Schäden durch Hurrikan Matthew: mindestens 300 Tote in Haiti

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Am 4. Oktober erschütterte die Verwüstung durch Hurrikan Matthew erneut ein Land, das sich bis heute nicht von den Ausmaßen des verheerenden Erdbebens 2010 erholt hat. Die erneute Katastrophe in Haiti hat schon über 300 Tote verursacht und betrifft mehr als eine Million Menschen. 15.000 Einwohnende mussten evakuiert werden. Ein großer Teil der betroffenen Gebiete im Süden des Landes ist immer noch schwer erreichbar. Das Ausmaß der Schäden hat erheblichen humanitären Bedarf zur Folge. Handicap International stellt ein Notfallteam bereit, das die Bedürfnisse der betroffenen Menschen ermittelt.

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Reißende Fluten stürzen durch die verwüstete Landschaft
Reißende Fluten stürzen durch die verwüstete Landschaft
Reißende Fluten und Überschwemmungen in Port au Prince nach der Verwüstung durch Hurrikan Matthew

Hurrikan Matthew, der am Dienstag, den 4. Oktober, auf Haiti traf, hat auf mehr als 25 % der Landesfläche erhebliche Schäden hervorgerufen. Vor allem sind im Süden des Landes die Departements Grand’Anse und Sud betroffen. Dieser Hurrikan hat laut Angaben der haitianischen Behörden über 300 Menschen das Leben gekostet, und 15.000 Einwohner und Einwohnerinnen mussten evakuiert werden. Der materielle Schaden ist beträchtlich, mehr als 1800 Häuser wurden zerstört. Über eine Million Menschen sind betroffen, von denen 350.000 sofortige Unterstützung brauchen[1]

Diesen Donnerstag war wegen der beschädigten Infrastruktur (beschädigte oder zerstörte Brücken, Überschwemmungen, Erdrutsch) ein großer Teil der Halbinsel immer noch unzugänglich. Mindestens 11 Städte wurden in den Departements Grand-Anse, Nippes und Sud überflutet; die Evakuierungen dauern noch an.

Die Teams von Handicap International, die bereits in Haiti sind, werden in die betroffenen Gegenden fahren, um die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung festzustellen. Ein erstes Notfallteam, das aus fünf Personen besteht, trifft am Freitagmorgen zur Verstärkung unserer Teams in Haiti ein. Es wird zur Ermittlung der Bedürfnisse beitragen und den Zugang für humanitäre Organisationen zu den Regionen erleichtern, die am stärksten vom Hurrikan Matthew betroffen sind.

„Überschwemmungen bergen in der Regel ein langfristiges Risiko. Neben dem Verlust der Lebensgrundlagen besteht das Risiko von Epidemien wie Cholera und Dengue-Fieber. Diese bereits in Haiti vorhandenen Krankheiten könnten wieder ausbrechen. Eine der Prioritäten wird es sein, dass die betroffenen Menschen schnell von der humanitären Hilfe profitieren können, zum Beispiel Zugang zu Trinkwasser, Gesundheitsversorgung, Medikamenten und Mückennetzen haben“, erklärt Audrey Lecomte, Koordinatorin des Notfallteams von Handicap International in Haiti.

„Der Hurrikan Matthew hat hier ein Volk getroffen, das regelmäßig Naturkatastrophen ausgesetzt ist und sich noch nicht vom tödlichen Erdbeben im Januar 2010 erholt hat. Es ist also zu befürchten, dass die Folgen dieses Hurrikans langfristig die Schutzbedürftigsten noch mehr schwächen.“

Gaëlle Vandeputte, Projektleiterin von Handicap International in Haiti

Der Hurrikan setzte seine Route fort und erschütterte im weiteren Verlauf die Dominikanische Republik und die Ostspitze von Kuba – dort mussten mehr als 300.000 Menschen in provisorische Notunterkünfte evakuiert werden. Am Donnerstagmorgen fegte er über die Inselgruppe der Bahamas. Am Donnerstagabend näherte er sich der Ostküste Floridas.

 

 

Isolierte Bevölkerung in Gefahr

Das Ausmaß der Katastrophe bleibt für große Teile der Bevölkerung Haitis ungewiss, die in den isolierten und von der Kommunikation völlig abgeschnittenen Gegenden leben. Hélène Robin, die die Noteinsätze von Handicap International im Hauptbüro in Lyon (Frankreich) koordiniert, erteilt uns aktuelle Auskünfte über die Lage in Haiti.

Hélène, wie entwickelt sich die Situation in Haiti? 

Die ersten Teams vor Ort, die den Bedarf ermitteln sollen, haben den Fluss La Digue in Petit Goave überquert, und Erkundungsflüge begannen am Donnerstagnachmittag, den 5.Oktober. Die Departements Grand’Anse und Sud sind die am schwersten betroffenen. Die Luftbilder, die wir erhalten haben, bestätigen leider unsere Befürchtungen.

Insgesamt waren mehr als eine Million Menschen den extrem gewaltsamen Sturmböen ausgesetzt. Sintflutartige Regen mit bis zu 40 cm Niederschlagshöhe pro Tag in den Regionen Nippes und Gonave Island haben wahrscheinlich Überflutungen und Landrutsche verursacht.  

 

Kommen wir schon an Informationen von vor Ort?

Die ersten Berichte, die unsere Teams vor Ort gesammelt haben, sprechen von schwerwiegenden materiellen Schäden. In Île-à-Vache, das in der Bucht von Cayes liegt, wurden die Küstendörfer anscheinend vollständig von den Fluten zerstört. Die Stadt Jérémie hat massive Schäden erlitten. Die zwei zentralen Krankenhäuser im Departement Grand’Anse (Jérémie und Dame-Marie) sind offenbar nicht mehr in Betrieb.

Hunderttausende Menschen sind immer noch von der Welt und jeglicher humanitären Hilfe abgeschnitten. Sie brauchen sofortige Unterstützung, weil sie wahrscheinlich kein Trinkwasser haben, und keine Häuser mehr, in denen sie sich vor dem Unwetter schützen können.

Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Epidemien. Arzneimittellager und präventive Ausrüstungsmaterialien wurden wahrscheinlich durch den Hurrikan zerstört oder bleiben für viele Leute unerreichbar.

 

Was wird Handicap International als nächstes unternehmen?

Ein Nothilfeteam trifft heute, Freitag, in Port-au-Prince ein, um die Teams zu verstärken, die bereits vor Ort sind. Sie werden die Reichweite der Katastrophe ermitteln, unseren unmittelbaren humanitären Einsatz organisieren und allen humanitären Organisationen helfen, in die isolierten Gebiete zu kommen.

Es ist essentiell, dass so viele betroffene Menschen wie nur möglich, besonders die Schutzbedürftigsten, Zugang zu humanitärer Hilfe haben, um ihre grundlegenden und sofortigen Bedürfnisse zu decken – besonders wenn es um Nahrung, Unterkünfte und medizinische Versorgung geht.

 

Handicap International in Haiti und auf Kuba
Handicap International ist seit 1998 auf Kuba (Provinz Pinar del Rio, Granma, Santiago de Cuba, Baracoa und Guantanamo) und seit 2008 in Haiti vor Ort (Region von  Port-au-Prince, Departement Nippes, Gemeinde Delmas, Gemeinde Carrefour, Gemeinde l’Artibonite und das Departement Nord). Auf Haiti führten wir im Januar 2010 einen schnellen und großen Nothilfeeinsatz durch, als das Erdbeben zehntausende Menschen betroffen hatte.

Veröffentlicht am 06.10.16

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