Reise durch den Kosovo mit Ulrike Folkerts

Donnerstag, 10. Juni 2004:

Ulrike Folkerts im Kosovo
© Aktionsbündnis Landmine.de

Aus Pristina fahren wir zunächst zum Entminungsteam von Handicap International, das gerade nahe der mazedonischen Grenze am Dulje Pass arbeitet. Mit dabei: Ulrike Folkerts, Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis Landmine.de, unser Geschäftsführer François De Keersmaeker, unsere Vorsitzende Dorothee Prenissl, unsere Öffentlichkeitsreferentin Eva Maria Fischer, der Fotograf Stefan Küchenmeister und ein dreiköpfiges Fernsehteam vom ZDF.

Ulrike Folkerts im Kosovo
© Aktionsbündnis Landmine.de

Der Teamchef präsentiert uns eine Karte der Umgebung, auf dem die bekannten Minenfelder eingetragen wurden, die noch zu räumen sind.

Entminung im Kosovo
© Aktionsbündnis Landmine.de

Ein Entminer demonstriert vor den BesucherInnen seine Arbeit.

Haus im Kosovo
© K. Schnitzler

Direkt hinter diesem Wohnhaus, in dem eine Familie mit kleinen Kindern lebt, erstreckt sich ein minenverseuchtes Gelände.

Besichtigung des Minenfelds
© Aktionsbündnis Landmine.de

Minenräumerin Miranda Nushi und ein Kollege ziehen gemeinsam mit Ulrike Folkerts Schutzanzüge an, um das Minenfeld zu besichtigen.

Verminter Weg
© Aktionsbündnis Landmine.de

Auf diesem Weg sind jahrelang die Menschen der Umgebung zum Holz sammeln gegangen. Die gelbe Markierung zeigt eine Stelle, wo erst kürzlich eine Mine gefunden wurde. Jetzt wurde der Weg von unserem Team geräumt und die Flächen am Wegrand bis zum Ende der Räumung abgesperrt.

Miranda Nushi und Ulrike Folkerts
© K. Schnitzler

Entminerin Miranda Nushi fährt mit Ulrike Folkerts und den anderen Reisenden nach Papaz, einem Ort in einer Region des Kosovo, die besonders von Streubomben betroffen ist. Erst eine Woche zuvor wurde dort ein Paar mit einem Kind von einer Streubombe getötet. In Papaz arbeitet ein Räumungsteam der kosovarischen Sicherheitskräfte, das durch Supervisoren von Handicap International bei der Arbeit begleitet wird.

Ulrike Folkerts und Thomas Küchenmeister
© K. Schnitzler

Eine Streumunition ist gefunden und vor Ort gesprengt worden. Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis Landmine.de zeigt Ulrike Folkerts die zerfetzten Reste der Bombe.

Entminungsteam
© Aktionsbündnis Landmine.de

Nach der Sprengung bricht das Team wieder zur Arbeit auf. Ein großes Gebiet muss hier noch Meter für Meter nach Bombenresten untersucht werden.

Endrit und seine Schwester
© Aktionsbündnis Landmine.de

Auf dem Heimweg machen wir noch einmal Halt am Dulje Pass und besuchen den achtjährigen Endrit und seine Familie. Am 8. März, dem internationalen Tag der Frauen, war der Junge zusammen mit seiner kleinen Schwester unterwegs, um Blumen für die Mutter zu pflücken. Am Hang hinter dem Elternhaus sah er eine besonders schöne Blume. Ein Schritt dort hin wurde ihm zum Verhängnis. Die Explosion einer Mine zerfetzte Endrits Bein, die kleine Schwester wurde durch Splitter im Gesicht verletzt. Einen Tag vor unserem Besuch hat Endrit im Orthopädiezentrum in Pristina eine erste Prothese erhalten. Er zeigt sich erstaunlich zuversichtlich: „Im nächsten Jahr“, sagt er, „werde ich wieder Fußball spielen.“

Endrit und Kameramann
© Aktionsbündnis Landmine.de

Der Besuch der fremden Schauspielerin und des Fernsehteams scheint Endrit zu gefallen. Interessiert lässt er sich die Fernsehkamera zeigen.

Landschaft im Kosovo
© Aktionsbündnis Landmine.de

Eine idyllische Landschaft zieht bei der Rückfahrt nach Pristina vorbei. Nach den Erfahrungen des Tages aber erscheint uns jede Wiese bedrohlich.

Freitag, 11. Juni 2004:

Orthopädiezentrum im Kosovo
© Aktionsbündnis Landmine.de

In Pristina besuchen wir noch das NOPC, das einzige Orthopädiezentrum im Kosovo, das in den Jahren nach dem Krieg mit Hilfe von Handicap International ausgestattet und renoviert wurde. Orthopädietechniker Irfan wurde in Frankreich ausgebildet und ist heute die Stütze des Zentrums. Er erklärt Ulrike Folkerts, wie die Techniker des NOPC versuchen, den vielen kriegsverletzten Menschen im Kosovo durch die Herstellung von Prothesen zu helfen.

Ulrike Folkerts im Orthopädiezentrum
© Aktionsbündnis Landmine.de

Verwaltungsleiterin Lirie Makolli zeigt Ulrike Folkerts eine neu gefertigte Prothese.

Patientin
© Handicap International

Raza Aliu wurde während des Krieges von einer Granate schwer verletzt. Noch heute kommt sie regelmäßig zur physiotherapeutischen Behandlung ins Zentrum nach Pristina.

Endrit
© Handicap International

Auch Endrit ist heute wieder im Orthopädiezentrum. Der behandelnde Physiotherapeut ist begeistert, wie sicher der Junge schon am zweiten Tag auf seiner Prothese stehen und erste Schritte machen kann.

Fünf Jahre nach Ende des Krieges sind die Spuren der Kämpfe im Kosovo noch allgegenwärtig und behindern jeden Tag den Wiederaufbau dieses Landes. Die Geschichte des kleinen Endrit, den wir persönlich kennen lernen konnten, ist traurig - gleichzeitig ist sein Mut und der Einsatz der Minenräumer und Helfer im Orthopädiezentrum beeindruckend. Das Beispiel dieser Mensche bestärkt uns darin, weiterhin Mittel für ihre wichtige Arbeit zu beschaffen. Das Schicksal von Endrit, das für Tausende andere auf der Welt steht, bedeutet für uns auch, dass wir weiterhin die Verantwortlichen anklagen müssen und uns nicht ermutigen lassen in unserem Kampf für ein Verbot von Minen und Streubomben.

  • Lesen Sie hier ein Interview mit Ulrike Folkerts zu ihrer Reise.
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