Minenräumung: Teamwork von Mensch, Hund und Maschine rettet Leben

Handicap International verfolgt beim Kampf gegen Minen einen ganzheitlichen Ansatz. Dieser reicht von der Risikoaufklärung über die langfristige Unterstützung von Minenopfern bis zur politischen Kampagnenarbeit auf internationaler Ebene. Doch um die Menschen hundertprozentig vor bereits verlegten Minen zu schützen, gibt es nur einen Weg: die humanitäre Minenräumung. Die Teams von Handicap International arbeiten weltweit mit Hochdruck daran, dass das Ziel einer minenfreien Welt bis 2025 keine Vision bleibt. Diese Frist setzten sich im Juni 2014 die Staaten, die mit dem sogenannten Ottawa-Vertrag das Verbot von Anti-Personen-Minen besiegelten. Unterstützung finden unsere mutigen Minenräumerinnen und Minenräumer durch Maschinen und speziell ausgebildete Minenhunde.

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Ein Mann mit einem Schutzhelm legt mit einem Pinsel einen Kriegsrest im Sand frei
Ein Mann mit einem Schutzhelm legt mit einem Pinsel einen Kriegsrest im Sand frei
Freilegung eines Kriegsrestes mit einem Pinsel, Libyen.

Minen, Sprengfallen oder Blindgänger von Streubomben und anderen Waffen bedrohen noch Jahre nach Kriegsende die Bevölkerung. Weltweit werden rund 70 Millionen Landminen in der Erde vermutet – andere explosive Kriegsreste noch nicht einberechnet. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie von Rebellen- oder Regierungstruppen zurückgelassen wurden: 80% aller Opfer kommen aus der Zivilbevölkerung, mehr als ein Drittel sind Kinder. Tödliche Unfälle und schwere Verletzungen verstärken die Armut der Bevölkerung. Zudem ist die gesamte wirtschaftliche und soziale Entwicklung verminter Gebiete stark gehemmt. Minen blockieren nicht nur Landwirtschaft und Tourismus, sie verlangsamen auch den Ausbau von Infrastruktur und beschränken den Güter- und Personenverkehr. Nur in einem minenfreien Land können Menschen wieder ihre Felder pflügen und Kinder wieder gefahrlos spielen. Geflüchtete können in ihre Heimat zurückkehren, sich selbst dank gefahrloser Landwirtschaft ernähren und die Gesellschaft kann wieder aufblühen.

Die Produktion und Verlegung von Landminen ist günstig und einfach, ihre Entfernung dagegen extrem aufwendig, kostspielig und gefährlich. Die humanitäre Minenräumung grenzt sich klar von der militärischen ab: Es geht nicht darum, Streitkräften einen sicheren Weg durch vermintes Gelände frei zu räumen, sondern durch möglichst vollständige Minen- und Bombenräumung Sicherheit, soziale Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum in ehemaligen Krisengebieten zu ermöglichen. Im Zentrum stehen dabei unsere perfekt ausgebildeten Minenräumerinnen und Minenräumer und ihre Unterstützung: Schwere Maschinen helfen bei der Entfernung der Vegetation und die feinen Nasen von Minenspürhunden riechen selbst unterirdische Sprengkörper.

 

Manuelle Minenräumung – eine menschliche Höchstleistung

 

Im Feld leisten die Frauen und Männer Schwerstarbeit. Mit Metalldetektoren suchen sie Zentimeter für Zentimeter die Erde ab, inspizieren jedes Metallstück, prüfen mit Minensuchnadeln die Umrisse und legen dann vermutlich gefährliche Gegenstände mit aller Vorsicht frei. In ehemaligen Krisengebieten wie Libyen, Mosambik, Kolumbien oder Kambodscha stellen die klimatischen Bedingungen eine große Herausforderung dar, denn es ist oft heiß und stickig. Die Entminerinnen und Entminer arbeiten viel auf den Knien und tragen die ganze Zeit ihren vier Kilo schweren Schutzanzug.

Trotz Hitze, Staub und schwerer Ausrüstung: Die manuelle Bombenräumung erfordert höchste Achtsamkeit und Konzentration. Jede falsche Bewegung kann eine tödliche Explosion auslösen. Beim Einsatz auf dem Minenfeld ist Teamarbeit absolut unerlässlich. Zwei Menschen wechseln sich alle 30 Minuten ab und eine dritte Person achtet darauf, dass keine Flüchtigkeitsfehler passieren. Dank strenger Sicherheitsvorkehrungen kommt es bei unseren Räumungsaktionen so gut wie nie zu Unfällen.

