Patientinnen und Patienten erzählen

„Ich habe meine Würde als Frau wieder gefunden.“

Fatimata Gouem, Burkina Faso

„Im Alter von sieben Jahren hatte ich Kinderlähmung. Mein Leben änderte sich von da an grundlegend. Im Rehabilitationszentrum Ouagadougou gelang es zwar, meinen rechten Arm zu retten, aber meine beiden Beine blieben gelähmt. Ich musste die Schule verlassen. Zunächst war ich in einem Bildungszentrum eingeschrieben, in dem ich Sticken und Nähen lernte, danach war ich Friseurin.

Fatimata Gouem

© Handicap International

Aber ich interessierte mich auch für den Behindertensport und ging oft zu öffentlichen Veranstaltungen. Auf diese Weise lernte ich Handicap International kennen. Im Jahr 2000 berichtete mir die Organisation Zeems Taaba, deren Mitglied ich bin, von einem Projekt für den Verkauf von Milchprodukten, das in Zusammenarbeit mit Handicap International durchgeführt wurde. Mir erschien das zunächst zu schwer und ich hatte Angst, es nicht zu schaffen. Aber heute erreiche ich gute Verkaufszahlen. Dank dieser Beschäftigung habe ich meine Würde als Frau wieder gefunden, denn ich komme für das Schulgeld meiner drei Kinder auf. Dennoch kann ich immer noch nur von einem auf den anderen Tag leben. Ich möchte, dass Handicap International die Arbeit hier fortsetzt und uns hilft, damit unsere Zukunft nicht auf so wackeligen Beinen steht.“

Glücklich verheiratet

Sot Samst und Thy Nat

© Handicap International

Sot Samst und Thy Nat, Kambodscha

Sot Samst musste nach einem Minenunfall amputiert werden. Handicap International unterstützte den Kauf eines Fahrrads, um ihr den Aufbau einer Tätigkeit zu ermöglichen, die ihr ein Einkommen verschafft. Jeden Tag fährt sie mehrere Kilometer, um ihre Früchte zum Markt zu transportieren und sie dort zu verkaufen. Thy Nat wurde durch einen Sturz von einer Palme querschnittsgelähmt. Nach seiner sechsmonatigen Behandlung in unserem Zentrum für Para- und Tetraplegiker in Battambang hat Handicap International ihm geholfen, einen kleinen Fahrradreparaturbetrieb aufzubauen.
Eines Tages kam Sot Samst in den Laden von Thy Nat, um ihr Fahrrad reparieren zu lassen. Heute sind Sot Samst und Thy Nat verheiratet … und glücklich.

„Ich bin so stolz, zur Schule zu gehen.“

Haketa,Togo, 2004

Auch wenn Haketa sein wollte wie die anderen Kinder, konnte sie dennoch nicht zur Schule gehen. Durch ihre Querschnittslähmung war dies nicht möglich. Seit dem Tod ihres Vaters kam ihre Mutter allein für den Unterhalt der Familie auf. Ihre mageren Einkünfte reichten gerade für die nötigsten Lebensmittel. „Ich muss zuallererst meine Familie ernähren“, erklärt sie. Bei einer Sensibilisierungsveranstaltung von Handicap International wurde ihr jedoch bewusst, wie wichtig in ihrer Gesellschaft der Schulbesuch ihrer kleinen Tochter ist. Von nun an findet eine Veränderung statt: Mit Hilfe der togolesischen Föderation für Menschen mit Behinderung (FETAPH) und Handicap International wird ein schulisches Integrationsprogramm auf die Beine gestellt.

Haketa

© Handicap International

Der Chef des Projektes „Orthopädie“ untersucht Haketa, aber eine Hilfsmittelversorgung zum Gehen kommt aufgrund der Schwäche ihrer Beine leider nicht in Frage. Somit erhält sie ihren ersten Rollstuhl. Dank dieser Maßnahme entdeckt das Mädchen die Welt, ihre Umgebung, und kann endlich die Schule besuchen. Haketa ist sehr stolz, da sie endlich „aufrecht“ leben kann.

Bomben auf dem Spielplatz

Streumunition ist keine Waffe, mit der gezielte „militärische Operationen“ durchgeführt werden können, von denen die Militärs gerne sprechen. Sie trifft durch die breite Streuung immer auch – und oft ausschließlich – Zivilisten. Ein trauriges Beispiel dafür ist die Geschichte des 11-jährigen Hamid aus Kabul, Afghanistan.

Hamid lebt mit seiner Mutter, seinen fünf Schwestern, seinem Bruder und drei anderen Familien in einem kleinen Haus in Kabul. Sein Vater verstarb vor drei Jahren an Krebs. Während eines Einsatzes der alliierten Streitkräfte im Jahr 2003 verfehlte ein amerikanisches Flugzeug sein Ziel, ein nahe gelegenes Militärlager, und traf mit einer Streubombe das Spielfeld, auf dem Hamid gerade mit vier seiner Freunde Fußball spielte. Durch den Unfall wurden fünf Häuser zerstört und 26 Personen getötet, darunter eines der fünf Kinder. Hamid wurde von einer Submunition getroffen. Im nahe gelegenen Krankenhaus konnten die Ärzte zwar sein Leben retten, mussten ihm aber das rechte Bein amputieren. Zum Glück war es möglich, eine Prothese anzupassen, doch wie bei allen Kindern muss diese regelmäßig ausgetauscht werden, da Hamid so schnell wächst.

Die Dose aus gelbem Metall

Adnan aus dem Kosovo war gerade sieben Jahre alt, als er die Hälfte seiner Familie durch Blindgänger verlor. Seine traurige Geschichte wiederholt sich leider tausendfach in fast 30 von Streumunition betroffenen Ländern der Welt.

Am 17. August 1999 war Adnan mit seiner Familie zum Baden an einem See. Beim Spielen fand er eine Dose aus gelbem Metall und brachte sie zu seiner Familie. Keiner von ihnen wusste, dass es sich um einen sehr gefährlichen Überrest des vergangenen Krieges, eine nicht explodierte Submunition des Typs BLU-97 handelte. Alle untersuchten neugierig das Fundstück, als es schließlich dem ältesten Bruder von Adnan, dem 17jährige Gazmend aus der Hand glitt. Die Munition explodierte. Gazmend und sein Vater, der neben ihm gesessen hatte, wurden auf der Stelle getötet. Adnan wurde am Arm und am linken Bein verletzt.

Adnan

© Handicap International

Doch die Familientragödie war noch nicht zu Ende. Sanije, die Schwester von Adnan, ging am nächsten Tag zum Badeplatz zurück, um die von der Familie zurückgelassenen Sachen zu holen. Als sie dort ankam, trat sie auf eine weitere Submunition und starb sofort. Adnan wurde zwei Monate lang medikamentös versorgt, er hatte sehr viel Blut verloren. Heute noch leidet er unter Blutarmut. Sein linker Arm ist sehr schwach. Erst im Januar 2000 konnte er wieder zur Schule gehen. Doch er kann sich nicht mehr konzentrieren und muss wohl bald seine Schulzeit unterbrechen. Trifft man ihn, so spürt man die ihm innewohnende tiefe Traurigkeit und die schreckliche Schuld, die er fühlt. Ymrije, seine älteste Schwester, kümmert sich seitdem um ihn und ihre Mutter, die durch den Unfall stark traumatisiert ist. Zu dritt leben sie von 62 € monatlicher Rente des Vaters.

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