Das Streubombenverbot rettet Menschenleben

Das Streubombenverbot von 2008 hat schon viele Menschenleben gerettet und Streumunition weltweit zur Tabu-Waffe gemacht. Ihre Verwendung ist seither zurückgegangen - wobei sie in den letzten Jahren in Staaten, die den Verbotsvertrag nicht unterzeichnet haben, leider wieder zunimmt. Handicap International hat entscheidend zur Entstehung des Verbotsvertrags beigetragen und engagiert sich heute für dessen weltweite Anerkennung und Umsetzung. Wir sind aber auch an der Seite der Opfer: Denn trotz der Fortschritte leiden die Überlebenden von Unfällen ihr Leben lang an den Folgen ihrer Verletzungen. Durch unseren Einsatz in der Opferhilfe ermöglichen wir ihnen ein würdevolles Leben.

Teilen

Am Rednerpult spricht ein Politiker zum Publikum der Streubombenkonferenz in Oslo 2008.
Am Rednerpult spricht ein Politiker zum Publikum der Streubombenkonferenz in Oslo 2008.
Der norwegische Premierminister eröffnete im Dezember 2008 die Streubombenkonferenz in Oslo.

Streubomben (Streumunition) wirken nach einem Konflikt wie Landminen. Zwischen 5 und 40 Prozent der abgefeuerten Mini-Bomben („Submunitionen“) explodieren nicht bei ihrem Aufprall, sondern bleiben als explosive Blindgänger liegen. Zahlreiche Länder sind betroffen: Über Laos warfen die USA während des Vietnamkrieges zum Beispiel 260 Millionen Submunitionen ab, im Libanon warf Israel in nur wenigen Tagen über vier Millionen ab.

Durch unsere Projekte mit den betroffenen Menschen erkannten wir die verheerenden Folgen dieser Waffen für die Zivilbevölkerung. Als Gründungsmitglied der internationalen Kampagne für ein Verbot von Landminen wussten wir zudem, was für ein großartiger Erfolg das Landminenverbot wurde. Wir sagten Streubomben den Kampf an und gründeten 2003 mit vielen anderen Organisationen die Internationale Kampagne gegen Streumunition (Cluster Munition Coalition). Sie wurde ein voller Erfolg!

Der Vertrag über ein Verbot von Streumunition wurde am 3. Dezember 2008 in Oslo von rund 100 Ländern unterzeichnet. Es verbietet seinen Vertragsstaaten Streumunition zu verwenden, herzustellen, zu exportieren und zu lagern. Die beigetretenen Staaten verpflichten sich außerdem zur Räumung von Blindgängern auf eigenem Gebiet oder auch, betroffene Länder bei der Räumung zu unterstützen. Außerdem enthält der so genannte Oslo-Vertrag umfassende und notwendige Bestimmungen zur Opferhilfe, an denen Handicap International dank der Erfahrung in den Projektregionen entscheidend mitwirkte. Laden Sie hier den vollständigen Wortlaut des Streubombenverbots als PDF-Dokument herunter.

Die Herausforderungen bleiben groß

Die Umsetzung des Oslo-Vertrags ist in vollem Gange. Järhlich treten ihm neue Länder bei. Doch einige wichtige Länder fehlen weiterhin, darunter die USA, Russland und China. Während sich immer mehr Staaten gegen diese menschenverachtenden Waffen aussprechen, mussten wir leider beobachten, dass ihre Nutzung in den letzten Jahren wieder zugenommen hat. Die Herausforderungen bleiben immens:

  • 2014 und 2015: Einsätze in Syrien, Libyen, Sudan, Ukraine und Jemen – keines dieser Länder und keiner der einsetzenden Staaten (z.B. Saudi-Arabien, das US-Streubomben im Jemen eingesetzt hat) hat das Verbotsabkommen unterzeichnet.
  • In Syrien haben die Waffen innerhalb von zwei Jahren (2014-15) mindestens 1.968 Menschen schwer verletzt oder getötet.
  • Über 25 Staaten und Gebiete sind betroffen.
  • Es gibt hunderttausende Überlebende von Unfällen mit Landminen, Streumunition und anderen Kriegsüberresten weltweit.
  • Aktuelle Zahlen finden Sie in diesem Faktenblatt zu weltweiten Streubomben-Situation.

