Sayed, 6: “Ich kann wieder mit meinen Freunden spielen!”

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Sayed ist sechs Jahre alt – ein afghanischer Junge mit einem unwiderstehlichen Lachen. Als er fünf war, wurde er von einer explodierenden Mine verletzt. Nach der Amputation seines linken Beines kam Sayed sofort in unsere Obhut und erlangt nun nach und nach seine Selbstständigkeit zurück. Wir redeten mit ihm und seinem Vater Mohammed in unserem Rehabilitationszentrum in Kandahar.

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Der sechjährige Sayed bei einer Therapie. Er lächelt leicht und hält die Hand seines Physiotherapeuten.
Der sechjährige Sayed bei einer Therapie. Er lächelt leicht und hält die Hand seines Physiotherapeuten.
Sayed wurde mit 5 Jahren von einer explodierenden Mine verletzt. Sein linkes Bein musste ihm amputiert werden.

Sayed liegt auf seinem Bett und spielt mit einem Hubschrauber. Er ist in seinem Zimmer im Rehabilitationszentrum von Kandahar, wo er wohnt, während er seine Nachuntersuchungen bekommt. Obwohl man seinem Vater Mohammed deutlich die Zuneigung zu seinem Sohn anmerkt, spricht er traurig und leise. Seine Worte sind bedächtig gewählt: „Sayed hat früher viel mit anderen Kindern und seinen Geschwistern gespielt, doch der Unfall veränderte sein Leben und unser Leben sehr stark.“

Mohammed tut sich immer noch schwer, über das Geschehene zu sprechen. 2014, als sein Sohn und er aus Mugar zurückkamen, wurde ihr Minibus von einer improvisierten Mine getroffen. Minen sind einer der Hauptgründe, warum in Afghanistan Menschen getötet und verstümmelt werden. Vier Menschen starben an diesem Tag. Sayed erlitt Verletzungen an beiden Beinen. Obwohl er sofort operiert wurde, erholte er sich nicht wie geplant. Sein Zustand verschlechterte sich so extrem, dass man ihm das linke Bein amputieren musste, um sein Leben zu retten.

Mohammed ist traurig. Er und die Familie hatten große Angst um ihren Sohn nach seiner Operation. Die Leute sagten ihnen, er würde eine Bürde für die Familie werden, da er immer auf die Eltern oder die Geschwister angewiesen sein würde, um sich zu bewegen.

 

Der lange Weg zur Selbstbestimmung

Die Familie des Jungen wurde sofort an das Rehabilitationszentrum von Handicap International in Kandahar verwiesen. Das Zentrum wurde 1996 eröffnet und ist nun eine der führenden Einrichtungen für Pflege und Behandlung von Menschen mit Behinderung in Afghanistan.

“Wir begannen mit ein paar einfachen Übungen, um Sayeds Bein zu stimulieren, seine Muskeln zu stärken und seinem Vater zu zeigen, wir er seinem Sohn daheim helfen kann“, erklärt Mahmood. Sayed war damals sehr schwach, doch nachdem er einen Rahmen für Laufübungen erhielt, lernte er schnell, sich selbstständig zu bewegen.

Sayed bekam seine erste Prothese Ende 2014. Mithilfe seiner Eltern macht er daheim weiterhin seine Übungen. Seit damals ist Sayed viel gewachsen und ist nun wieder in Kandahar für eine neue Prothese. Nach dem Besuch bei Mahmood wird Sayed in die Prothesenwerkstatt gebracht. Der Prothesentechniker Khalilurahman misst seinen Stumpf, um die Prothese daran anzupassen.

 

“Er kann bald zur Schule gehen”

Als seine neue Prothese fertig ist, probiert Sayed sie unter den wachsamen Augen seines Vaters im großen Übungsraum des Zentrums aus. Der Orthopädietechniker prüft, ob er etwas nachbessern muss. Ohne ein Wort probiert Sayed sein „neues Bein“ an und läuft fast sofort damit herum, als wäre es ganz normal. Seine Prothese ist endlich fertig!

Als wir ihn fragen, wie die Prothese sein Leben verändert, antwortet Sayed schüchtern: „Ich wollte nur wieder mit meinen Freunden spielen. Und mit meinen Brüdern und Schwestern. Das mag ich am liebsten! Jetzt habe ich mein Bein und kann spielen. Ich bin so glücklich!“

Das Lächeln seines Sohnes hat Mohammed den Glauben an die Zukunft wieder gegeben. Er ist der einzige in der Familie, der arbeitet. Sie haben nicht viel Geld und ihr Dorf ist sehr abgelegen, aber er möchte seinen Kindern ein besseres Leben ermöglichen, wenn sie älter sind. Mit etwas Hilfe verbessert sich Sayeds Selbstständigkeit und sein Selbstvertrauen wächst nach und nach. Er kann schon ohne Hilfe gehen und wird bald eine Schule besuchen können. Der Vater hofft, dass sein Sohn eine gute Ausbildung bekommt und einmal Arzt wird.

Veröffentlicht am 14.06.16

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