Neben der Räumung von Streumunition und der psychologischen Betreuung der Opfer des Krieges im Libanon konzentrierte sich Handicap International nach dem Konflikt im Sommer 2006 im Libanon auf die medizinische und therapeutische Unterstützung für Menschen, die in Folge der schweren Angriffe verletzt worden waren. Bis Sommer 2007 war dafür unser Auslandsmitarbeiter Steffen Schwarz zuständig, der bereits in unserem Projekt in Indonesien mitgearbeitet hat. Einer der ersten Patienten, mit denen er in direkten Kontakt kam, war Samer Al Ahmad (Name geändert):
Samer Al Ahmad ist 25 Jahre alt und wohnt mit seinen Eltern, sechs Brüdern und vier Schwestern im Süden Libanons an der Grenze zu Israel. Beim Konflikt im Sommer 2006 wurde das Haus der Familie von Bomben getroffen. Das oberste Stockwerk, in dem Samer sich gerade aufhielt, brach ein und die herabstürzenden Betonteile trafen ihn am Kopf. Samer verlor durch diesen Unfall sein linkes Auge. Die Ärzte meinten, es sei ein Wunder, dass er überlebt habe.

Steffen Schwarz im Gespräch mit Samer Al Ahmad. © U.Meissner für Handicap International
Samer war der Einzige in der Familie mit einem regelmäßigen Einkommen als Angestellter bei einem Steinmetz. Seine Eltern leben vom Tabakanbau, und die Geschwister arbeiten gelegentlich als Tagelöhner. Sein Unfall betrifft also die gesamte Familie besonders stark. Alle Ersparnisse wurden verwendet, um die Operationen in verschiedenen Krankenhäusern zu bezahlen. Doch auch danach war Samers Gesicht noch immer entstellt, und er traute sich nicht auf die Straße, weil er Angst vor den Blicken der Leute hatte. Eine weitere Operation war nötig, um die Narben im Gesicht zu verringern und die Knochen am Auge so zu verstärken, dass ein Glasauge eingesetzt werden kann. Diese Behandlung wird nun mit der Hilfe von Handicap International in einem Partnerkrankenhaus stattfinden.
Ähnlich wie Samer unterstützt Handicap International im Libanon mehrere PatientInnen, um Behinderungen zu vermeiden oder deren Auswirkungen zu verringern. Bei allen notwendigen Operationen wird zunächst festgestellt, ob die betroffenen Familien für den Teil der Kosten aufkommen können, den das Gesundheitsministerium nicht übernimmt. Wenn es nötig ist, trägt Handicap International die Kosten. Viele Menschen brauchen wegen der oft sehr schweren Verletzungen mehrere Nachfolgeoperationen. Außerdem kommen fast jede Woche Opfer von Unfällen mit Streumunition hinzu. Das soll sich jedoch möglichst bald ändern, nachdem Handicap International und andere Organisationen mit der intensiven Räumung der Blindgänger begonnen haben. Bis jedoch alle diese Gefahrenquellen beseitigt sind, kann es noch sehr lange dauern.
Ende Januar erreichte uns eine Nachricht von Steffen Schwarz: "Samer wurde nun operiert. Die OP ist gut verlaufen und er fühlt sich schon sehr viel besser. Wenn weiter alles gut verläuft, besorgen wir ihm noch ein Glasauge, so dass er sich wieder unter Menschen traut und hoffentlich bald wieder arbeiten gehen kann."
Im Mai 2007 schließlich bekam Samer sein Glasauge angepasst. Nun traut er sich endlich wieder unter Menschen und ist dabei, sich aktiv nach einer Arbeitsstelle umzusehen.
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Stand: 07/2007