Räumung im Flüchtlingslager Nahr el Bared

Ein Entminer gibt durch Handzeichen zu erkennen, dass er einen explosiven Spregkörper gefunden hat

Ein Entminer gibt durch Handzeichen zu erkennen, dass er einen explosiven Spregkörper gefunden hat © B.Darrieux/Handicap International

Im Oktober 2008 hat Handicap International ein Projekt im palästinensischen Flüchtlingslager von Nahr El Bared im Nordlibanon begonnen, wo seit 1949 ca. 30.000 Flüchtlinge leben. Diese Gegend wurde während des letzten Konflikts zu ca. 95 % zerstört. Dort liegen etwa 500 000 Kubikmeter Schutt, die tausende Sprengkörper (Minen, Granaten, Submunitionen etc.) in sich bergen, die jederzeit hochgehen können. Zu Räumung rücken gepanzerte Fahrzeuge an, die die Trümmer zur Seite räumen. Diese werden dann von vier Teams von Handicap International (insgesamt 44 Personen, davon 41 aus dem Libanon) untersucht und gefährliche Blindgänger werden entschärft.

Parallel dazu sensibilisieren wir alle in den Lagern tätigen Menschen (Personal der UNO, ArbeiterInnen, JournalistInnen usw.) und heimkehrende Flüchtlinge für die Gefahren, die von Blindgängern ausgehen.

Saera - eine Frau, die sich über Vorurteile hinwegsetzt und Minen räumt

Foto der Minenräumerin Saera

Die 36-jährige Saera ist sehr stolz, in ihrer Heimat als Minenräumerin zu arbeiten. © B.Darrieux/Handicap International

Saera Al Najjar ist eine 36-jährige Minenräumerin, die für Handicap International arbeitet, um explosive Überreste im Flüchtlingslager Nahr El-Bared (Nordlibanon) zu entfernen.  

Wie würdest Du Deinen Beruf in diesem Gebiet beschreiben?

Das Minenräumen ist ein gefährliches Metier, das viel Genauigkeit erfordert, da jeglicher kleiner Fehler zur Katastrophe führen kann. Ein normaler Tag beginnt sehr früh am Morgen, um 7.00 Uhr. Ich muss fertig sein und meine persönliche Sicherheitsausrüstung tragen, die einige Kilo wiegt.
Mein Team besteht aus 3 weiteren Arbeitern und einem Teamleiter (alles Männer), und wir arbeiten mit einem Bauunternehmen zusammen, das Bauschutt beseitigt. Erst wird ein Bereich festgelegt, dann beginnt ein gepanzerter Bagger in einer zuvor eingerichteten und abgesperrten Zone mit der Verteilung von Bauschutt auf eine Höhe von maximal 10 cm. Aus sicherheitstechnischen Gründen ziehen wir uns während dieser Arbeit zurück. Dann stellt sich unser Team in gleichmäßigem Abstand in einer Reihe auf und beginnt, nach Sprengkörpern zu suchen, indem wir langsam die Zone durchschreiten und dabei versuchen, die Submunitionen inmitten des Bauschutts ausfindig zu machen. Wenn dann einer von uns etwas findet, sagt er es Teamleiter. Einer der Minenräumer zündet dann die Submunition vor Ort, wenn diese nicht transportiert werden kann, oder sie wird im Bunker gelagert, um am Ende des Tages gesprengt zu werden. Diese Tätigkeit wiederholt sich den ganzen Tag lang. Ich verbringe also viel Zeit damit, in der Sonne auf der Suche nach nicht explodierten Submunitionen unterwegs zu sein.  

Was hast Du gemacht, bevor Du Minenräumerin wurdest und was hat Dich dazu veranlasst, bei einem Entminungsteam mitzumachen?

Bevor ich von Handicap International für die Suche nach explosiven Überresten ausgebildet wurde, habe ich als Sekretärin gearbeitet. Gründe für meine Entscheidung, bei einem Entminungsteam mitzumachen, waren das Abenteuer und die Spannung. Ich glaube, dass ich eine der wenigen Frauen im Libanon bin, die in diesem Bereich arbeitet.  

Wie ist die Situation für eine Frau, die als Minenräumerin arbeitet, im  Vergleich zu einem Mann?

In diesem Bereich gibt es keine besonderen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Als Frau muss man jedoch sehr mutig sein, um gewissen Männern die Stirn zu bieten, die auf die Anwesenheit einer Frau empfindlich reagieren. Ganz besonders bei dieser Art von Arbeit und vor allem in einer östlichen und traditionellen Gesellschaft kommt dies häufig vor. Für mich persönlich gibt es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau, ganz egal, um welche Arbeit es geht. Ich möchte mich im Bereich der Minenräumung bewähren.  

Welche unerlässlichen Eigenschaften braucht eine Frau, um einem Entminungsteam beizutreten?

Mut, eine starke Persönlichkeit und Selbstvertrauen.  

Wie denkt Deine Umgebung über Deinen Beruf?

Es gibt mehrere Reaktionen: einige sind erstaunt, andere reagieren sarkastisch und wieder andere zeigen sich anerkennend. Ich habe jedenfalls schon beschlossen, in diesem Bereich weiterzumachen, um der Welt zu beweisen, dass ich eine mutige Frau bin. Ich empfehle den Beruf der Minenräumerin jeder Frau, die ihren Mut für die Sicherheit ihrere Mitmenschen einsetzen möchte. Es ist einfach eine hervorragende und sehr spannende Arbeit!

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Stand: 09/2009

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