Sport und Spiele für Kinder in Bangladesch

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Sport fördert die persönliche Entwicklung von Kindern, stärkt das Selbstvertrauen und vermittelt Werte wie Respekt und Toleranz im Umgang mit Anderen. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung ist Sport daher gleichermaßen wichtig für Rehabilitation und soziale Integration. Ein Beispiel dafür ist das Sport-Projekt für Kinder und Jugendliche in Bangladesch.

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Sportprojekt in Bangladesch. Ein Mädchen spielt Fußball.
Sportprojekt in Bangladesch. Ein Mädchen spielt Fußball.
Sportprojekt in Bangladesch. Von 641 teilnehmenden Kindern sind 387 (60%) behinderte Kinder, davon 140 Mädchen.

Abdul Al-Sayed ist 18 Jahre alt und besucht die 10. Klasse. In früher Kindheit erkrankte er an Polio, weshalb es ihm seither große Mühe bereitet, schnell zu gehen. Zu rennen ist ihm unmöglich. Schon immer war er ein großer Fußball-Fan, konnte aber nie selbst Fußballspieler sein. Kein Team nahm ihn auf. Oft verbrachte Abdul seine Freizeit am Seitenstreifen eines Fußballfelds und beobachtete die Spiele von dort. Immer wieder träumte er davon, selbst mitspielen zu können.

Um junge Menschen wie Abdul durch Sport besser in die Gesellschaft zu integrieren, führt Handicap International seit Oktober 2005 ein Erfolg versprechendes Sportprojekt in Bangladesch durch, das von der Swiss Agency for Development and Cooperation unterstützt wird. In verschiedenen Regionen des Landes arbeitet Handicap International hierfür mit lokalen Organisationen von Menschen mit Behinderung zusammen. Die Idee des Projekts ist es, durch sportliche Aktivitäten die physischen, psychischen und sozialen Fähigkeiten von behinderten Kindern und Jugendlichen zu stärken. Das Projekt wendet sich an Kinder und Jugendliche sowohl mit als auch ohne Behinderung und bringt diese Kinder durch Sport und Spiel einander näher. Von 641 teilnehmenden Kindern sind 387 (60%) behinderte Kinder, davon 140 Mädchen. Auch Abdul gehört zu den Teilnehmern des Projekts.

Bei seinem ersten Fußballspiel im Projekt von Handicap International erlebt Abdul eine Überraschung: Sowohl behinderte als auch nicht behinderte Menschen können dank spezieller Methoden miteinander Fußball spielen. Und nicht nur das: Durch veränderte Regeln des Spiels kann auch Abdul ein wichtiger Spieler und Stützpfeiler seiner Mannschaft sein. Er trägt gleichberechtigt mit allen anderen zum Sieg seiner Mannschaft bei.

Allgemeine Ziele des Projekts

Individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu eigenständigen Menschen: Die Anstrengung während des Spiels stellt immer wieder Herausforderungen an jeden Einzelnen. Kondition und Durchhaltevermögen sind gefragt. Listungen werden ermöglicht, von denen die Kinder gedacht hatten, dass sie über ihre eigentlichen Kräfte hinausgehen. Sie erleben, dass sie trotz einer Behinderung nicht im eigenen Körper gefangen sind. Nicht nur ihre Muskeln wachsen, sondern auch ihr Selbstvertrauen im Auftreten gegenüber ihren Mitmenschen.
Soziale Integration: Durch gegenseitiges Kennenlernen bauen die Kinder Distanz und Vorurteile untereinander ab und soziale Ausgrenzung wird verhindert. Kinder und Jugendliche mit Behinderungen unterschiedlicher Art werden im Spiel zum Teil eines Teams und Teil der Gemeinschaft - eine Erfahrung, die ihnen im Alltagsleben oft verwehrt bleibt.

Aktivitäten

Obwohl Sport eine gute Methode zur physischen und psychischen Stärkung und Integration von Menschen mit Behinderung ist, mangelt es in Bangladesch noch an entsprechend ausgebildetem Fach-Personal. „Handisport“ ist bisher wenig bekannt und schlecht koordiniert. Zwar gibt es etwa einmal im Jahr einen landesweiten Sport-Wettkampf, häufig ist jedoch ein regelmäßiges Training für Sportgruppen auf lokaler Ebene nicht möglich.

Das Projekt von Handicap International versucht daher, dem Mangel an ausgebildeten Fachkräften entgegenzuwirken. Fester Bestandteil des Projekts ist die Unterstützung und Ausbildung von Trainerinnen und Trainern durch in- und ausländische Experten. Dazu wurde ein nationales „Ressource-Team“ von acht Physiotherapeuten und Sport-Trainern aufgestellt, das sich um die Projekt-Aktivitäten und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Organisationen von Menschen mit Behinderung kümmert. Das nationale Ressource-Team ist mit der Aufgabe betraut, lokales Personal zu schulen und zu unterstützen. Auch die Jugendlichen mit und ohne Behinderung, die an den Sport-Treffs teilnehmen, können ausgebildet werden und später eine Sportgruppe betreuen. Zu diesem Zweck wurde bereits ein Besuch der Team-Mitglieder bei verschiedenen Organisationen von Menschen mit Behinderung organisiert.

Neben Fußball stehen auch Badminton, Kricket, Schach und einheimische Kinderspiele wie Kanamachi, ein Versteckspiel, auf dem Programm der Sport-Treffs. Weitere Spiele und Übungseinheiten, angepasst an verschiedene Formen der Behinderung werden vom Ressource-Team entwickelt. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit einem französischen Physiotherapeuten, der das Projekt bisher zweimal besucht hat und für Weiterbildung und Unterstützung des Leitungsteams zuständig ist. Um die Sport-Treffs in einem optimalen Umfeld abhalten zu können, widmet sich das Projekt ab Mai 2006 zudem infrastrukturellen Verbesserungen von Sportplätzen. RollstuhlfahrerInnen und Menschen mit Gehhilfen sollen sich problemlos bewegen können. Es ist geplant, Bänke zum Ausruhen aufzustellen, sanitäre Einrichtungen behindertengerecht umzugestalten, die Sportplätze zu ebnen und Rampen zu errichten.

Wirkungen des Projekts

Abdul ist begeistert vom Sportprojekt und möchte auf jeden Fall “am Ball bleiben”. Für ihn ist der Sport nicht nur ein Mittel, um sich physisch zu kräftigen, sondern auch eine Möglichkeit neue Leute kennen zu lernen, Jugendliche mit und ohne Behinderung. Das Projekt in Bangladesch hat also abgesehen von der körperlichen Fitness der Teilnehmenden weitere positive Folgewirkungen: Durch Handi-Sport wird die Position der Menschen mit Behinderung in der bangladeschischen Gesellschaft gestärkt, da viele Heranwachsende mit Behinderung durch ihre Erfahrungen im Sport ein neues Selbstvertrauen entwickeln und nicht mehr am Rand der Gesellschaft stehen.

Veröffentlicht am 24.02.07

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