Versteckt und unterschätzt: Wie Kinder mit Behinderung für ihren Schulbesuch kämpfen

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In Westafrika beenden Millionen Kinder nicht die Grundschule – einige haben überhaupt nie eine Schule besucht. Handicap International schätzt, dass ein Drittel dieser Kinder eine Behinderung hat. Deswegen führen wir in neun Ländern der Region[i] unser Programm zur inklusiven Bildung durch. Wir wollen sicherstellen, dass alle Kinder die Möglichkeit haben zu lernen, zu spielen, Freundschaften zu schließen und in ihrer Gemeinschaft Wertschätzung zu erfahren

 

[i] Burkina Faso, Liberia, Mali, Niger, Togo, Senegal, Sierra Leone, Benin und Guinea Bissau

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Samadou präsentiert stolz seine Rechentafel, neben ihm die pädagogischen Gastlehrerkraft, die ihn unterstützt
Samadou präsentiert stolz seine Rechentafel, neben ihm die pädagogischen Gastlehrerkraft, die ihn unterstützt
Der kleine Abdoul Samadou, 7 Jahre, erhält im Unterricht Unterstützung von einer sepziell ausgebildeten Fachkraft

Doch wieso ist es für Kinder mit Behinderung so schwer, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen, und was tun wir, um diese Barrieren zu überwinden?

Wir möchten Ihnen Samadou vorzustellen, einen siebenjährigen Jungen voller Energie aus Tenkodogo in Burkina Faso. Seine Geschichte zeigt uns die komplexen Faktoren hinter einem scheinbar simplen Ziel.

Vor den Blicken verborgen

Die erste Herausforderung dabei, ein Kind in die Schule zu bringen, ist, es überhaupt aufzufinden. Kinder mit Behinderung sind tendenziell in ihrer Gemeinschaft weniger sichtbar und werden mit höherer Wahrscheinlichkeit zuhause behalten. Oft fehlen sie in offiziellen Statistiken. Es gibt viele Gründe hierfür, doch meist ist es die Angst der eigenen Familien, dass ihr Kind sozial nicht akzeptiert werden wird.

Dies war bei Samadou der Fall, der ein stark verkürztes Bein hat. Die anderen Eltern und Kinder in seiner Umgebung benannten ihn nach seiner Behinderung, anstatt ihn bei seinem Namen zu nennen. Seine Mutter hatte Angst, ihn zur Schule zu schicken, und wollte ihn zuhause beschützen.

Aus diesem Grund verwendet Handicap International einen Ansatz, der als gemeindebasierte Rehabilitation bekannt ist, und der dabei hilft, Vorurteile gegen Menschen mit Behinderung abzubauen. Denn man muss allgemein akzeptiert werden, um auch in der Schule mit einbezogen zu sein. Wir arbeiten mit Eltern, Lehrkräften und Gemeindegruppen, um dies zu erleichtern.

Seit einigen Jahren arbeiten wir darüber hinaus auch mit der Regierung, um die Erfassungsmethoden und die Datensammlung auf nationaler Ebene zu verbessern, damit wir das Gesamtbild von Behinderung und Bildung in Burkina Faso erfassen und jedes Kind auffinden können.

Mangel an spezieller Betreuung

Wenn Handicap International ein Kind mit Behinderung begegnet, hat es vielleicht seit vielen Jahren keinen Zugang zu wichtiger Gesundheits- oder Sozialbetreuung erhalten. Deswegen sorgen wir zunächst dafür, dass es körperlich und mental bereit ist, in die Schule zu gehen.

Samadou kann nun richtig Gehen © Erwan Rogard / Handicap International

Für Samadou bedeutete dies, dass wir ihn mit einer angepassten Prothese ausstatteten, sodass er ohne Hilfe zur Schule laufen konnte. So war es ihm schließlich auch möglich, Fußball zu spielen und Freundschaften zu schließen.

Samadou freut sich, nun endlich Rennen und Fußballspielen zu können © Erwan Rogard / Handicap International

Bei Kindern mit Lernschwierigkeiten arbeiten wir auch mit den Eltern, um ihnen die Notwendigkeit des Schulbesuchs besser zu vermitteln. Negative Wahrnehmungen gegenüber Behinderung haben zur Folge, dass Familien ihr Kind vielleicht unterschätzen und glauben, dass es nicht in der Lage sei, die Schule zu besuchen, oder dass ihm Bildung im späteren Leben nicht helfen werde. Wir stellen diese Wahrnehmung auf den Prüfstand und helfen den Eltern zu erkennen, wozu ihr Kind fähig sein kann, wenn es nur die richtige Unterstützung bekommt.

Überfordert und schlecht ausgestattet

Lehrkräfte haben oft Angst, ein Kind mit Behinderung in ihrem Klassenzimmer zu akzeptieren – sie machen sich Sorgen, dass das Kind zu viel ihrer Zeit beanspruchen und dadurch den Unterricht für die anderen Kinder stören könnte. Unter Umständen fehlen ihnen die Lehrstrategien sowie die materiellen Ressourcen, um das Lernen praktisch zu gestalten.

Handicap International hat dafür gesorgt, dass in der nationalen Lehrerausbildung ein Modul für inklusive Bildung verankert wurde, damit die angehenden Lehrkräfte eine solide Grundlage darüber erhalten, wie sie ein Kind mit Behinderung in der Klasse betreuen. Um dies zu verstärken, haben wir einen Pool an spezialisierten Gastlehrkräften aufgebaut, die intensiv darin geschult sind, eine persönliche Betreuung für die Kinder anzubieten. Sie sind zum Beispiel in der Lage, Kindern mit einer Hör- oder Sehbehinderung durch Gebärdensprache und Brailleschrift zu helfen.

Samadou arbeitet mit so einem Gastlehrer, seitdem er die lokale Schule besucht. Zusammen haben sie einen Lehrplan entwickelt, der an seine Bedürfnisse angepasst ist, und versuchen, die Schule für ihn barrierefreier zu gestalten.

Samadou und seine Gastlehrerin im unterricht. Er ist ein sehr aufmerksamer Schüler © Erwan Rogard / Handicap International

 Er kann nun dieselben Unterrichtsstunden besuchen wie seine Mitschüler und macht gute Fortschritte. Und was das Wichtigste ist: Er ist auch in die Aktivitäten außerhalb der Schule eingebunden und man sieht ihn oft, wie er mit seinen Freunden Eidechsen jagt oder hinten auf dem Fahrrad seines Bruders vorbeidüst!

Samadou liebt es, mit seinem Bruder Fahrrad zu fahren © Erwan Rogard / Handicap International

Leben verändern

Handicap International hat kürzlich als Anerkennung für die Arbeit in der Inklusion von Kindern mit Behinderung in öffentliche Schulen den Rittertitel des Ordre des Palmes Académiques von Burkina Faso verliehen bekommen. Unsere inklusiven Bildungsprojekte helfen 170.000 Kindern in ganz Westafrika.

Veröffentlicht am 07.04.17

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