Mit dem Geist eines Champions:
Garfur Memor, 25, Sieger des Dreiradrennens
Garfur hat Handicap International vor ein paar Monaten kennengelernt. Ein Evaluierungsteam war in sein Dorf gekommen, um das Ausmaß der Schäden und der Bedürfnisse des Dorfes nach den Überschwemmungen 2010 festzustellen. Zahlreiche Häuser waren immer noch nicht wiederaufgebaut. Garfurs Beine sind gelähmt und er muss seine Arme trainieren, um selbstständig mit eigener Kraft voranzukommen und autonom zu sein.
"Nachdem ich mit Handicap International in Kontakt gekommen war, habe ich ein Dreirad bekommen, das ich nun benutze, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Das ist sehr praktisch! Anfangs fand ich es schwierig und ermüdend, aber mit der Zeit werde ich besser und vor ein paar Wochen habe ich sogar ein Dreiradrennen gewonnen, das von den Leuten von Handicap International organisiert worden war."
Bevor Garfur mit seinen Übungen begann, konnte er sich nicht aufrecht sitzend halten. Doch durch das regelmäßige Training seiner Körpermuskulatur ist es ihm gelungen, seine Sitzposition und sein Gleichgewicht zu verbessern, und er hat an Kraft in den Armen gewonnen. Mit der Zeit und seinem Willen wird er zweifellos in den kommenden Monaten weitere Fortschritte machen und jene Fähigkeiten wiederfinden, die er benötigt, um gänzlich autonom zu sein.
Rahim Bux, 20 Jahre, Student: "Damit ich aufrecht gehen kann und respektiert werde."
Mit seinen 20 jahren ist Rahim Bux der älteste Sohn einer achtköpfigen Familie. Begeistert von Mathematik und Physik lernt Rahim, um Lehrer zu werden. Für dieses Ziel steht er morgens früh auf und fährt 18 km mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu seinem Ausbildungszentrum. "Wenn es mir gelingt, Lehrer zu werden, habe ich eine sichere Arbeit, mit der ich meine vier Brüder und meine Schwestern unterstützen kann. Aber vor allem möchte ich die Lebensqualität der Einwohner meines Dorfes verbessern, indem ich den Kindern so viel beibringe, dass sie später selbst einen guten Beruf finden und nützlich sein können. Bei uns daheim ist das einzige Einkommen das meines Vaters, der als Wachposten arbeitet. Ich weiß, dass ich es ihm zu verdanken habe, das ich lernen kann, und ich wünsche mir, dass er stolz auf mich ist."
"Ich komme zu Handicap International ins Zentrum, um Rehabilitationsmaßnahmen zu machen und das Tragen einer Knie-Orthese zu lernen. Aufgrund einer Fehlbildung des rechten Beins bin ich gezwungen, das Knie beim Gehen mit der Hand zu stützen. Das ist ermüdend und schmerzhaft, doch besonders das Gefühl der Gebrechlichkeit bedrückt mich. Ich möchte auch vor allem nicht, dass die Anderen mich für einen Schwächling halten. Ich möchte normal gehen, mich gerade halten."
Rahim hat die Orthese vor zwei Monaten bekommen und schon enorme Fortschritte gemacht. Er hat gelernt, sich aufrecht und im Gleichgewicht zu halten, und muss nun weiter fleißig trainieren, um ohne Zuhilfenahme seiner Arme mit der Orthese gehen zu können.
Yasmine, 21 Jahre, Schneiderin: "Ich habe eben das Kleid fertig genäht, das ich an meiner Hochzeit tragen werde."
Yasmine hatte während ihres Wachstums Probleme und hat deshalb ein verkürztes Bein – alleine gehen kann sie trotzdem. Trotz ihrer Behinderung verströmt sie eine überaus ansteckende Energie und Lebensfreude.
Handicap International gab Jasmine im Rahmen seines Programms zur Unterstützung von Personen mit Behinderung auf ihrem Weg in eine ökonomische Unabhängigkeit die Gelegenheit, an einer Schneiderausbildung teilzunehmen, und rüstete sie mit einer Nähmaschine aus. So hat sie die Möglichkeit zuhause zu arbeiten. „Nach dem Abschluss der Oberschule wurde ich an einer Krankenschwesternschule angenommen, doch leider konnte ich diese Ausbildung nicht beenden. Ich habe schon immer gerne geschneidert und als Handicap International mir vorschlug, in diesem Bereich eine Ausbildung zu machen, es zu meinem Beruf zu machen, habe ich sofort akzeptiert.“
Yasmine lebt mit vier Brüdern und vier Schwestern noch bei den Eltern in der kleinen Stadt Jati, die von den Überflutungen 2010 hart betroffen war. Das zusätzliche Einkommen, das sie zum Familieneinkommen beiträgt, ist eine große Hilfe und verschafft ihr Wertschätzung in ihrer Gemeinde. „Ich arbeite rund vier Stunden pro Tag an der Nähmaschine und schaffe es, bis zu ein Modell pro Stunde herzustellen. Meine Kunden sind hauptsächlich Frauen aus dem Viertel, die direkt mit dem Stoff ihrer Wahl zu mir kommen. Wir besprechen dann, was sie aus ihm gemacht haben wollen. Ich nehme ihr Maß und mache mich an die Arbeit.“
„Die Gemeinde, in der ich lebe, ist relativ klein und jeder kennt jeden. Nun da die Frauen wissen, dass ich eine Nähmaschine habe, kommen sie alle gerne zu mir, damit ich ihnen neue Kleidung nähe. Aber ich nähe natürlich auch für meine Familie oder für mich. Zum Beispiel habe ich gerade die Bekleidung fertig gestellt, die wir zu meiner Hochzeit tragen werden. In ein paar Tagen werde ich heiraten, wofür ich nun gut gerüstet bin. Ich konnte ein wenig Geld zur Seite legen und ich bin wirklich sehr zufrieden mit meiner Kleidung Sie besteht aus einer rosa Tunika mit gestickten Ornamenten, die ich mir nicht hätte leisten können, doch nun konnte ich sie mir selbst machen!“
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