"Die anderen Menschen brauchen uns!"

Gnep Amélie Smoeun aus Thailand erzählt

Thailand, 1984
„Ich bin in Khum Dong geboren, in der Provinz Battambang in Kambodscha. Meine Eltern waren Landwirte, beide gingen in den Reisfeldern arbeiten und ich blieb allein zu Hause. Vor drei Jahren ging ich von meiner Mutter weg, um bei meiner Tante zu leben. Mein Vater hatte uns verlassen, um nach Nong Samet zu gehen, in ein Lager an der Grenze zu Thailand. Dort heiratete er erneut. Eines Tages kam ich mit meiner Tante, die mich aufgezogen hatte, nach Nong Samet. Als mein Vater mich sah, nahm er mich wieder bei sich auf.

Gnep Amélie Smoeun

© Handicap International

Mein Vater war kambodschanischer Soldat im Widerstand. Er kämpfte und kam nicht oft nach Hause. Um für uns etwas Geld zu verdienen, verkaufte ich Wasser an die Reisverkäufer. Sie standen bei der Kaserne der thailändischen Soldaten, die das Lager bewachten. Eines Tages nahm ich nicht den normalen Weg und trat ganz in der Nähe des Lagers auf eine Mine. Soldaten auf Motorrädern fanden mich und brachten mich in das Krankenhaus von Nong Samet. Am nächsten Tag brachte man mich in das Flüchtlingslager von Khao I Dang im Landesinneren von Thailand. Dort nahm man mir das Bein ab. Vier Monate später kehrte ich schließlich nach Nong Samet zurück. Ich hatte noch keine Prothese und ging zu meinem Vater und meiner Stiefmutter zurück, wo ich die Arbeit weitermachte, die ich auch vor dem Unfall erledigt hatte. Ich arbeitete im Haushalt mit, ich hatte eine Krücke aus Bambus und ich lief auf nur einem Bein. Eines Tages kam meine Tante nach Nong Samet, um mich zu sehen. Ich war allein im Haus und sie nahm mich mit nach Khao I Dang. Ich war sehr glücklich, dass sie mich mitnahm. Sie war es, die mich aufgezogen hatte, und ich hänge mehr an ihr als an meiner Mutter.

In Khao I Dang gab man mir in der Werkstatt von Handicap International eine erste provisorische Prothese aus Bambus, später dann eine andere aus Leder und Holz. Heute laufe ich wieder und kann ohne Krücken mit meinen Freundinnen spielen. Wenn ich groß bin, möchte ich lernen, mir selbst Prothesen zu machen. Wenn ich eine schöne Prothese habe, möchte ich Schneiderin werden, denn ich mag Kleider sehr gerne. Ich möchte gerne Sängerin sein und tanzen, wenn ich meine schöne Prothese habe. Ich kenne die kleinen Trommeln, die Gitarre, die Geige der Khmer, das Xylophon, die Flöte, aber Flöte mag ich nicht. Ich will nicht heiraten und auch keine Kinder haben.“

Thailand, 2002
Heute ist Gnep Amélie 29 Jahre alt und Mutter einer zweijährigen Tochter. Sie kam als Flüchtling mit ihrer Tante nach Frankreich. Gnep hat Hochschulabschlüsse in Soziologie und in orientalischen Sprachen und hat schließlich noch eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen, die sie schon immer machen wollte. Immer, wenn sie die Möglichkeit hat, berichtet sie von ihrem Schicksal: „In Radiosendungen, im Fernsehen, in Schulen… Ich spreche über Minen, über die Rechte von Kindern, die mit Füßen getreten werden … Oft muss ich die gleichen Sachen wiederholen; die Menschen vergessen schnell. Eine Sorge jagt die andere! Aber ich bleibe dran und erinnere daran, dass uns die Menschen dort brauchen !“ Gnep widmet ihre Zeit und ihre Energie ohne zu zögern humanitären Hilfsorganisationen oder internationalen Organisationen, um die Verwüstung durch Bürgerkriege und das Unrecht, das Anti-Personen-Minen verursachen, anzuprangern. 1999 kehrte Gnep nach Kambodscha zurück, wo sie ihre Großmutter wiedersah: „Ein unvergesslicher Augenblick. Aber dort herrscht noch so viel Armut. So viel ist noch zu tun…“

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