Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Libyen

Handicap International (HI) ist seit 2011 kontinuierlich in Libyen im Einsatz und hat bis Ende 2014 groß angelegte humanitäre Hilfe geleistet. Mit dem Ausbruch der erneuten Gewalt im Jahr 2014 gestalteten wir unsere Programme zur Unterstützung von Personen, die durch explosive Kriegsreste oder andere Waffen verletzt wurden, sowie von Menschen mit Behinderung neu. 

Aufklärungsarbeit über Minengefahren

Aufklärungsarbeit über Minengefahren | © J-J. Bernard / HI

Laufende Aktivitäten

In den letzten Jahren haben wir Physiotherapie und psychosoziale Unterstützung für Personen geleistet, die direkt von der anhaltenden Krise betroffen sind. Wir kümmern uns um die Bereitstellung von z.B. Mobilitätshilfen. Darüber hinaus unterstützen wir Gesundheits- und Rehabilitationszentren in West- und Ostlibyen beim technischen Kapazitätsaufbau und stellen dringend benötigte Ausrüstung zur Verfügung.

Wir bieten den vom Konflikt betroffenen Binnenvertriebenen, Rückkehrer*innen und der Gastgemeinde in Libyen einen verbesserten Zugang zu Gesundheits- und Schutzdienstleistungen (mit Schwerpunkt auf physischen und psychischen Beeinträchtigungen).

2017 nahmen unsere Teams die Aktivitäten zur Risikoaufklärung in der Bergregion Nafusa für die zurückkehrende Bevölkerung, die seit 2011 vertrieben wurde, wieder auf. Wir unterstützen das LibMAC (Libyan Mine Action Center), um die Hilfe für Opfer von explosiven Kriegsresten zu verbessern, indem nationale Behörden und die Zivilgesellschaft zusammengebracht werden.

Seit Mitte 2020 haben wir unsere Kapazitäten in den Bereichen Rehabilitation, psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung ausgebaut. In Tripolis haben wir erneut Maßnahmen zur Risikoaufklärung eingeleitet und Aktivitäten zur Unterstützung von Opfern entwickelt, um die Datenerfassung, die Überwachung von Verletzungen und die Versorgung von Opfern von Kriegsresten zu verbessern.

Neues aus den Projekten

Libyen: Unerträgliche Zustände
© Till Mayer / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Libyen: Unerträgliche Zustände

Die Situation für Zivilist*innen ist in vielen Regionen lebensgefährlich und unerträglich: Tägliche Angriffe, verminte Straßen und Wohnungen, zusammengebrochenes Gesundheitssystem, traumatisierte Menschen. Die Menschen leiden unter Depressionen, der Missbrauch von Alkohol, Drogen und Medikamenten nimmt zu, die zwischenmenschliche Gewalt steigt. Viele Geflüchtete können nicht in ihre Häuser zurückkehren, da diese mit nicht explodierten Munitionsresten oder Minen verseucht sind. Eine ganze Generation ist betroffen, vor allem jüngere Menschen sehen keine Zukunft.

Landminen Monitor 2017: Erneut Anstieg der Opferzahlen
(c) Jules Tusseau/HI
Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit

Landminen Monitor 2017: Erneut Anstieg der Opferzahlen

Der am 14.12. von der ICBL in Genf vorgestellte Landminen Monitor 2017 zeigt im dritten Jahr in Folge einen dramatischen Anstieg der Opferzahlen durch Minen und explosive Kriegsreste.

Nach 5 Jahren Krieg sind viele Kinder traumatisiert
Handicap International

Nach 5 Jahren Krieg sind viele Kinder traumatisiert

Handicap International ist seit 2011 in Libyen präsent. Wegen der äußerst instabilen politischen Lage und der Unsicherheit im Land haben wir unsere Teams seit Juli 2014 nach Tunis in Tunesien verlegt. Anne Barthès, die den Einsatz seit Februar 2016 leitet, erzählt uns von den aktuellen Projekten für vertriebene Familien und traumatisierte Kinder – fünf Jahre nach dem Fall des Regimes von Muammar al-Gaddafi.

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Hintergrund

Karte des HI-Einsatzes in Libyen

Seit 2011 und bis Mitte 2020 herrschte in Libyen fast ununterbrochen Bürgerkrieg. Während des zweiten libyschen Bürgerkriegs wurden mehr als eine halbe Million Menschen vertrieben, und zwischen 2014 und 2018 forderte der Konflikt mehr als 4.400 zivile Opfer. Im Sommer 2020 stabilisierte sich die Lage und ebnete den Weg für einen im August unterzeichneten Waffenstillstand. Jedoch werden die mit Spannung erwarteten Präsidentschaftswahlen wahrscheinlich verschoben, was zu anhaltenden politischen Unruhen führt.

Die Zivilbevölkerung ist nicht nur von der Kriminalisierung der bewaffneten Gruppen und dem bewaffneten Konflikt betroffen, sondern auch vom Zusammenbruch der Wirtschaft, die im Schatten eines Krieges steht. Darüber hinaus wird die Gesamtzahl der Migrant*innen, Asylbewerber*innen und Geflüchteten in Libyen auf über 900.000 geschätzt. 

In den Jahren 2020 und 2021 hat sich die Lage in den Großstädten auf fast allen Ebenen verschlechtert. Das Gesundheitssystem ist mit der Corona-Pandemie überfordert, Stromausfälle und Wasserknappheit sind inzwischen an der Tagesordnung und lebensnotwendige Versorgungsgüter werden immer teurer. Politische Machtverschiebungen tragen zu einem hohen Maß an Unsicherheit bei. Die libysche Bevölkerung demonstriert regelmäßig und in den wichtigsten Städten des Landes.

Anzahl der HI-Mitarbeiter*innen: 87
Eröffnungsdatum des Programms: 2011

Einsatz weltweit: