon auf, als wir beim Beratungszentrum C.L.I.O. ankommen. Sie ist gerade dabei, dem etwa gleichaltrigen Zenbi eine Spiderman-Maske aufzusetzen und redet dabei lebhaft auf ihn ein. Dann rennen die Kinder lachend davon. Erst jetzt bemerken wir ein leichtes Hinken bei beiden und die kurzen Ärmchen des Mädchens, an denen die Hände fehlen.
Später sitzt uns Samia auf dem Schoß ihrer Mutter gegenüber und beantwortet ernsthaft unsere Fragen. Ja, sie möchte bald in die Schule gehen und sie malt gerne Bilder. Das tut sie mit ihrem einen Fuß, ergänzt Abderrahmane, einer der Leiter des Beratungszentrums. Außerdem spielt sie mit Vergnügen am Computer, erzählt er lächelnd: „Immer, wenn Samia kommt, muss ich meinen Platz räumen.“
Und wenn man in die strahlenden Augen des kleinen Mädchens sieht, spürt man auch, dass sie weiß, was sie will und was sie kann. Abderrahmane versucht alles, um sie dabei zu unterstützen, genauso wie die anderen Kinder, die zu ihm und seinen Partner Kadiri ins Zentrum kommen: So hat Samia für ihr stark verkürztes Bein eine Orthese bekommen, mit der sie nun recht gut laufen kann. Später werden die Berater von C.L.I.O. dann versuchen, Samia in eine Schule zu vermitteln und ihr Hilfsmittel zu besorgen, damit sie mit ihren Armen schreiben lernen kann. Einfach ist das nicht, denn Samia stammt aus einer sehr armen Familie.
C.L.I.O. ist im Armenviertel von Salé, der Nachbarstadt der marokkanischen Hauptstadt Rabat, angesiedelt. Kadiri und Abderrahmane, die beide selbst mit einer körperlichen Behinderung leben, haben das Zentrum aufgebaut, um andere Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. In erster Linie beraten sie und vermitteln dann je nach Bedarf an offizielle Stellen, soweit diese helfen können, oder an passende Einrichtungen, Schulen, mögliche Geldgeber... Zwar stoßen sie immer wieder an ihre Grenzen, aber wenn sie Samia und ihre Freunde lachen und laufen sehen, wissen sie, dass sich ihr Einsatz lohnt.
Eva Maria Fischer
Öffentlichkeitsreferentin von Handicap International
Stand: 08/2009