Hilfe für Neugeborene

Eine effiziente medizinische Betreuung während der Schwangerschaft garantieren, Fehlbildungen vorbeugen und sie bei der Geburt erkennen… Seit 2008 bilden sechs Mitarbeiter von Handicap International medizinisches Personal in diesen Bereichen fort und informieren die Bevölkerung über ihre Möglichkeiten zum Handeln.

Der kleine Truyen liegt glücklich auf dem Arm seiner Mutter.
Dank der Früherkennung konnte Truyen rechtzeitig geholfen werden. © Handicap International

Trotz vieler Fortschritte auf anderen Gebieten ist in Vietnam ein Rückgang bei der Ausbildung von medizinischem Personal und der Ausstattung mit geeignetem Material zu verzeichnen. Der Zugang zu medizinischer Grundversorgung ist vor allem in den ländlichen Gebieten Süd- und Zentralvietnams sehr schlecht und stellt die Menschen dort vor große Probleme. Besonders verhängnisvoll ist diese Situation für die Neugeborenen – zumal Vietnam immer noch von den Spätfolgen von „Agent Orange“ heimgesucht wird: Dieses chemische Entlaubungsmittel wurde von den USA während des Vietnamkriegs eingesetzt und verursacht genetisch bedingte Fehlbildungen. Viele Frauen werden während ihrer Schwangerschaft überhaupt nicht medizinisch betreut. Das Ergebnis: Jedes Jahr werden in Vietnam 28.000 Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren registriert – 50 % davon sind Totgeburten durch vorzeitige Wehen oder Fehlbildungen am Fötus.

Folsäure: Unentbehrlicher Helfer
Sechs Mitarbeiter von Handicap International teilen sich seit 2008 die Arbeit in zwei Provinzen: In Khanh Hoa arbeiten wir zusammen mit lokalen Gesundheitsdiensten im Projekt Welcome to Life“ und in Thua Thien-Huê im Projekt „Congenital Differences“.
Ziel ist es, Ärzte, Krankenschwestern und Heilerinnen für die Begleitung von Schwangeren auszubilden. Außerdem treten wir mit der Bevölkerung in Kontakt und gehen in Dörfer, um junge und werdende Mütter über die Bedeutung von Impfungen (z.B. gegen Röteln) und die Einnahme von Folsäure vor und zu Beginn der Schwangerschaft aufzuklären. Diese Maßnahmen helfen bei der Vorbeugung von bestimmten Fehlbildungen des Fötus wie z.B. Spina bifida.
In Huê konnten wir mit diesen Sensibilisierungsaktionen 35.481 Menschen in 1.024 Dörfern erreichen!

Früherkennung in den Krankenhäusern
Der zweite Bestandteil des Projekts betrifft die schnelle Diagnose von Fehlbildungen durch die Einführung von Früherkennungs-Systemen in den Krankenhäusern. Wenn eine Anomalie bei einem Neugeborenen festgestellt wird, können die lokalen Geburtshelfer die Familie an spezialisierte Ärzte überweisen, damit sofort gehandelt werden kann. In der Provinz Khanh Hoa wurden bereits 170 Ärzte, 120 Heilerinnen und 155 Krankenschwestern sensibilisiert und fortgebildet.

Hintergrund

  • In Ho Chi Min Stadt, dem wirtschaftlichen Zentrum Vietnams, kamen 2008 auf 10.000 Einwohner gerade einmal 8,2 Ärzte (eine viermal geringere Dichte als in Deutschland).
  • In ganz Vietnam gab es 2008 nur 57.000 Ärzte für eine Gesamtbevölkerung von 84 Millionen Einwohnern.
  • Nur 42 % der Bevölkerung hatte 2008 Zugang zu staatlicher Gesundheitsversorgung. Die Regierung hofft, bis 2014 eine hundertprozentige Abdeckung zu erreichen.

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                                                                                                       Stand: April 2012

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