Es bleibt viel zu tun! Das Engagement von Handicap International geht weiter: Wir wenden uns an politisch Verantwortliche, begleiten internationale Verhandlungen und machen uns für die Überlebenden und gemeinsam mit ihnen stark.

Die Betroffenen als Anwälte für das Verbot von Streumunition

Branislav Kapetanovic hat die brutale Gewalt von Streubomben am eigenen Leib erfahren. Deswegen setzt er sich heute mit all seiner Kraft für das endgültige Ende von Streubomben ein. Während sich Branislav im Jahr 2000 hochkonzentriert seiner Arbeit als Räumungsexperte in Serbien widmet, explodiert ein Blindgänger: „Ich begann meine Arbeit an der Submunition, sie befand sich in einem Busch. Als ich mich ihr näherte, explodierte sie. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich sie überhaupt jemals berührte“, erzählt er. Dennoch kostet die Submunition ihn beide Arme und Beine. Nach vier Jahren Krankenhausaufenthalt und über 20 Operationen findet er 2006 neuen Lebensmut. Seither vertritt er mit Überlebenden aus diversen Ländern die Kampagne gegen Streubomben auf internationalem Parkett. Dort fordert er alle Staaten zur raschen Unterzeichnung und Umsetzung des Oslo-Vertrags auf.

Liebeslieder, Breakdance und politische Kampagnenarbeit: Lesen Sie die Geschichte von Ban Advocate Phongsavath Manithong: Der lebensfrohe Mann aus Laos kämpft gegen Streubomben, seit er an seinem 16. Geburtstag von einer Submunition schwer verletzt wurde. Außerdem singt er Liebeslieder und tanzt Breakdance.

Die Überlebenden brauchen unsere lebenslange Unterstützung

Handicap International ist die einzige Organisation, die in ihren Projekten alle Aspekte des Kampfes gegen Streumunition abdeckt und so das Streubombenverbot umsetzt. Durch unsere Risikoschulungen und Sensibilisierungskampagnen klären wir die Menschen in betroffenen Gebieten auf und warnen vor den Gefahren der explosiven Kriegsreste. Um die Gefahr hundertprozentig zu bannen, arbeiten wir mit professionellen Minenräumungsteams und entfernen Landminen, Sprengfallen, Blindgänger von Streubomben und andere Waffen. Durch unsere politische Kampagnenarbeit setzen wir uns für die internationale Ächtung dieser Waffen ein. Wir kämpfen jedoch nicht nur für eine minenfreie Welt, sondern auch für die Rechte der Überlebenden von Minenunfällen. Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Opferhilfe. Wir bieten Betroffenen körperliche und psychische Rehabilitation zur sozialen und ökonomischen Inklusion. Durch medizinische Versorgung, das Bereitstellen von Hilfsmitteln und Prothesen sowie Physiotherapie und psychologische Begleitung können die Überlebenden sich von den Folgen ihrer Verletzungen erholen und trotz Behinderung ein würdevolles Leben führen. Wir unterstützen sie dabei, wieder in die Schule oder zur Arbeit zu gehen und ermöglichen ihnen damit, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Wir klären die Familien und das Umfeld von Betroffenen über den Umgang mit Behinderung auf und stärken lokale Organisationen, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzen.

Unverantwortliche Investitionen: Deutsche Unternehmen finanzieren Streubomben

Deutschland ist Mitgliedsstaat des Streubombenverbotvertrags. Doch noch immer gibt es deutsche Finanzinstitute, die mit ihren Investitionen Streubombenhersteller unterstützen in Ländern, die die Waffen noch nicht verboten haben. So wird unter anderem Geld aus Deutschland verwendet, diese in Deutschland verbotenen Waffen zu produzieren. Zu diesen Finanzinstituten gehörten 2014 die Deutsche Bank und die Allianz.
Wir fordern von der Bundesregierung: Keine indirekte Unterstützung der Streubombenherstellung durch Investitionen deutscher Banken und Unternehmen. Explosive Investitionen verbieten! Erfahren Sie hier alles zu den Investitionen in Streubomben.

Nur mit Ihrer Hilfe können wir gegen diese Ungerechtigkeiten kämpfen. Unterstützen Sie unseren Kampf. Spenden Sie jetzt!

Veröffentlicht am 12.12.15