Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Libanon

Handicap International (HI) setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen und andere besonders gefährdete Menschen in Krisen nicht allein gelassen werden. Sie erhalten Nothilfe, Schutz und Unterstützung, um ihr Leben und ihre Existenz wieder aufzubauen. Darüber hinaus räumt Handicap International Minen und andere explosive Kriegsreste, damit das Land wieder sicher genutzt werden kann und hilft Menschen bei der Bewältigung der zahlreichen Krisen, die den Libanon in den vergangenen Jahren getroffen haben.

Gefahrenaufklärung in einer Unterkunft für Vertriebene in Beirut

Risk Education session in a shelter of displaced persons in Beirut | © HI

Laufende Aktivitäten

Handicap International unterstützt Menschen mit Behinderungen bei dem Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung, Rehabilitationsangeboten, Hilfsmitteln sowie psychologischer und psychosozialer Unterstützung. Darüber hinaus setzt sich Handicap International dafür ein, dass Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit anderen Kindern die Schule besuchen können und verbessert ihren Zugang zur psychischen Gesundheitsversorgung.

Handicap International zählt zu den wichtigsten Organisationen im Bereich der humanitären Minenräumung. Seit 2006 unterstützt HI den Libanon dabei, die Gefahren durch Minen und andere explosive Kriegsreste zu verringern. Indem kontaminiertes Land geräumt wird, können Menschen die Flächen wieder sicher nutzen. Das schafft die Grundlage für eine bessere wirtschaftliche und soziale Entwicklung in der Region. Derzeit ist Handicap International in den Regionen Nabatieh, Bekaa und Mount Lebanon tätig.

Handicap International fördert die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen durch deren Interessenvertretung und die Unterstützung von lokalen Organisationen und Institutionen im Bereich Inklusion. Ziel ist es, sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.

Nachdem sich der Konflikt im Libanon 2023 und 2024 verschärft hatte, unterstützte Handicap International den Gesundheitssektor im Süden des Landes dabei, besser auf Krisensituationen vorbereitet zu sein. Gleichzeitig trug Handicap International dazu bei, den Schutz der Bevölkerung zu verbessern und das Bewusstsein für die Gefahren durch Minen und andere explosive Kampfmittel zu erhöhen. Darüber hinaus startete Handicap International ein Nothilfeprogramm, um den dringenden Bedarf an grundlegender Versorgung und Gesundheitsdiensten zu decken. Zusätzlich werden andere humanitäre Akteure logistisch unterstützt, damit sie ihre Nothilfemaßnahmen schneller und effizienter umsetzen können.

Nach der erneuten Verschärfung des Konflikts im März 2026 leistete Handicap International Nothilfe, um die unmittelbaren humanitären Folgen der Binnenvertreibung für besonders gefährdete Menschen zu verringern. Dazu gehören insbesondere Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und schwangere Frauen, die von dem anhaltenden Konflikt im Libanon betroffen sind. Diese Maßnahmen ermöglichen besonders gefährdeten Menschen einen sicheren und würdevollen Zugang zu lebenswichtigen Hilfsgütern ‒ darunter auch eine sichere Geburtshilfe, Rehabilitationsangebote sowie Aufklärung über die Gefahren von Minen und anderen explosiven Kampfmitteln.

  • Anzahl der Mitarbeitende von Handicap International: 52
  • Anzahl der von Handicap International im Jahr 2025 unterstützten Begünstigten: 36.700 direkt und 72.047 indirekt
  • Programmstart: 1992

Hintergrund

Karte des HI-Einsatzes im Libanon

Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise, die durch politische Instabilität und die langfristigen Folgen der COVID-19-Pandemie zusätzlich verschärft wurde. Inzwischen lebt ein Großteil der Bevölkerung in Armut.

Das Land beherbergte rund 1,5 Millionen syrische Geflüchtete, die vor dem seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Krieg in Syrien geflohen sind, sowie eine seit Langem im Libanon lebende palästinensische Flüchtlingsbevölkerung. Diese Menschen haben häufig nur eingeschränkten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Beschäftigung. Bis Anfang 2026 sind rund 500.000 syrische Geflüchtete aus dem Libanon in ihr Heimatland zurückgekehrt.

Menschen mit Behinderungen sind von Hilfsangeboten häufig ausgeschlossen und werden in der humanitären Hilfe oft nicht ausreichend berücksichtigt. Dadurch sind sie den Folgen der Krisen in besonderem Maße ausgesetzt. Zudem leidet der Libanon noch immer unter den Folgen vergangener und jüngerer Konflikte. Vor allem im Süden des Landes und in Gebieten, die von den jüngsten Kampfhandlungen betroffen waren, stellen Minen und andere explosive Kriegsreste weiterhin eine große Gefahr dar.

Die Kampfhandlungen in den Jahren 2023 und 2024, die sich im November 2024 zu einem umfassenden Konflikt mit wiederholten Bombardierungen und Artillerieangriffen ausweiteten, verursachten massive Zerstörungen und zwangen rund 1,2 Millionen Menschen zur Flucht innerhalb des Landes. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums kamen dabei mehr als 4.500 Menschen ums Leben, rund 18.000 weitere wurden verletzt.

Die am 27. November 2024 vereinbarte Waffenruhe wurde wiederholt verletzt. Dies führte zu weiteren Todesopfern und zusätzlichen Zerstörungen.

Seit dem 2. März 2026 erlebt der Libanon erneut eine massive Eskalation des Konflikts. Intensive Luftangriffe und militärische Auseinandersetzungen, insbesondere im Süden des Landes, in der Bekaa-Ebene, in Beirut und seinen südlichen Vororten, haben mehr als eine Million Menschen zur Flucht gezwungen. Viele suchten Schutz in überfüllten Notunterkünften, Schulen oder bei Angehörigen. Gleichzeitig wurden wichtige zivile Infrastrukturen – darunter Wohnhäuser, Gesundheitseinrichtungen, Straßen und grundlegende Versorgungsdienste – beschädigt oder zerstört, wodurch sich die humanitäre Lage weiter verschärfte.

Trotz der angekündigten Waffenruhe dauerten die Kämpfe im Süden des Landes bis Ende April an. Dabei wurden mehr als 10.000 Menschen getötet oder verletzt.


 

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