Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Appell an die Bundesregierung: 150 NGOs fordern mehr Geld für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Pressemitteilung, Berlin, 29. April 2026

Heute stellt der Bundesfinanzminister die Eckwerte des Haushalts 2027 vor. Erneut drohen massive Kürzungen beim Etat für Entwicklungszusammenarbeit. Auch die Mittel für humanitäre Hilfe könnten weiter sinken – trotz der vielen globalen Krisen wurden seit 2022 hier mehr als 70 Prozent gestrichen. Statt Kürzungen brauche es Aufwüchse, fordern die Entwicklungsorganisation ONE und VENRO, der Dachverband entwicklungspolitischer und humanitärer Organisationen, stellvertretend für über 150 zivilgesellschaftliche Organisationen. Ansonsten könnten mühsam erarbeitete Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit zunichtegemacht werden und Millionen Menschen ihr Leben verlieren.

Angesichts der kritischen Lage und großen Bedarfe fordern VENRO und ONE die Bundesregierung auf, die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe im Haushalt 2027 aufzustocken. Für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) braucht es im kommenden Jahr einen Etat von mindestens 11,2 Milliarden Euro. Die Finanzierung humanitärer Hilfe muss auf mindestens 2,8 Milliarden Euro steigen.

Michael Herbst, Vorstandsmitglied bei VENRO, sagt: 

„Mit der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft das Ziel gesetzt, die Welt ökologisch, wirtschaftlich und sozial zukunftsfähig zu gestalten. Stattdessen erleben wir in den vergangenen Jahren eine bislang ungekannte Abkehr von diesen Zielen in weiten Teilen der industrialisierten Welt: In den USA und Europa kürzen Regierungen ihre Finanzierung für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zusammen – mit dramatischen Auswirkungen für Millionen von Menschen. Deutschland als reiche Industrienation muss dieser Versuchung widerstehen und mehr investieren statt weiter zu kürzen. Davon profitieren am Ende auch wir.” 

Lisa Ditlmann, Deutschland-Direktorin von ONE, sagt:

„Die Welt brennt und Deutschland spart bei der Feuerwehr. Vernünftig wäre es jedoch, das Feuer zu löschen bzw. dafür zu sorgen, dass es gar erst nicht entsteht. Die Bundesregierung kürzt ausgerechnet dort, wo sie nachweislich Erfolge feiert: Die Kindersterblichkeit wurde mehr als halbiert, HIV-positive Mütter bringen gesunde Babys zur Welt, viele Kinder, insbesondere Mädchen, besuchen das erste Mal eine Schule. Das alles sind Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit, zu denen Deutschland maßgeblich beigetragen hat. Darauf sollten wir stolz sein. Warum Berlin ausgerechnet in dem Bereich sparen möchte, in dem es nachweislich und kontinuierlich Erfolge liefert, ist nicht nachzuvollziehen. "

Prabin aus Nepal auf dem Schoß seiner Mutter mit seinen Geschwistern. Sie lächeln in die Kamera. Prabin aus Nepal auf dem Schoß seiner Mutter mit seinen Geschwistern. Sie lächeln in die Kamera. Prabin aus Nepal auf dem Schoß seiner Mutter mit seinen Geschwistern. Sie lächeln in die Kamera. Prabin aus Nepal auf dem Schoß seiner Mutter mit seinen Geschwistern. Sie lächeln in die Kamera.

© A. Thapa / HI

Zahlreiche Projekte, die z.B. Kinder wie Prabin aus Nepal mit Prothesen versorgen, mussten aufgrund der Kürzungen eingestellt werden.

Informationen für Journalist*innen:   

Auswirkungen der Kürzungen – einige Beispiele: 

  • Laut einer Studie im Magazin Lancet könnten aufgrund der einbrechenden ODA-Mittel bis 2030 bis zu 9,4 Millionen Menschen zusätzlich sterben. 
  • Mittlerweile haben 273 Millionen Kinder keinen Zugang zu Bildung. Die Zahl steigt dabei im siebten Jahr in Folge. 
  • Weltweit sind schätzungsweise 239 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Laut UN OCHA sind für 2026 bislang 10 Prozent der für die Versorgung notwendigen Mittel bereitgestellt. 

Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit - einige Beispiele:  

  • Seit 2000 hat sich die weltweite Kindersterblichkeit mehr als halbiert.  
  • Im gleichen Zeitraum ist die Müttersterblichkeit um über ein Drittel gesunken.  
  • Polio, auch bekannt als Kinderlähmung, wurde fast ausgerottet.  
  • HIV ist kein Todesurteil mehr; selbst in ärmeren Ländern gibt es erschwingliche Medikamente.  
  • Infektionskrankheiten wie Malaria oder Tuberkulose wurden stark zurückgedrängt.   
  • Hunger: 2010 war jedes dritte Kind aufgrund von Mangelernährung wachstumsverzögert, heute ist es etwa jedes fünfte. 
  • Viele Kinder, insbesondere Mädchen, besuchen zum ersten Mal eine Schule, selbst in Krisengebieten. 

ONE ist eine globale überparteiliche Organisation, die sich für wirtschaftliche Chancen und ein starkes Gesundheitswesen in Afrika einsetzt. Dafür fordern wir die nötigen Investitionen. Seit 2004 hat ONE dazu beigetragen, neue Investitionen in Höhe von mehr als 1 Billion US-Dollar zu sichern, um eine sicherere und wohlhabendere Welt zu schaffen. Unsere Arbeit stützt sich auf belastbare Daten und umfasst Aktivismus an der Basis, politische Bildung und politisches Engagement sowie strategische Partnerschaften, um die Politik zu überzeugen.

VENRO ist der Bundesverband entwicklungspolitischer und humanitärer Nichtregierungsorganisationen (NRO). Ihm gehören rund 150 deutsche NRO an, die in der privaten oder kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit, der Humanitären Hilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit tätig sind. 


Pressekontakte:

ONE: Scherwin Saedi: 0152 / 03 77 14 29, [email protected]  
VENRO: Dominik Drießen: 0155 / 60 47 57 17, [email protected]