Patienten und Unterstützer von Handicap International in Panay © Handicap International
„Wenn die Menschen mit Behinderung nicht zu unseren Angeboten kommen können, bringen wir sie eben zu ihnen!“ So lautete das Motto der Hilwai, des mobilen Rehabilitations-Schiffs. Das von Handicap International ins Leben gerufene Projekt verschaffte Menschen mit Behinderung auf den entlegensten Inseln der Philippinen Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen. „Hilwai“ heißt Bewegungsfreiheit auf llonggo, dem örtlichen Dialekt. Das Schiff wurde, mit einer anfänglichen finanziellen Unterstützung durch die Weltbank und private Spender, von Handicap International gechartert und erreichte die verarmten Inselprovinzen der Philippinen. Für Menschen mit Behinderung, die auf diesen Inseln lebten, war es ein Hoffnungsschimmer, dass man sich um sie kümmerte, und dass es ihnen nun möglich war, endlich Eigenständigkeit zu erlangen und damit Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Die Teams der Hilwai waren allerdings weit davon entfernt, nur physische Rehabilitation und Ausrüstung zu liefern. Vielmehr leisteten sie auch ganze Arbeit, um die Aufnahme der Menschen mit Behinderung in die Gemeinschaft zu fördern.

Noell, eine Patientien, kann stehen © Handicap International
Überall wurde die Hilwai auf die gleiche Weise empfangen: Die Menschen traten ihr mit Dankbarkeit, aber auch hohen Erwartungen entgegen. Egal ob Gesundheitsbeauftragte, soziale Dienste, Organisationen von Menschen mit Behinderung oder Familien, alle hofften auf eine Fortsetzung, eine Wiederkehr der Hilwai. In manchen Gemeinden hatten Bürgermeister und diverse Organisationen ebenfalls versucht, die Umsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderung voranzutreiben. Trotzdem war es offensichtlich, dass es für sie alleine schwer sein würde, weiter zu führen, was mit der Hilwai begonnen hatte. Alle betonten ihr Bedürfnis, mehr über den Umgang mit allen Bereichen von Behinderung zu lernen und noch umfassender, in einem größeren Zeitraum als den drei Monaten, die die Hilwai anbieten konnte, geschult zu werden.
Deshalb entstand - auf Basis der Bedürfnisse der wichtigsten Akteure und Partner - der Wunsch, die Unterstützung für Menschen mit Behinderung fortzuführen und auf dem bereits fruchtbaren Boden weiter zu arbeiten.
Nachdem der Leiter des Hilwai-Projekts, Jasper, und sein Team 2008 erneut Gebiete besuchten, in denen sie sich in den vergangenen Jahren engagiert hatten, besuchten sie auch die Insel Panay, mit der 2005 alles begonnen hatte. Dort wurde das Konzept des mobilen Rehabilitationsservices schrittweise von einem gemeinschaftsbasiertem nachhaltigen Ansatz abgelöst. Und die Hilwai hat sich verdientermaßen auf der Insel Panay zur Ruhe gesetzt, um ihrem Nachfolger – dem Panay- Projekt - den Weg zu bereiten.
Unser Team und seine Partner haben sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten drei Jahre das nationale Programm der gemeinschaftsbasierten Rehabilitation (CBR) in fünf Gemeinden in zwei Provinzen auf Panay zu unterstützen. Eine der zwei Provinzen, Antique, gehört zu den ärmsten 20 der insgesamt 80 Provinzen der Philippinen. Ebenso zählen die drei Gemeinden, mit denen wir in der anderen Provinz arbeiten, landesweit zu den ärmsten.
Das Team, das in dem neuen Projekt sein „Baby” sieht, ist sehr optimistisch, da sich die wichtigsten Mitarbeiter der Hilwai entschlossen haben, an dem neuen Projekt mitzuwirken. Deshalb kann das Team nun nicht nur weiter für mehr Inklusion werben, sondern auch intensiver mit der lokalen Zivilgesellschaft und den Gemeinden im Allgemeinen zusammenarbeiten.
Das neue Projekt wird seinen Fokus mehr auf Nachhaltigkeit legen. Hierzu werden örtliche Autoritäten dazu angehalten, von sich aus das bereits bestehende Gesetz (Verordnung 437) anzuwenden. Dieses Gesetz sieht die Durchführung von Programmen und Dienstleistungen vor, die nach dem Prinzip der gemeinschaftsbasierten Rehabilitation (CBR) funktionieren und die die Rechte von Menschen mit Behinderung in der Gesundheitsfürsorge, dem Schulwesen und der Arbeitswelt anerkennen.
Gleichzeitig wird das Team die lokalen Organisationen von Menschen mit Behinderung schulen, sich selbst zu organisieren, so dass sie sich zu Gesprächspartnern der Regierung und Verwaltung entwickeln. Außerdem werden sie befähigt, ihre eigenen Vorstellungen innerhalb des Gemeindeprogramms der gemeinschaftsbasierten Rehabilitation zu artikulieren. Um für eine bessere Integration zu sorgen, wird es außerdem Schulungsmöglichkeiten für die relevanten Dienstleister (Ärzte, Gesundheitsbeauftragte, Sozialarbeiter und Schulleiter) zur Barrierefreiheit und zu den Rechten von Menschen mit Behinderung geben.
Eine Patientin von Handicap International © Handicap International
Die erwarteten Ergebnisse für die Menschen mit Behinderung sind sehr wichtig. In Bezug auf Gesundheitsfürsorge und Hilfsmittel müssen die Dienstleistungen in allen Gemeinden verbessert werden und in Bezug auf Einschulung ist noch viel Lobbyarbeit nötig. Die Reha-Teams suchen die Kinder, die nicht in der Schule sind, auf und gehen auf die Lehrer, die Schulleiter und Schüler zu, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Wir überlegen außerdem, wie wir die Beschäftigung der Menschen mit Behinderung vorantreiben können (z.B. Restaurants in der Stadt oder mit kleinen Läden oder Farmen in kleinen Gemeinden auf dem Land)…
Das neue Projekt beruht auf den Erfahrungen mit der Hilwai, versucht aber deren Beschränkungen zu überwinden und konzentriert sich mehr auf Nachhaltigkeit, indem Schlüsselfiguren der Gemeinschaften aktiv mit einbezogen werden. Aufmerksamkeit und Lobbyarbeit in Bezug auf Behinderung sind nach wie vor Schwerpunkte. Aber alle Lektionen, die wir aus dem Vorgängerprojekt gewonnen haben, sind hilfreich und notwendig für das jetzige und wir haben nun mehr Zeit, wirklich in die Tiefe zu gehen und mit bestehenden Netzwerken zu arbeiten. Der Hauptunterschied ist, dass wir uns an einem existierenden Gesetz orientieren können, um die Dinge in den Gemeinschaften zum Laufen zu bringen – ein Gesetz das durch den CBR Kongress in diesem Jahr und die Umsetzung des nationalen Plans auch im nächsten Jahr landesweit Aufmerksamkeit erzeugt. Und so sollte dieses neue - aus dem Hilwai Projekt entstandene Projekt - letztendlich tatsächlich dazu führen, eine inklusive Gesellschaft für Alle in den ärmsten Regionen der Philippinen zu erschaffen.
Stand: 07/2010

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