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Libanon: ein Leben auf der Flucht

Nothilfe
Libanon

Samir hatte einen Traum: ein Zuhause für seine Familie, ein Stück Land, von dem er leben kann, und einen Bauernhof, den er an seine Kinder weitergibt. Jahrzehntelang hat er dafür gearbeitet. Heute ist davon nichts mehr übrig. Seine Familie wird immer wieder vom Krieg vertrieben und sie leben dicht gedrängt in einer Notunterkunft. Mobile Teams von HI versorgen seine kranken Söhne.

Links steht ein älterer Mann, neben ihm sitzt ein jüngerer Mann auf einem Rollator, ein anderer junger Mann steht mit Hilfe von Krücken und ein anderer Mann liegt im Bett daneben.

Samir (60) mit seinen drei Söhnen in der überfüllten Notunterkunft. | © T. Mayer / HI

Samirs Heimatdorf im Südlibanon wurde durch den Krieg zerstört. Das Haus der Familie liegt in Trümmern, die Olivenhaine entwurzelt, Straßen verwüstet. Zum dritten Mal musste Samir mit seiner Familie aus dem Dorf fliehen. Bereits als Kind suchte er während des Bürgerkriegs Schutz in Syrien. Als dort Jahre später der Krieg ausbrach, kehrte die Familie zurück in den Libanon. Doch auch dort holte sie die Gewalt erneut ein. Heute lebt die Großfamilie in einer überfüllten Notunterkunft nahe Beirut. In jedem Raum leben mindestens vier Menschen. Für Samir und seine Angehörigen ist es dennoch ein Zufluchtsort, denn das eigene Haus ist nur noch ein Schutthaufen.

Medikamente sind viel zu teuer

Besonders herausfordernd ist für den 60-Jährigen, dass zwei seiner Söhne an schweren chronischen Erkrankungen leiden. Raafat und Mohamad benötigen dauerhafte Unterstützung, doch die Medikamente, die ihren Zustand stabilisieren könnten, sind für die Familie unerschwinglich geworden. Seit Monaten müssen sie darauf verzichten. Die Krankheiten schreiten voran, die beiden jungen Männer können sich immer schlechter bewegen. Der dritte Sohn Ahmad hat sich bei einem Autounfall das Becken gebrochen und muss das Bett hüten. Auf ihm liegt die Hoffnung, dass er in naher Zukunft einen Job finden könnte.

Es gibt wenig Jobs im Libanon

Die Finanzkrise, die Jahre der Hyperinflation, der Krieg und die jüngsten Zerstörungen machen es für viele unmöglich, genug Geld zu verdienen. Vor allem für den 60-jährigen Samir ist es sehr schwierig, einen Job zu finden. Er hofft, dass irgendwann einmal seine Felder von den unzähligen Blindgängern und Minen geräumt sein werden, sodass er wieder als Bauer tätig sein kann. Entminungsteams von Handicap International räumen derzeit Streubomben-Überreste aus dem Bürgerkrieg der 80-er Jahre. Bis sie in den Südlibanon, in Samirs Heimat, vordringen und arbeiten können, wird es noch lange dauern.

Mobile Teams von Handicap International verteilen Rollstühle und Gehhilfen

In dieser schwierigen Situation steht Handicap International der Familie zur Seite. Die mobilen HI-Teams besuchen Menschen, die durch Krieg, Flucht und Behinderung besonders gefährdet sind. Sie bringen Rollstühle, Gehhilfen, Spezialmatratzen und physiotherapeutische Unterstützung direkt zu den Betroffenen. Für viele Familien ist dies die einzige Hilfe, die sie erreicht. Doch der Bedarf ist enorm. Hunderttausende Menschen im Libanon haben durch die Gewalt ihr Zuhause und oftmals ihre Hilfsmittel verloren und bekommen keine medizinische Versorgung mehr. Samir beklagt sich nicht. Er ist dankbar für jede Unterstützung, die seiner Familie ein Stück Würde und Sicherheit zurückgibt. „Es ist gut, dass wir Hilfe bekommen. Wir haben ein Dach über dem Kopf, müssen nicht wie so viele andere in Schulen Zuflucht suchen“, erklärt der Mann. Dennoch ist er voller Sorgen: Wird sein Dorf jemals wieder bewohnbar sein? Werden seine Kinder die medizinische Versorgung erhalten, die sie dringend brauchen? Wird er jemals wieder als Bauer seine Familie ernähren können? 
 

 

23 September 2026
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