
Unsere Dolmetscherin Marina Beck mit dem Schuldirektor. © Handicap International
Bereits bei der ersten Projektbesichtigung auf unserer Reise sind wir hin und weg. Der Direktor der Schule Yad Fi Yad berichtet voller Enthusiasmus von seinen Klassen und den Ausbildungsstätten für junge Erwachsene und führt uns durch die Räumlichkeiten.
Auf den ersten Blick ist es eine Schule wie jede andere, aber eines ist doch anders: Die Schüler sind zum Teil gehörlos, andere haben eine Hörbeeinträchtigung und tragen Hörgeräte.

Im Computerraum stehen zehn Rechner zur Verfügung. © Handicap International
Einer der Räume ist ein Computerraum der Organisation Yad Fi Yad und ist mit zehn Rechnern mit Internetverbindung ausgestattet. So bekommen gehörlose Jugendliche Zugang zu Grundkenntnissen in Informatik und Internet. Dies geschieht im Rahmen des Projekts "Behinderung und lokale Entwicklung" von Handicap International, das von der EU finanziell unterstützt wird.
Auf allen Computern haben die Organisation Yad Fi Yad und der Lehrer Youssef Torkhani eine Software zum Erlernen der Zeichensprache eingerichtet. Diese Gebärdensprache, die durch Bewegung der Hände, des Gesichts und des Körpers funktioniert, variiert von einem Land zum nächsten, hat aber immer eine gemeinsame Basis. Für die gehörlosen Jugendlichen ist es unverzichtbar, die marokkanische Zeichensprache zu sprechen, damit sie untereinander und mit dem Rest der Welt kommunizieren können.

Schüler verabschieden sich in der Gebärdensprache. © Handicap International
In diesem Informatikraum können vor allem die jüngeren Jugendlichen im Umgang mit dem Programm ihre Zeichensprache perfektionieren. Auf dem Bildschirm erscheint ein Mann, der Gesten macht, und das dazugehörige Wort wird eingeblendet. Durch Spiele und Übungen werden die Gesten wiederholt und verinnerlicht. Dieses Programm hat es den Jugendlichen des Zentrums ermöglicht, Zugang zur Gebärdensprache zu bekommen. Sie können sogar per Webcam in verschiedenen Foren des Internets diskutieren und sich mit anderen Jugendlichen aus Marokko oder der ganzen Welt austauschen.

Kommunikation über Webcam. © Handicap International
Nach zwei Tagen Vorträgen und intensivem Austausch mit Vertretern von verschiedenen NGOs war es am Montag dann soweit: Vorort-Besichtigung der unterstützten Projekte. Gerade das Projekt für Gehörlose mit einem eigenen Computerraum interessierte mich sehr, da ich selbst in der IT arbeite. Gehörlose Jugendliche chatteten dort mit Hilfe von Webcams mit Menschen in der ganzen Welt. Durch die Bildübertragung waren die Gesten der Zeichensprache des Chatpartners in Echtzeit zu sehen und es konnte sofort geantwortet werden. Über Gebärdensprache, oder auch via Tastatur. Eine fantastische Erweiterung der Kommunikation für Gehörlose!
Wie mag es wohl sein, nichts hören zu können? Auch diese Erfahrung "durfte" ich machen. Als unsere Dolmetscherin im Nebenraum war, sprach der nicht gehörlose Leiter der Schule marokkanisch zu mir. Da ich sowohl diese Sprache als auch die Gebärdensprache nicht beherrsche, verstand ich kein Wort. Es blieb mir nur, dies mit irgendwelchen Handzeichen zu signalisieren und ihn freundlich anzulächeln. So in etwa muss es sich anfühlen, wenn man sein Gegenüber nicht versteht und auch keine Förderung in non-verbaler Kommunikation erhalten hat. Ein wichtiges Erlebnis und eine weitere Sensibilisierung für mich zum Thema Behinderung.
Mein Fazit: nicht alleine nur das Planen und Theoretisieren hilft weiter. Das TUN ist es.

© Handicap International
Günter Kaindl,
ehrenamtlicher Mitarbeiter von Handicap International
Stand: 08/2009