Christine, die Friedensbotschafterin

  • Kenia

Gewalt ist im Nordwesten Kenias an der Tagesordnung. Oft enden kleine Konflikte tödlich. Die FriedensbotschafterInnen von Handicap International unternehmen etwas dagegen. Eine von ihnen ist Christine.

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 Ein Mann und eine Frau sitzen sich gegenüber und schauen sich an. Beide lächeln.
 Ein Mann und eine Frau sitzen sich gegenüber und schauen sich an. Beide lächeln.
Christine Chenangat, 30 Jahre, Friedensbotschafterin ihrer Gemeinde

Christine, 30, lebt im Westen von Kenia. Die Mutter von drei Kindern verkauft  Gemüse auf dem Markt, das sie selbst erntet. Seit ihrer Kindheit erlebt sie, wie Gemeinden von bewaffneter Gewalt zerrissen werden: “Bewaffnete Gewalt gibt es überall – und sie ist ein großes Problem für die Gemeinden. Illegale Waffen sind weit verbreitet. Das führt dazu, dass Rivalitäten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen und/oder der Konkurrenzkampf um knappe Ressourcen oft in Gewalt ausbrechen – mit verheerenden Folgen. Vor kurzem haben Viehzüchter ihre Herde auf Land weiden lassen,  das einem Ehepaar einer anderen Gemeinde gehörte. Die Situation ist sehr schnell eskaliert: der Besitzer wurde erschossen und seine Frau vergewaltigt. Wenn die FriedensbotschafterInnen von Handicap International nicht eingeschritten wären, hätte das schnell zu einem Krieg zwischen den beiden Stämmen führen können”, erklärt Christine.

“Als ich von der Kampagne erfahren habe, wusste ich sofort, dass ich Friedensbotschafterin werden will”

Im September 2014 nahm Christine an einer Sensibilisierungskampagne zur Reduzierung von bewaffneter und geschlechterspezifischer Gewalt teil, die von Handicap International organisiert worden war. Die junge Frau war sofort Feuer und Flamme. Nach einem dreitägigen Trainingsprogramm, ebenfalls von Handicap International durch die lokale Partnerorganisation „Free Pentecostal Fellowship in Kenya“ durchgeführt wurde, konnte Christine die Botschaft bei spontanen Treffen weitertragen:

“Hochzeiten, Beerdigungen oder Dorffeste sind Gelegenheiten für uns, die Auswirkungen von bewaffneter Gewalt mit der Bevölkerung zu diskutieren. Wir ermutigen zum Dialog und zu Konfliktlösungen. Außerdem spreche ich ganz besonders mit den Frauen. Viele bekommen ihr erstes Kind mit 13. Ich möchte ihnen zeigen, wie wichtig ihre Schulbildung ist, und dass sie nicht zu früh Mütter werden sollten. Ich versuche ihnen die Augen zu öffnen: ‚Nein. Häusliche Gewalt ist nicht normal. Und es ist auch nicht normal, dass dein Mann mit anderen Frauen schläft.‘ Die Frauen sind sehr offen und interessiert - die Männer sind eher abweisend und wollen wissen, was mein Problem sei. Aber das ist mir egal: Ich möchte, dass die Frauen über ihre Rechte Bescheid wissen”, betont Christine mit funkelnden Augen.

Gorrety Odhiambo, Managerin des HI Projektes zur Reduzierung bewaffneter Gewalt in Kenya, spricht mit der Bevölkerung von Kitale über die Auswirkungen von bewaffneter Gewalt. © Elise Cartuyvels / Handicap International

Gorrety Odhiambo, die Projektmanagerin von Handicap International bei der Kampagne zur Reduzierung von bewaffneter Gewalt in Kenia, ergänzt:

“Es gibt ein echtes Problem mit bewaffneter Gewalt im Nordwesten Kenias. Über die Hälfte der Bevölkerung des Trans-Nzoia County besitzt eine illegale Schusswaffe. Angeblich benötigen sie die Waffen, um „sich sicher zu fühlen“.

Doch das hat ernste Konsequenzen: Menschen  werden vertrieben oder getötet, die Umwelt wird zerstört – und die gesamten Gemeinschaften leiden. Wir wollen die Faktoren,  die zu bewaffneter Gewalt führen, reduzieren und den Dialog unterstützen. Seit August 2014 haben 100 von den Gemeinden ausgewählte FriedensbotschafterInnen in Zusammenarbeit mit den privaten Sicherheitsakteuren bereits mehr als 10.000 Menschen sensibilisiert. Sie klären über die Folgen von Gewalt (insbesondere häusliche Gewalt und sexuelle Gewalt) und die daraus folgenden psychologischen Konsequenzen auf. Außerdem gehen sie besonders auf junge Menschen zu und ermutigen sie, ihre Energie im Zaum zu halten. Sie sollen lernen, welche dramatischen Folgen Gewalt hat. So bleiben beispielsweise manche Schulen wegen bewaffneter Konflikte monatelang geschlossen.“

 

Samuel, Koordinator einer lokalen Gruppe von FriedensbotschafterInnen, klärt einige Dorfbewohner über die Folgen bewaffneter Gewalt auf. © Elise Cartuyvels / Handicap International

Das Projekt „Armed Violence Reduction“

Seit August 2014, hat Handicap International ein Projekt mit dem Ziel der Reduzierung von bewaffneten Konflikten ins Leben gerufen. Mit diesem Projekt sollen die Risikofaktoren für bewaffnete Gewalt in West Pokot, Trans Nzoia and Turkana Counties reduziert werden. Gemeinsam mit den kenianischen Partnerorganisationen „Justice and Peace Center“ und „The Free Pentecoastal Fellowship of Kenya“, arbeitet Handicap International daran, das subjektive Gefühl für Sicherheit in den Kommunen zu verbessern, einen Dialog in Gang zu bringen und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den Kommunen und privaten Sicherheitsakteuren zu etablieren.

Die Aktivitäten dieses Projektes bestehen unter anderem darin, FriedensbotschafterInnen in den Gemeinden wählen zu lassen,  zu Dialog- Foren zwischen verschiedenen Kommunen einzuladen, an denen auch Vertreter der Regierung und der Sicherheitsakteure teilnehmen, sowie Informationsveranstaltungen zu organisieren auf denen über die Gefahren durch Handfeuerwaffen und sexuelle Gewalt informiert wird.

Die Menschen sollen Waffen nicht mehr als Sicherheitsgaranten sehen – und deshalb auf deren Besitz verzichten. Langfristig soll durch diese Veränderungen nicht nur die Opferzahlen gesenkt werden, sondern auch die Entwicklung der Region vorangetrieben werden, die durch die Gewaltausbrüche stark gehemmt wird.

Bitte unterstützen Sie Christines Einsatz für Frieden.

Veröffentlicht am 11.08.15

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