Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Reha-Versorgung in Gaza steht vor dem Zusammenbruch

Pressemitteilung, München, 04.03.2026

Die Hilfsorganisation Handicap International (HI) warnt vor der schlechten Reha-Versorgung für schwerverletzte Menschen in Gaza. Das Material für Prothesen und Vorräte gehen zur Neige. Zehntausende Menschen, darunter viele Kinder, sind dringend auf Hilfe angewiesen. LKWs von HI mit Material und Hilfsgütern kommen weiterhin nicht über die Grenze. 

Handicap International macht darauf aufmerksam, dass es immer schwieriger wird zu helfen. "Seit März 2025 ist kein LKW von Handicap International in den Gazastreifen hineingelassen worden", sagt Dr. Inez Kipfer-Didavi, Geschäftsführerin von Handicap International Deutschland. 
Kipfer-Didavi berichtet außerdem, dass deutlich mehr Menschen Reha-Maßnahmen benötigen, als Handicap International in Gaza versorgen kann. Das Reha-Team besteht aus sechs Expert*innen für Prothesentechnik, Physiotherapie und Psychotherapie. Doch mehr als zehn Patient*innen am Tag können sie nicht helfen. „Das ist extrem schwierig. Es suchen mehr Menschen Unterstützung bei unserem Team, als wir leisten können. Wenn diese Situation anhält, müssen unsere Expertinnen und Experten Prioritäten setzen und entscheiden, welche Verletzten sie versorgen können. Und sie müssen anfangen, Prothesen aus Holzbrettern zu bauen“, erklärt Kipfer-Didavi. „Eine sehr kritische Situation. Doch am meisten berühren mich die Kinder, die uns erzählen, dass sie hoffen, ihre Beine würden eines Tages wieder nachwachsen.“

Über 40.000 Schwerverletzte im Gazastreifen 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet, dass fast 42.000 Menschen so schwer verletzt sind, dass sie bleibende Beeinträchtigungen oder Behinderungen davontragen werden – jeder Vierte davon ist ein Kind. Doch weniger als ein Drittel der vor dem Konflikt vorhandenen Reha-Einrichtungen sind noch funktionsfähig, und das auch nur teilweise. 
„Unsere Organisation wurde anfangs gegründet, um kambodschanische Landminenopfer zu unterstützen, die Anfang der 80er Jahre vor den Roten Khmer flohen. Unsere Gründer begannen, Prothesen aus Bambus, Leder und Autoreifen herzustellen, weil das alles war, was ihnen in den Flüchtlingslagern zur Verfügung stand. Der Gedanke, dass unser Team in Gaza über vierzig Jahre später gezwungen ist, wieder auf improvisierte Materialien wie Holzbretter zurückzugreifen – während nur wenige Kilometer entfernt jenseits der Grenze die richtige Ausrüstung bereitsteht – ist schockierend und völlig inakzeptabel“, so Kipfer-Didavi 

Eine vorläufige Prothese für Mohamed

Der 10-jährige Mohamed ist eines von den vielen Kindern, das durch eine Panzergranate schwer verletzt wurde. Sein rechtes Bein musste amputiert werden. Er hat eine erste vorläufige Prothese bekommen, da sich der Stumpf in den ersten Wochen nach der Operation noch verändert. Die Schwellungen gehen zurück und die Passform muss regelmäßig angepasst werden. Mohamed trainiert mit dem Physiotherapeuten Bashir sicher zu stehen, aufzustehen und zu gehen. Orthopädietechnikerin Heba wiederum kontrolliert die Prothese, ob auch alles perfekt sitzt und nichts scheuert. Ob für eine endgültige Prothese das notwendige Material vorhanden sein wird, weiß das Team im Reha-Zentrum von Gaza noch nicht.