Handicap International im Tschad

Handicap International ist seit November 2009 erneut mit einem Projekt im Tschad im Einsatz. In dem Land, das ohnehin durch eine Serie von Konflikten schwer gezeichnet ist, machen zahlreiche Minen und weitere explosive Überreste Minenräuung sowie die Sensibilisierung für die Gefahren innerhalb der Bevölkerung erforderlich. Durch die Erfahrung und Expertise, die Handicap International mit der Durchführung von Präventionsprogrammen und Entminungsaktionen in vielen Ländern gesammelt hat, kann die Organisation den lokalen Kräften beim Abbau der Unfallrisiken zur Seite stehen. Die Zusammenarbeit erfolgt gemeinsam mit dem Nationalen Hohen Kommissariat zur Entminung (HCND).

Die von Handicap International ausgehende Unterstützung erstreckt sich auf fünf Bereiche:

  • Die Einweisung des HCND in ein System zum Qualitätsmanagement mit dem die Einsatzteams im Tschad, aber auch andere Organisationen, ihre Entminungsaktionen und Erfolge messen und bewerten können
  • Die Erarbeitung einer Strategie zur Rückgewinnung nutzbaren Bodens (das heißt Boden, der nicht mehr verseucht ist und gefahrlos der Bevölkerung zur Nutzung überlassen werden kann)
  • Das Sammeln von Informationen (Karten, Dossiers, Studien), um die verminten Gebiete genau zu lokalisieren
  • Die Ausbildung des HCND in der Prävention und Aufklärungsarbeit über Minengefahren in der Bevölkerung
  • Studien über von Minen betroffenen Menschen und ihre Chancen der sozialen und wirtschaftlichen Integration in die Gemeinschaft

Im Tschad hält bis heute der längste kriegerische Konflikt auf afrikanischem Boden an. Er begann bereits in den 1970er Jahren. Ganze Gebiete sind durch die schweren Auseinandersetzungen mit Minen und anderen explosiven Kriegsresten verseucht. An die 280.000 Menschen leben auf minenverseuchtem Territorium und mehr als 2500 sind den Minen als Verletzte oder Tote zum Opfer gefallen. 80 Prozent der Opfern sind Kinder.

Die Folge: Nach im Jahr 2004 vorgenommenen Schätzungen der Regierung haben 5,3 Prozent der Bevölkerung eine Behinderung. Die Verseuchung auf einer Fläche von mehr als 600 Quadratkilometern macht die Lokalisierung von Minen zu einer schwierigen Aufgabe. Die größten, mit Minen verseuchten Flächen befinden sich in der Region Borkou-Ennedi-Tibesti, einer wüstenhaften Gegend im Norden des Landes. Die Gefechte zwischen den Regierungstruppen und den bewaffneten Gruppen zwischen Dezember 2005  und Juni 2008 haben die Situation verschlechtert und belasten insbesondere die Bevölkerung, die im Osten (angrenzend an den Sudan), im Süden (in Grenznähe zur Zentralafrikanischen Republik) und in der Stadt N´Djamena lebt.

Handicap International war bereits zwischen November 1999 und Mai 2001 im Einsatz und hat kürzlich zwei Evaluierungsmissionen im Tschad unternommen.  

Stand: 01/2010

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