Gazastreifen: „Die Prothese gibt mir unendliche Kraft“
Nesma ist erst 20 Jahre alt. Wie viele andere Familien im Gazastreifen musste sie ihr Zuhause verlassen und vor der Gewalt fliehen. Doch bei einem Angriff wurde sie schwer verletzt. Ihr rechtes Bein musste amputiert werden. Genau ein Jahr später steht sie wieder aufrecht, kann ihr Kind sicher im Arm halten und sich um ihre Familie kümmern.
Nesmas neue Prothese von Handicap International gibt ihr Hoffnung und neue Perspektiven. Die junge Frau möchte unerkannt bleiben.
Nesma ist eine von tausenden Menschen im Gazastreifen, die durch einen Luftangriff schwer verletzt wurden. Am 16. August 2025 schlug eine Rakete in ein Nachbarzelt ein. Ein Familienmitglied wurde getötet, fünf weitere Menschen verletzt. Nesma erlitt schwere Verletzungen am rechten Bein. Es musste unterhalb des Knies amputiert werden. Ein langer, mühsamer und schmerzhafter Weg begann.
„Ich konnte wieder Luft holen.“
Die Amputation veränderte ihr Leben schlagartig. Nesma zog sich zurück, wollte niemanden sehen und fiel in eine tiefe emotionale Krise. Die Vorstellung, ein Bein verloren zu haben, war für sie zunächst kaum zu ertragen. In dieser schwierigen Zeit erhielt sie Unterstützung durch die Teams von Handicap International. Unsere Psychologinnen und Psychologen begleiteten sie dabei, mit dem Erlebten umzugehen und neue Hoffnung zu schöpfen. Anfangs fiel es Nesma schwer, Hilfe anzunehmen. Doch langsam begann sie, über ihre Gefühle und Ängste zu sprechen. Sie öffnete sich wieder ihrem Umfeld.
„Die psychologische Unterstützung hat mir geholfen, wieder Luft zu holen. Das Team hat mich begleitet, bis ich wieder an mich selbst glauben konnte“, erzählt Nesma.
Die ersten Schritte mit einer Prothese
Neben der psychologischen Unterstützung erhielt Nesma auch eine Prothese sowie Hilfe durch das Reha-Team von Handicap International. Nachdem ihr Stumpf ausreichend verheilt war, konnte im Juli 2026 die Prothese angepasst werden. Kurz darauf begann sie mit dem Gehtraining. Gemeinsam mit dem HI-Team übte sie Schritt für Schritt den Umgang mit ihrer neuen Prothese. Durch regelmäßige Anpassungen wurde sichergestellt, dass sie sich sicher und wohl damit fühlte. Anfang August 2026 war es schließlich so weit: Nesma konnte mit ihrer neuen Prothese sicher gehen.
Fest auf eigenen Beinen
Heute ist Nesma im sechsten Monat schwanger und blickt wieder nach vorn. Lange sorgte sie sich, wie sie nach der Amputation für ihr Kind würde sorgen können. Doch mit jedem Fortschritt gewann sie neues Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.
„Das Tragen der Prothese hat meine gesamte Sichtweise verändert. Zu wissen, dass ich wieder fest auf eigenen Beinen stehen, mein Kind in den Armen halten und mich um meine Familie kümmern kann, ohne Hilfe zu benötigen, gibt mir unendliche Kraft. Die Prothese hat mir mein Leben und meine Würde zurückgegeben.“