Nepal: So arbeiten unsere Fachkräfte sechs Monate nach dem Erdbeben

  • Rehabilitation und Orthopädie
  • Vorsorge und Gesundheit
  • Nothilfe
  • Nepal

Unsere Teams gehörten zu den ersten Helfenden nach dem Erdbeben. Ein halbes Jahr später sind sie noch immer an der Seite der Schutzbedürftigsten – und engagieren sich auf vielen Ebenen für nachhaltige Verbesserungen.

Teilen

Ein Physiotherapeut von Handicap International sitzt mit dem nepalesischen Mädchen Nirmala auf dem Boden und hält sie im Arm, während sie sich vertraut anlachen.
Ein Physiotherapeut von Handicap International sitzt mit dem nepalesischen Mädchen Nirmala auf dem Boden und hält sie im Arm, während sie sich vertraut anlachen.
Nirmala musste nach dem schweren Erdbeben amputiert werden. Sie übt regelmäßig mit ihrem Physiotherapeuten von Handicap International.

Mehr als 8.700 Menschen starben, über 22.400 wurden schwer verletzt, als am 25. April 2015 die Erde bebte. Sechs Monate später sind noch immer Tausende auf Hilfe angewiesen. Handicap International ist seit 15 Jahren in Nepal im Einsatz und deshalb sowohl in der Bevölkerung als auch bei den relevanten Institutionen gut vernetzt. Dank der lokalen und der internationalen Erfahrung aus vielen Nothilfe-Einsätzen nach Katastrophen, konnten unsere Teams sofort Nothilfe leisten. Diese Hilfe, die zunächst aus Unterstützung im Case-Management in Krankenhäusern bestand, wurde mittlerweile stark ausgeweitet und umfasst heute unter anderem eine logistische Plattform.

 

Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung

In Nepal herrschte bereits vor dem Erdbeben ein Mangel an Personal und medizinischen Hilfsmitteln: Krankenhäuser konnten die enorme Anzahl an verletzten Menschen kaum bewältigen. Und viele der Betroffenen benötigen auch heute noch Rehabilitationssitzungen, um dauerhafte Behinderungen zu vermeiden.

Seit Beginn des Einsatzes haben unsere Fachkräfte für Physiotherapie mehr als 4500 Patientinnen und Patienten behandelt und dabei mehr als 10.500 Rehabilitationssitzungen angeboten. Sie haben außerdem 2.300 Mobilitätshilfen und Sonderausstattung an mehr als 2.200 Überlebende der Katastrophe verteilt (Rollstühle, Krücken, Gehhilfen, Halskrausen, ergonomische Matratzen) - sowohl in Kathmandu als auch in den am stärksten betroffenen Bezirken.

Ein Helfer von Handicap International verteilt nach dem Erdbeben in Nepal Hilfsmittel an Bedürftige.Handicap International unterstützt das Personal in zwanzig Krankenhäusern, medizinischen Einrichtungen sowie in festen und mobilen Rehabilitationscamps in Gemeinden von sieben Bezirken. Um den Überlebenden bei der Überwindung ihrer Traumata zu helfen, bietet unsere Fachkräfte zudem psychosoziale Einzel- und Gruppensitzungen an.

Leitsatz unserer Arbeit ist stets, inklusiv zu sein. Alle Menschen sollen Zugang zu unseren Angeboten haben. Aus diesem Grund haben wir eine Hotline eingerichtet. Via Radio wurde Werbung für diese Hotline sowie für die Standorte der mobilen Rehabilitationscamps gemacht.

 

Hilfsmittel für die Schutzbedürftigsten

Das Erdbeben zerstörte mehr als 600.000 Häuser und beschädigte mehr als 280.000 Häuser. Handicap International hat deshalb mehr als 4.300 Erste-Hilfe-Pakete (Zelte, Küchenpakete, Hygienepakete, Decken) verteilt. 2.250 Familien erhielten außerdem Materialien zum Bau von Blechdächern, um sich gegen den Monsunregen schützen zu können. 500 Rückkehrhilfepakete (Hausapotheke, Decken, Nahrungsmittel, Hygieneartikel) wurden an Familien, die an Reha-Sitzungen teilgenommen haben, ausgehändigt.

 

Logistische Plattform

Viele der vom Erdbeben betroffenen Menschen leben in abgelegenen Gebieten, die nur zu Fuß oder mit dem Hubschrauber erreichbar sind. Handicap International verwaltet seit dem 12. Mai 2015 eines der beiden Lagerzentren für humanitäre Hilfe in Kathmandu. Lager wurden auch in den Bezirken Dhading, Nuwakot, Rasuwa und Kavrepalanchok eingerichtet. Unsere Teams stellen den Transport von humanitären Hilfsgütern zu den Ausgabestellen in den Dörfern und Gemeinden sicher. Mit diesen Aktivitäten unterstützen wir die Arbeit aller Hilfsorganisationen vor Ort. 201 LKWs (trucks) wurden den anderen humanitären Akteuren bisher zur Verfügung gestellt.

 

Fokus auf die Schutzbedürftigsten

Schwangere Frauen, Opfer geschlechtsspezifischer sexueller Gewalt, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung, Kinder ohne Begleitung uvm.: viele schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen sind aufgrund der Katastrophe noch anfälliger. Etwa 2,8 Millionen Kinder sind vom Erdbeben betroffen und 940.000 benötigen direkte Unterstützung.

Erdbebenopfer Ramesh Khatri wird von einem Experten von Handicap International eine Beinprothese angepasst.Die Fachabteilung Inklusion von Handicap International arbeitet eng mit anderen humanitären Akteuren zusammen. Ziel ist die bestmögliche Inklusion von schutzbedürftigen Menschen. Jeder Mensch soll Zugang zu Trinkwasser, Bildung, Gesundheitsversorgung und Rehabilitationssitzungen haben. Deshalb engagieren sich unsere Fachkräfte in den Koordinierungsforen, in den Arbeitsgruppen und Clustern sowie innerhalb von Gemeinschaften. Sie schulen Personal, bieten technische Unterstützung an und haben bereits 157 Gemeindevorstände sensibilisiert.

 

Perspektiven

  • Die Aktivitäten zu Rehabilitation und psychosozialer Unterstützung werden fortgesetzt und neue Patientinnen und Patienten identifiziert.
  • Die logistische Unterstützung und die Sensibilisierung der anderen Akteure spielen nach wie vor eine große Rolle.
  • Die Kapazitäten unserer Teams in den Rehabilitationszentren werden ausgebaut, um die Bedürfnisse der Betroffenen in Zukunft noch besser decken zu können.
  • Um langfristige Verbesserungen im Gesundheitssystem zu unterstützen, begleiten wir das Ministerium für Gesundheit mit unserer Expertise. Langfristig sollen die Maßnahmen der Physiotherapie in das Pflegesystem integriert und neue Reha-Einheiten in den vom Erdbeben betroffenen Bezirken geschaffen werden.
  • Gemeinsam arbeiten wir daran, dass die Gesundheitseinrichtungen Nepals auf mögliche künftige Naturkatastrophen vorbereitet sind.

Veröffentlicht am 22.10.15

UNSERE AKTIVITÄTEN WELTWEIT

Helfen Sie mit