Eine unserer Entminerinnen ist Alberta. Sie arbeitete für Handicap International im afrikanischen Mosambik. Das Land wurde während des Unabhängigkeits- und Bürgerkriegs extrem stark vermint. Jahrelang arbeite Alberta auf den gefährlichen Minenfeldern ihrer Heimat. Tag für Tag legte sie Sprengkörper mit einem Pinsel vorsichtig frei und sorgte mit ihren Kollegen für eine sichere Entschärfung oder Sprengung. Durch ihre profunde Ausbildung kennt Alberta alle relevanten Modelltypen und Entschärfungsmethoden. Entscheidend ist auch die Kommunikation mit den Menschen vor Ort. Zum einen gehen unsere Fachkräfte bei der Suche nach Minen allen Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Zum anderen erfordern Sprengungen in dicht besiedelten Gebieten meist eine großflächige Sperrung. In manchen Fällen ist auch die umliegende Infrastruktur betroffen.

Mosambik gilt seit 2015 als minenfrei. Dieser Erfolg zeigt, dass sich der Einsatz unserer Teams lohnt. Stück für Stück befreiten Alberta und ihre Kollegen ihr Land von der tödlichen Gefahr und eröffneten den Menschen vor Ort neue Perspektiven.

 

Auf unwegsamem Gelände: Maschinen ebnen den Weg

 

Minen warten nicht nur auf offenen Feldern auf ihre Opfer, sondern können auch in dichten Wäldern und in von Pflanzen überwucherten Gebieten zuschlagen. In schwer zugänglichen Landstrichen kommen spezielle Maschinen zum Einsatz. Die maschinelle Räumung kann dann den menschlichen Einsatz auf dem Feld vorbereiten. Stark gepanzerte Maschinen entfernen grobes Gestrüpp und lockern den Boden. In vielen verminten Gebieten ermöglichen erst die Maschinen die anschließende manuelle Räumung.

 

Minensuchhunde – treue Gefährten auf gefährlichem Terrain

 

Die wohl größte Unterstützung für unsere Teams sind ausgebildete Minenspürhunde. Mit ihren feinen Nasen können sie Sprengstoff riechen und somit effektiv und sicher Minen finden. Dank ihrer professionellen Ausbildung folgen die Hunde dem Sprengstoffgeruch und setzen sich neben die Fundstelle. Unsere Entminnerinnen und Entminer können nun dem Hinweis folgen und zur Sprengstoffräumung anrücken. Mensch und Tier bilden ein unschlagbares Team.

Dem erfolgreichen Einsatz von Minenhunden geht jedoch ihre aufwendige Ausbildung voraus. Absoluter Gehorsam, Konzentration auf ihre Aufgaben und eine hohe Auffassungsgabe sind bei der Ausbildung zum Minenhund entscheidend. Nach der Ausbildung testen unsere Teams die Hunde auf einem Trainingsfeld. Erst wenn der Hund sich als absolut zuverlässig erwiesen hat, kommt er auf einem echten Minenfeld zum Einsatz.

Während den Räumungsaktionen müssen unsere Fachkräfte ein gutes Gespür für ihre tierischen Partner entwickeln. Ist ein Hund z.B. müde, so lässt auch seine Verlässlichkeit rasant nach. Weder Mensch noch Tier können sich bei der riskanten Arbeit im Feld einen Fehler erlauben. Die vertraute Verbindung zwischen Mensch und Hund ist absolut zentral – und diese beruht nicht nur auf Training und Gehorsam.

„Wir spielen viel mit den Hunden, um unsere Verbundenheit zu stärken“, erklärt Norberto vom Hunde-Räumungsteam in Mosambik.

 

Ausblick: Die Gefahr durch Minen ist noch lange nicht gebannt

 

In Afghanistan, dem Irak, Libyen, Kolumbien, Myanmar, Nordkorea, Pakistan,  Syrien, dem Jemen, Tunesien und in der Ukraine haben staatliche oder nicht-staatliche Gruppen 2014 und 2015 Minen verlegt. Hinzu kommen zahlreiche Nachkriegsregionen, in denen Minen und explosive Kriegsreste fortlaufend ihren Tribut fordern: weltweit zehn Menschen pro Tag, die getötet oder schwer verletzt werden! Hinzu kommen die indirekten Opfer der Waffen: sämtliche betroffenen Gemeinschaften, die in ihrer Entwicklung gehemmt sind.

Die Fakten:

  • In rund 60 Ländern der Welt liegen noch immer rund 70 Millionen Landminen.
  • 80% der Minenopfer stammen aus der Zivilbevölkerung.
  • Fast 39% der Minenopfer sind Kinder.
  • 34% der Minenopfer sterben bei der Explosion, der Rest überlebt schwer verletzt und trägt oft eine bleibende Behinderung davon.
  • Die meisten Minenopfer leben nach ihrem Unfall in völliger Armut.
  • Die Produktion einer Mine kostet 3-75 US$, ihre Räumung hingegen 300-1000 US$.

Angesichts dieser schockierenden Zahlen geben wir alles, um die Welt von Minen zu befreien.

Auch dank unserer treuen Spenderinnen und Spender, räumten 2015 128 Entminerinnen und Entminer weltweit über 12.000 explosive Kriegsreste. Die internationale Gemeinschaft hat das Ziel ausgegeben, dass die Welt 2025 minenfrei ist. Wir arbeiten mit Hochdruck daran.

Dafür brauchen wir Sie. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende!

Veröffentlicht am 12.12.15