ComIn in München

Eine Anlaufstelle für Flüchtlinge mit Behinderung

Im Jahr 2003 haben wir das Projekt ComIn in München eröffnet. In der „Werkstatt“ im Hinterhof unseres Büros oder auch bei Besuchen in Flüchtlingsunterkünften treffen sich haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen mit behinderten MigrantInnen und unterstützen sie dabei, die engen Grenzen ihres Alltags zu erweitern.

Was ist ComIn?
Vor allem zunächst die einzelnen Flüchtlinge mit Behinderung, die regelmäßig oder für eine bestimmte Zeit in die Ganghoferstraße kommen, so lange, bis sie mobil und selbständig eigene Ziele in die Hand nehmen können. Dann die PraktikantInnen und Ehrenamtlichen, die einzelne Flüchtlinge begleiten, mit ihnen in der Werkstatt arbeiten – oder auch direkt in den Unterkünften die Betreuung insbesondere von Jugendlichen oder Kindern mit Behinderung übernommen haben. Dazu gehört zum Beispiel Eberhard Zink, der für einige Monate einen jungen Iraker und einen jugendlichen Kongolesen im Rollstuhl unterrichtete oder Celine Dutron, die einem jungen Kongolesen dabei half, in ein Jugendzentrum zu kommen, um dort Kontakte zu knüpfen.

Der Äthiopier Taha Osman, der bereits Erfahrung beim Unterrichten von Flüchtlingen gesammelt hatte, übernahm neben seiner Berufstätigkeit für fünf Monate den deutsch-arabischen Unterricht für einen sehbehinderten Syrer. Rainer Schalch begleitete den Iraker Salam A. H. über fünf Monate in seinem Schieberollstuhl von der Unterkunft in Schwabing bis zu unserer „Werkstatt“ im Münchner Westend. Heute kann sich Salam mit einem Elektrorollstuhl selbständig fortbewegen. Jawid, ein junger afghanischer Flüchtling aus Augsburg, übernahm auch sprachlich mühelos die Ferienbetreuung von zwei behinderten Jungen aus dem Irak und Afghanistan, begleitete die beiden zu Projekten eines Abenteuerspielplatzes, der ihm von einem Praktikum her vertraut war. Andrea Gerstner wiederum hat die Begleitung eines blinden Kosovaren übernommen, um dessen Angehörige zu entlasten. Auch er kommt heute selbständig zu uns.

Es gibt einzelne Kurse, die nach Bedarf eingerichtet werden: Dazu gehören regelmäßig laufende Braille-Kurs, eine Einführung in die EDV-Nutzung der Braille-Schrift für Blinde und Sehbehinderte am Computer, oder Deutschübungen für Blinde und Sehbehinderte in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Darüber hinaus entstehen zunehmend einzelne Projekte aus Eigeninitiative der NutzerInnen, die immer selbständiger arbeiten, oder gemeinsame Projekte. Zu diesen gehört die mit dem Münchner Flüchtlingsrat entwickelte Ausstellung, an der sich u.a. der ComIn-Nutzer Lazarus D. beteiligte, indem er Kontakte zu Betroffenen in seiner Unterkunft herstellte. Diese Ausstellung lenkt den Blick in eine neue Richtung: die Flüchtlingsunterkünfte und die Lebensbedingungen für behinderte Menschen dort – ein wichtiger Fokus für ComIn, denn Schwerkranke und Schwerstpflegebedürftige sowie besonders in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen werden nie den Weg bis in die Ganghoferstraße schaffen.

Stand: 01/2007

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