"Manchmal essen sie tagelang nichts"

Anne Gormally ist gerade aus Niger und Mali zurückgekommen. Dort nahm sie die Bedürfnisse der Flüchtlingsgruppen in der Sahelzone auf, die auf Grund schlechter Ernte und der Bedrohung durch bewaffnete Gruppen geflohenen sind. Im Kontext der Hungersnot hilft Handicap International insbesondere den schutzbedürftigen Menschen, die keine Möglichkeit haben, zur Hilfsgüterverteilung zu gelangen.  

Ein kleiner Junge liegt auf dem Bauch, im Vordergrund schaut ein älterer Mann in die Kamera
Ein kleiner Junge mit Behinderung, der von den Mitarbeitern von Handicap International im Camp Abala in Niger entdeckt wurde. © X. Joubert / Handicap International

Die sich ausbreitende Hungersnot in der Sahelzone wird zurzeit aufgrund politischer und sicherheitspolitischer Instabilität in Mali verschlimmert, wo der Umsturz, sowie das Vordringen bewaffneter Gruppen im Norden des Staates die Bevölkerung weiterhin schwächt. Anne Gormally hat für Handicap International eine Auswertung in der Region und besonders in Niamey durchgeführt, wodurch die dringendsten Bedürfnisse der schutzbedürftigsten Menschen evaluiert wurden.

„In Niamey habe ich eine Gruppe Frauen getroffen, die alle körperlich behindert sind. Die schreckliche Ausgrenzungssituation, in der sie sich befinden, hat mich tief berührt. Sie haben weder Zugang zu den kostenlosen Verteilungen, noch zu den Läden mit angemessenen Preisen. Ihnen ist es auch nicht möglich, die Märkte zu besuchen, um ihre Produkte zu verkaufen und sind folglich mittellos. Eine von ihnen berichtete sogar, dass sie manchmal tagelang nichts essen“, erzählt Anne. „Dringend müssen die spezifischen Bedürfnisse der schutzbedürftigsten Personen in den geführten Nothilfeeinsätzen berücksichtigt werden, allen voran Menschen mit Behinderung und schwangere Frauen. Besonders die Zugangsprobleme zur humanitären Hilfe, mit denen sie ständig konfrontiert werden, schnell behoben werden. In diesem bereits schwierigen Kontext ist die Situation dieser Menschen besonders besorgniserregend“.

Die Stadt Niamey und das Umland, wo Anne Gormally ihre Evaluierung durchführte, zählt zu den Regionen mit dem größten Anteil an Haushalten in einer Situation von schwerer Hungersnot.„ Das Problem der Hungersnot ist zwar chronisch in diesem Gebiet Afrikas, doch scheint die Situation im städtischen Umfeld, wie in Niamey, dieses Jahr deutlich schlimmer zu sein als normalerweise. Der Einsatz von Handicap International ist sehr wichtig, um die Grundversorgung der schutzbedürftigsten Menschen – Ein beträchtlicher Teil der Einwohner Niameys - zu gewährleisten.“

In der Hauptstadt Nigers möchte Handicap International ein Projekt starten, das bis zu 400 Familien helfen könnte. Das entspräche fast 3.000 Menschen, darunter Familien von Menschen mit Behinderung, schwangere Frauen etc. Unter anderem will die Hilfsorganisation ihnen den Zugang zu Lebensmitteln während des gesamten Zeitraums zwischen den Ernten gewährleisten und Ihnen dabei helfen, in Nothilfemaßnahmen mit einbezogen zu werden.

Handicap International kann auf sehr erfahrene Teams in Niger, Mali, und sogar in Burkina Faso zählen, da die Teams bereits seit mehreren Jahren in Entwicklungsprojekten arbeiten.

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Stand: Mai 2012

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