Interview mit der Physiotherapeutin Uta Prehl

Uta Prehl war 2010 für ein halbes Jahr in Jordanien, um vor Ort in einem Projekt für Handicap International zu arbeiten, dass von Ärzten ohne Grenzen ins Leben gerufen wurden. In dem Projekt werden Menschen aus Irak behandelt, die Kriegsverletzungen wie Verbrennungen der Gliedmaßen, Amputationen oder Knochenbrüche erlitten haben.
Nach ihrer Rückkehr nach München konnten wir ein Interview mit ihr durchführen.

Die Physiotherapeutin Uta Prehl kniet neben einem Mann im Rollstuhl, der keine Beine mehr hat

Uta Prehl mit einem ihrer Patienten © Uta Prehl/Handicap International

Was hat Sie dazu bewegt, als Physiotherapeutin für Handicap International im Ausland zu arbeiten?

Ich habe 20 Jahre in Kliniken und Praxen in Deutschland und in den USA gearbeitet. Für mich war das irgendwann nicht mehr befriedigend. Entwicklungszusammenarbeit hat mich schon während meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin immer interessiert. Die Arbeit von Handicap International ist für mich die ideale Verbindung zwischen meinem Beruf und der Entwicklungszusammenarbeit. Im Feld zu arbeiten ist anstrengend und arbeitsintensiv, aber auch sehr erfüllend. Ich liebe diese Herausforderung.
 
In welchem Projekt arbeiten Sie gerade?

Das Projekt, für das ich in Jordanien arbeite, wurde von Ärzte ohne Grenzen (MSF) ins Leben gerufen. Die Leitung der physiotherapeutischen Abteilung wurde an Handicap International übertragen. Es ist sehr schön zu sehen, wie die Physiotherapie im Laufe des letzten Jahres mehr und mehr in das „medizin-lastige“ Projekt von MSF integriert wurde.       

Wurden Sie als Frau von Ihren Kollegen sofort akzeptiert?
Ich kam als Familie, mit Mann und Kind. Die Familie hat hier im arabischen Raum einen hohen Stellenwert und deshalb wurde ich sofort respektiert. Hinzu kommt, dass mein Team drei Monate vor meiner Ankunft keine Abteilungsleitung hatte und diese Ihnen fehlte. So wurde ich mit Dankbarkeit begrüßt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Jeder Tag ist anders – das ist das Schöne an meinem Job hier. Vormittags findet die Visite im Krankenhaus statt. Ansonsten begleite ich gerne die Physiotherapeuten, unterstütze sie bei Behandlungen oder spreche Behandlungspläne mit ihnen durch. Im Moment arbeite ich an einem Konzept für die Nachbehandlung unserer Patienten im Irak. Diese Arbeit erledige ich ein- bis zweimal pro Woche im Büro von Handicap International.        

Aus welchen Ländern kommen Ihre Patienten?

Ich arbeite hier in Jordanien für ein irakisches Projekt mit irakischen Patienten. Wir behandeln Kriegverletzungen wie Verbrennungen der Gliedmaßen, Amputationen oder Knochenbrüche. Die Verletzungen selbst sind meistens drei bis fünf Jahre alt und das hat oft massive Komplikationen zur Folge. Hauptsächlich sehen wir Männer, da die Frauen im Irak nicht so oft auf die Straße gehen und daher die Gefahr einer Kriegsverletzung für sie nicht so groß ist. Zurzeit haben wir viele Kinder in unserem Projekt: Die meisten kommen mit Verbrennungen zu uns, die sie sich beim Spielen im Haus oder auf der Straße zugezogen haben.

Was war das schönste Erlebnis für Sie während dieses Einsatzes?


Unser Team veranstaltet regelmäßig einen Tag der offenen Tür für alle Patienten. Diese Tage sind ist eine gute Mischung aus Therapie und Spaß. Es ist fantastisch zu sehen, wie sehr die Patienten, die oft für eine lange Zeit weg von ihrer Familie sein müssen, diese Tage genießen. Sie fangen an zu singen oder zu tanzen, mit Rollstuhl, Krücken und Prothesen.

Was machen Sie, wenn Sie wieder in Deutschland sind?

Ich werde den Sommer mit Familie und Freunden in München verbringen und würde dann gerne wieder mit Handicap International im Ausland arbeiten – vielleicht in Haiti?

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