Arbeit im Gazastreifen begonnen

Handicap International hat seit dem 20. Januar die Arbeit an verschiedenen Rehabilitationsprogrammen im Gazastreifen begonnen, die von lokalen Partnern und dem Team vor Ort durchgeführt werden.

„Es war dringend notwendig, unsere Rehabilitationsmaßnahmen zu beginnen und nicht mehr länger zu warten“, erklärt Aleema Shivji, die zur Verstärkung des Teams von Handicap International nach Jerusalem geschickt wurde. „Die Verwundeten müssen sofort versogt werden, um zu verhindern, dass sich dauerhafte Behinderungen entwickeln.“

Die Auslandsmitarbeiter, die nach Jerusalem geschickt wurden, können immer noch nicht in den Gazastreifen. Dennoch haben sie bereits den Beginn der Rehabilitationsmaßnahmen koordiniert. "Momentan ist es nur chirurgischem Personal erlaubt, in den Gazastreifen einzureisen. So ist es bei allen Nicht-Regierungs-Organisationen", erklärt Aleema. "Wir konnten aber seit dem 19. Januar in Zusammenarbeit mit unseren palästinensischen Kollegen ein Team von sieben Physiotherapeuten zusammenstellen. Die Aufgabe dieses Teams ist es, die Anzahl der Verletzten und aller Menschen herauszufinden, die Rehabilitationsmaßnahmen in Süd-Gaza benötigen. Außerdem werden sie schon mit den dringendsten physiotherapeutischen Behandlungen beginnen."

Eine erste Aktion wurde bereits ab dem 14. Januar, also schon vor der Waffenruhe, mit einem Partner in einem Krankenhaus durchgeführt: die Verteilung von Gehhilfen (Krücken, Rollatoren etc.). Doch die Bedürfnisse im Bereich Rehabilitation sind sehr groß: "Wir schätzen die Anzahl der Menschen, die physiotherapeutische Behandlung brauchen, auf 2.000 bis 2.500. Und wir schätzen, dass zwischen 300 und 400 Menschen eine Amputation erlitten haben. Wir konnten außerdem zwei Krankenhäuser mit Materialien beliefern, die Behinderungen vorbeugen können, wie zum Beispiel spezielle Matratzen gegen Wundlegen. Und wir haben auch vor, das Team im orthopädischen Zentrum von Gaza zu verstärken, um die Produktion von Prothesen zu steigern."

Menschen laufen auf den Trümmern der Häuser umher

Eine Palästinenserin mit ihrem Sohn vor zerstörten Häusern im nördlichen Gazastreifen © Reuters/Suhaib Salem, courtesy www.alertnet.org

Vorsicht ist geboten

Handicap International bereitet währenddessen die Öffnung der so geannten "Disability and Vulnerability Focal Points" vor. Diese Zentren sollen verletzten, behinderten oder schwachen Personen (schwangere Frauen, ältere Menschen) speziellen Zugang zu humanitärer Hilfe gewährleisten. "Die Häuser sind zerstört und in den Notunterkünften teilen sich oft mehrere große Familien eine Behausung. In solch einer Situation kann man sich gut vorstellen, dass Kranke und Verletzte nicht die nötigen Behandlungen erhalten."

Die Rehabilitationszentren hatten am 20. Januar zum ersten Mal wieder geöffnet, doch es können noch lange keine Operationen durchgeführt werden. Deswegen müssen die Menschen mit Behinderung, die vorerst nicht operiert werden können, besonders gut versorgt werden. Trotz des Waffenstillstands wagen sich die Bewohner in Gaza kaum aus ihren Häusern, denn sie fürchten einen erneuten Ausbruch der Kämpfe. Dies erklärt, warum momentan noch so wenig Informationen über die verletzten Menschen vorhanden sind.

Die Situation bleibt trotz der Waffenruhe sehr gespannt und für die mobilen Teams sowie für Handicap International bestehen alarmierende Sicherheitsbedingungen. Die mobilen Teams fahren zu den Familien, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu erfahren und ihnen angemessene Hilfe leisten zu können. Gleichezeitig verteilen sie dort Nothilfepakete. Auf Grund der Schwere der Bombardierungen müssen unsere Teams jedoch ganz besonders vorsichtig auf ihren Wegen sein, denn im ganzen Gazastreifen befinden sich zahlreiche nicht explodierte Kriegsüberreste.

Seit dem 27. Januar werden im Gazastreifen Nothilfepakete an die Not leidende Bevölkerung verteilt.

zerstörte Häuser in Gaza

Zerstörung im nördlichen Gazastreifen © Reuters/Yannis Behrakis, courtesy www.alertnet.org

Weitere Informationen über die Lage im Gazastreifen und unsere Arbeit vor Ort finden Sie hier.

Stand: 02/2009

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