Handicap International in Bosnien-Herzegowina

Ein Mann in Schutzkleidung kniet am Boden und entschärft eine Mine
Minenräumung in Bosnien-Herzegowina © P. Vermeulen / Handicap International

Im Rahmen des übergreifenden regionalen Balkan-Programmes verfolgt Handicap International seit den 90er-Jahren in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern und Behörden Aktivitäten, um die Risiken und Folgen der Landminen für die zivile Bevölkerung zu mindern. In Bosnien-Herzegowina wurden in den letzten Jahren insbesondere Entminungsteams ausgebildet und Entminung durchgeführt, u.a. mit finanzieller Unterstützung von der deutschen Regierung und deutschen Spenderinnen und Spendern. Außerdem unterstützt ein Projekt von Handicap International die ländliche Entwicklung in von Minen betroffenen Regionen. Bei der Projektarbeit wurden immer lokale Strukturen verstärkt. Heute ist ein Stadium erreicht, in dem eigene Aktivitäten immer mehr an lokale Partner übergeben werden können.

Die geringen finanziellen Mittel, die ausreichen sollen, fast einer Million von Minen betroffenen Menschen zu helfen, waren ausschlaggebend für die Entscheidung von Handicap International, 2012 weiter in derselben Region wie 2011 zu agieren: In der Schutzzone von Jajce, in deren Stadtzentrum nach wie vor  bekannte Minenfelder liegen. Abgesehen von den Landminen ist Jajce auch eine der zehn Gemeinden in Bosnien und Herzegowina, die von Submunition aus Streubomben betroffen sind. Obwohl die Minenfelder klar ausgeschildert und abgesperrt sind, fühlen sich die Gemeindeverwaltung und das Volk von Jajce beim täglichen Anblick von eindeutigen, roten Minenwarnschildern verständlicherweise nicht wohl. Ihre Sorge wird jedesmal größer, wenn ein Bus voller Touristen oder Schulkinder ankommen, um die für ihre Geschichte bekannte Stadt zu besuchen. Jajce ist für seine Mischung aus Architektur- und Naturdenkmälern Kandidat für die Liste der UNESCO Welterbe-Stätten. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen religiöse Gebäude, Burgen und Festungen, der Friedhof und das Mausoleum, historische Gebäude, das Denkmal für die Opfer des zweiten Weltkriegs und der Wasserfall des Flusses Pliva.

Jajce liegt im Zentrum des Bezirks Zentralbosnien der Föderation Bosnien und Herzegowina. Dieser Bezirk wurde 2003 vom Landmine Impact Survey (LIS) als der am schlimmsten von Landminen betroffene Kanton in Bosnien und Herzegowina eingestuft. Trotz andauernder und konsequenter Minenbekämpfungsprogramme sind nach wie vor fast 50 % der Gemeinden von Landminen betroffen - eine ganz konkrete Bedrohung für 17.254 Menschen. Von den 58 Gemeinden in Jajce sind 21 betroffen.

Die aktuellen Minenräumungsprogramme könnten den lokalen Autoritäten dabei helfen, das Tourismusangebot zu erweitern. So entstünde eine höhere Lebensqualität für alle, und in der Gemeinde könnte wieder mehr soziales und kulturelles Leben stattfinden.

Immer in enger Zusammenarbeit mit lokalen Autoritäten, wie Gemeinde, Zivilschutz und BHMAC, hat Handicap International bisher mithilfe anderer Organisationen folgendes geleistet: Markierung von Minenfeldern, Aufklärung, Minenräumung und Minen-Risiko-Management (MRM) durch Kartierung.

Die markierte Begrenzung zum Minenfeld liegt direkt an den Häusern
Die markierte Begrenzung zum Minenfeld liegt direkt an den Häusern © Handicap International

Das bedeutet konkret: In sechs Gemeinden wurden Tafeln mit topographischen Karten von 2 x 2 Metern aufgestellt, in fünf weiteren stehen 141 permanente Minenwarnschilder.  Eine zugelassene lokale Organisation hat in fünf Schulen Präsentationen für Schüler, Pfadfinder, Bergsteiger und Förster  gehalten und 6.000 Poster mit Verhaltensregeln bei einem Minenfund verteilt. In Jajce wurde eine Radiosendung über Minenbekämpfungsprogramme organisiert.

Handicap International hat auf die Qualität der Arbeit und auf die Sicherheit der Mitarbeiter sowie der Menschen, die von der Minenräumung direkt profitieren immer den größten Wert gelegt.  Seit 2007 wird Handicap International als humanitäre Organisation anerkannt, die an Räumungsaufgaben nicht nur nach den offiziellen Richtlinien herangeht. Die partizipatorische Herangehensweise der Organisation bewirkt mehr und ist für die Begünstigten sinnvoller.

Um das Minenproblem in einer bestimmten Gemeinde zu verstehen arbeitet Handicap International gemeinsam mit der BHMAC, der Gemeindeverwaltung und der betroffenen Bevölkerung. Verschiedene Bevölkerungsgruppen betreten die vermuteten Gefahrenzonen unterschiedlich oft, und auch ihre individuelle Art, mit dem Risiko umzugehen, ist unterschiedlich. Handicap International ist überzeugt, dass die aktive Einbeziehung verschiedener Akteure bei der Priorisierung der zu räumenden Gegenden essenziell ist, um Eigenverantwortlichkeit, Wirkung und Nachhaltigkeit der Räumungsaktivitäten zu verbessern. Handicap International bindet auch lokale gemeinnützige Räumungsorganisationen in das Projekt ein. Die Auswahl dieser Partner wurde 2009 durchgeführt und 2011 überarbeitet. Handicap International hat ein Übereinkommen mit fünf lokalen Organisationen geschlossen, die für Minenräumung und technische Untersuchungen zugelassen sind und die manuell, maschinell und mit Hilfe von Hunden den Boden bearbeiten.

Da die Minenaktionsprojekte mit den geschilderten Qualitätsstandards künftig als internationale Organisation nicht mehr finanzierbar sind, werden die Aktivitäten von Handicap International 2012 zu Ende kommen und an lokale Partner übergeben werden.

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Stand 04/2012

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