Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Nirmala und Khendo - 2,5 Jahre nach dem Beben

In zwei Gemeinden von Nepal änderte sich an dem Nachmittag, als vor zweieinhalb Jahren die Erde bebte, für zwei Mädchen das ganze Leben.

Nirmala und Khendo verloren beim Erdbeben in Nepal 2015 beide ein Bein.

Nirmala und Khendo verloren beim Erdbeben in Nepal 2015 beide ein Bein. Gemeinsam finden sie ins Leben zurück | Lucas Veuve/Handicap International

Im Distrikt Okhaldhunga wurde die sieben Jahre alte Nirmala unter einer einstürzenden Mauer eingeklemmt. Im Distrikt Sindhupalchok wurde die ebenfalls siebenjährige Khendo unter den Trümmern ihres Hauses begraben.
Nach ihrer Rettung wurden die beiden Mädchen nach Kathmandu gebracht. Die in Portland/Oregon geborene Shane Basi fand die kleine Khendo und trug sie zu Fuß den Berg hinunter, bevor sie im Hubschrauber weiter transportiert wurde. Die Ärzte im Bir Trauma Center mussten beiden Mädchen ein Bein amputieren. Sudan Rimal, eine Physiotherapeutin von Handicap International, lernte sie im Krankenhaus kennen.

Sie sind wundervoll!

„Seit der Amputation arbeite ich mit ihnen“, erzählt Sudan. „Ich habe unzählige Reha-Stunden mit ihnen verbracht, zuerst im Krankenhaus, wo sie drei Monate bleiben mussten, dann in einem Reha-Zentrum des National Disabled Fund, einer Partnerorganisation von Handicap International. Sechs Monate später bekamen beide eine Prothese angepasst und lernten wieder zu laufen.
Heute besuchen Nirmala und Khendo das Reha-Zentrum etwa einmal pro Monat. Sie machen Dehnübungen für die Muskeln und Übungen für die Beweglichkeit“, sagt Sudan.

Die Mädchen sind sich eine Stütze

Trotzdem haben sich seit dem Erdbeben für die beiden Mädchen viele Dinge verändert. Sie mussten sich an eine neue Schule gewöhnen, an eine neue Umgebung, andere Lebensumstände. Nirmalas Eltern leben weiterhin in der Hauptstadt, aber die Eltern von Khendo leben weit weg auf dem Land, wo sie als Bauern arbeiten. Khendo hat daher einen Vormund, der sich jetzt um sie kümmert. Die beiden Mädchen sind sich gegenseitig eine Stütze. Nirmala und Khendo gehen nun im zweiten Jahr zur Schule und verbringen jeden wachen Augenblick zusammen.

„Die Prothesen müssen wegen des Wachstums alle sechs Monate angepasst werden. Sie sind sich ihrer Körper und der Wichtigkeit der regelmäßigen Reha-Übungen sehr bewusst. Sie können mir genau sagen, wann und wo sie Schmerzen haben und sie verstehen es, ihre Gefühle zu interpretieren – zumindest teilweise.
„Es ist wichtig, dass die Mädchen zwischen ihren Behandlungen trainieren, um Kraft und Beweglichkeit zu erhalten“, erklärt Sudan. „Wir schulen auch ihre Lehrer, sodass diese wissen, wie sie den Mädchen bei ihren Reha-Übungen helfen können. Die beiden sind sehr wissbegierig und stellen uns jede Menge Fragen. Sie ermutigen sich gegenseitig bei ihren Übungen und machen große Fortschritte. Sie sind wundervoll.”

Trotzdem haben sich seit dem Erdbeben für die beiden Mädchen viele Dinge verändert. Sie lieben den Englisch-Unterricht sowie Badminton und Verstecken spielen. Wenn man sie nach ihrer Zukunft fragt, antwortet Nirmala mit Leuchten in ihren Augen, dass sie davon träume Schauspielerin zu werden. Khendo möchte Lehrerin werden, um Kindern zu helfen, später ein guter Mensch zu sein.

Lesen sie weiter

Afghanistan: Die Landmine lauerte im Gras
© E. Blanchard / HI
Rehabilitation und Orthopädie

Afghanistan: Die Landmine lauerte im Gras

Omaid aus der Nähe von Kunduz spielte draußen mit seinen Freunden, als er auf eine Landmine trat – die Explosion verletzte ihn schwer. Sein rechtes Bein konnte nicht gerettet werden und musste amputiert werden. Da war Omaid mal gerade fünf Jahre alt.

Syrien: Die Mine lag zwischen den Olivenbäumen
© T. Mayer / HI
Minen und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie

Syrien: Die Mine lag zwischen den Olivenbäumen

Ahmed Kasom ist einer von vielen, die nach Ende des Krieges in ihr syrisches Heimatdorf zurückkehren. Der 29-Jährige lebt in einem Flüchtlingscamp nahe Idlib und versucht seine Familie mit Gelegenheitsjobs zu ernähren. So auch zu Beginn des Jahres, als er bei der Olivenernte mithilft. Doch er tritt auf eine Landmine, die ihm sein Bein abreißt – ein unglaublicher Schock.

Ukraine: „Mein Mann dachte, ich sei tot“
© L. Hutsul / HI
Rehabilitation und Orthopädie

Ukraine: „Mein Mann dachte, ich sei tot“

Yuliia verlor durch eine Minenexplosion beide Beine und ihr Augenlicht. Unsere Teams helfen ihr, auf ihrem schwierigen Weg zurück in den Alltag. Ein Physiotherapeut besucht sie regelmäßig, um ihr mit den Prothesen zu helfen und ihre Muskeln zu stärken. Yuliia wünscht sich endlich Frieden, eine Familie und hofft durch die Unterstützung von Handicap International auf ein selbstständiges Leben.