Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis
Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dominik Krause haben Stadträtin Barbara Likus und Nujeen Mustafa, Kriegs-Überlebende aus Syrien, am „Mahnmal für die unbekannten Zivilistinnen und Zivilisten“ einen Kranz niedergelegt.
Stellvertretend präsentierten Mitglieder des Münchner Stadtrats und Julia Holzer, Vorständin von Handicap International e. V., sowie Vertreter*innen der Zivilgesellschaft auf dem Marienplatz überlebensgroße Porträts getöteter und verletzter Zivilist*innen. Im Rahmen ihrer weltweiten Kampagne „Stop Bombing Civilians“ forderte die gemeinnützige Hilfsorganisation Handicap International dazu auf, völkerrechtliche Verpflichtungen zum Schutz der Zivilbevölkerung endlich umzusetzen.
Handicap International (HI), Co-Preisträgerin des Friedensnobelpreises 1997, machte mit dieser eindrücklichen Zeremonie am temporären Mahnmal auf die zahlreichen unbekannten zivilen Opfer von Explosivwaffenangriffen auf Wohngebiete aufmerksam. Allein 2025 waren Menschen in 65 Ländern und Gebieten betroffen und mindestens 22.600 Zivilist*innen wurden durch Explosivwaffen getötet.
Hochaufgelöstes und rechtefreies Bildmaterial von der Veranstaltung finden Sie zeitnah in unserem Presse-Ordner – Bitte beachten Sie das Copyright: Marius Rist / Handicap International
© Handicap International
Handicap International appelliert als Gründungsmitglied des Internationalen Netzwerks zu Explosivwaffen (INEW) an die internationale Staatengemeinschaft, völkerrechtliche Verpflichtungen einzuhalten und die von über 80 Staaten unterzeichnete Erklärung zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Explosivwaffeneinsätzen in bewohnten Gebieten umzusetzen.
„Bomben, Raketen oder Mörsergranaten, die ungezielt große Flächen treffen, fordern bei jedem Einsatz in Wohngebieten zivile Opfer. Dieses Leid wollen wir nicht mehr hinnehmen und engagieren uns deshalb gemeinsam mit einem großen Netzwerk für den besseren Schutz der Zivilbevölkerung und die Stärkung des Völkerrechts,“ betonte Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland und deutsche Vertreterin des Internationalen Netzwerkes gegen Explosivwaffen (INEW).
„Heute blicken uns auf dem Marienplatz die Gesichter von Menschen an, die durch Bombardierungen getötet oder verletzt wurden. Ich denke dabei besonders an die Menschen in unserer Partnerstadt Kyiv. Russland führt seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg fort. Es greift sogar gerade jetzt vor dem Winter gezielt die Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung an. München steht an der Seite der Menschen in Kyiv und hilft ganz konkret: Wir haben Schutzräume mitfinanziert, eine davon besonders für kranke und behinderte Kinder. Zivilschutz muss alle erreichen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Leid sofort enden würde, wenn Russland seinen Krieg beendet“, erklärte Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl, die von Stadträtin Barbara Likus vertreten wurde.
Nujeen Mustafa, Kriegsüberlebende aus Syrien, setzt sich als Selbstvertreterin für die Rechte von Geflüchteten und Menschen mit Behinderung ein. Wegen der Bombardierungen ihrer Heimatstadt Aleppo floh sie im Rollstuhl über das Mittelmeer bis nach Deutschland:
„Wenn wir ehrlich sind, denkt niemand an Menschen wie mich. Menschen, die sich nicht verstecken können. Die keine Möglichkeit haben, sich zu schützen oder in einer lebensgefährlichen Situation zu fliehen.“
Tagtäglich mehr als 60 zivile Opfer: Das ist die erschreckende Bilanz von Explosivwaffeneinsätzen in Wohngebieten. Ob im Gazastreifen, der Ukraine, in Syrien, Myanmar oder im Jemen – ganze Städte verwandeln sich durch den Einsatz von Bomben und Raketen in Trümmerfelder. 90 Prozent der Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung. Die Angriffe töten oder verletzen Menschen so schwer, dass lebenslange Behinderungen bleiben. Außerdem leiden viele unter starken psychologischen Traumata. Bombardierungen führen zur Vertreibung und Verarmung der Bevölkerung, zerstören Wohnhäuser sowie grundlegende Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Schulen, Stromversorgung, Häfen oder Brücken und zerrütten das soziale wie auch wirtschaftliche Gefüge.
Die Hilfsorganisation Handicap International (HI) unterstützt in vielen Krisenregionen betroffene Menschen mit Prothesen, Rollstühlen, Physiotherapie und psychosozialer Hilfe. Darüber hinaus räumt HI Minen und Blindgänger und klärt die Zivilbevölkerung über die Gefahren auf.
Handicap International / Humanity & Inclusion (HI) ist eine gemeinnützige Organisation für Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die in rund 60 Ländern aktiv ist. Wir setzen uns für eine solidarische und inklusive Welt ein. Wir verbessern langfristig die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderung und unterstützen diejenigen, die besonderen Schutz benötigen. Außerdem arbeiten wir für eine Welt ohne Minen und Streubomben sowie für den Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg. HI ist Co-Preisträgerin des Friedensnobelpreises von 1997. Handicap International e.V. ist der deutsche Verein von HI.
Nujeen Mustafa macht als Selbstvertreterin auf die Situation von Menschen mit Behinderung in Konflikten oder auf der Flucht aufmerksam. Sie hat bereits an verschiedenen UN-Konferenzen teilgenommen und vor dem UN-Sicherheitsrat gesprochen. Nujeen Mustafa ist im Rollstuhl aus Aleppo (Syrien) über das Mittelmeer bis nach Deutschland geflohen. Sie hat inzwischen das Abitur gemacht und ein Buch geschrieben.
Weitere Informationen finden Sie hier:
Die verheerenden Folgen von Explosivwaffen
Die Kampagne „Stop Bombing Civilians”
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