„Wir haben keinen Platz zum Spielen”

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Es ist nicht leicht für die Kinder im Flüchtlingslager Mae La in Thailand. Zu den ärmlichen Lebensverhältnissen und den schwierigen Erlebnissen der Vergangenheit kommt noch hinzu, dass die Kinder keine richtigen Möglichkeiten zum Spielen haben. Die bräuchten sie so dringend, um mit ihrer Situation besser umgehen zu können. Doch zum Glück sind So Eike und seine Freunde kreativ.

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Zwei Kinder im Flüchtlingslager beim Spielen
Zwei Kinder im Flüchtlingslager beim Spielen
Die Kinder im Flüchtlingslager Mae La verlassen sich ganz auf So Eike, der sich ein neues Spiel ausdenken soll

Die engen Straßen des Flüchtlingscamps Mae La, in denen kleine Läden und bunte Stände das Notwendigste zum Überleben anbieten, sind voll mit Kindern. Heute fällt die Schule aus. Zumindest für die, die in die Schule gehen. Nicht alle von ihnen haben so viel Glück. Die Kinder überlegen, wie sie ihren freien Tag verbringen. Erwartungsvoll richten sich ihre Blicke auf So Eike (10): Er ist ganz klar der Anführer der Gruppe. Sie hoffen darauf, dass er wieder einmal einen glänzenden Einfall hat.

Die Kinder im Flüchtlingslager von Mae La besitzen keinerlei Spielsachen, deswegen fordert So Eike sie auf, leere Plastikflaschen zu suchen. Mit dem Ergebnis ihrer Schnitzeljagd durch die Müllkippe erfindet So Eike ein Kegelspiel, bei dem sie die aufgestellten Flaschen umwerfen. Weil die Kinder keinen kleinen Ball haben, den sie auf die Flaschen werfen können, benutzen sie ihre Schuhe. So können sie eine halbe Stunde lachen und Spaß haben.

Die Eltern stecken ab und zu ihre Köpfe aus den Bambusunterkünften, um zu sehen, was los ist. Einige von ihnen haben ein kleines Geschäft, aber die meisten Erwachsenen sind arbeitslos und gelangweilt. Als Karen-Flüchtlinge aus Myanmar haben sie keine Arbeitserlaubnis. Viele Eltern sind deprimiert und haben nicht die Energie dazu, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

In der Zwischenzeit ist das Kegelspiel einer wilden Partie Fußball mit einem kaputten Ball gewichen. Aber die Eltern sind damit nicht einverstanden. Die winzigen Straßen sind zu eng, um Fußball zu spielen. Deshalb weisen sie die Kinder an, auf den Fußballplatz zu gehen.

„Wir haben keinen Platz zum Spielen. Wir spielen am Haus oder beim Tempel, der in der Nähe liegt. Aber das ist alles andere als perfekt. Und wir haben keine Spielsachen.” So Eike

So Eike sieht enttäuscht aus. Auf dem Fußballfeld gibt es keinen Schatten. Deshalb müssen sie warten, bis die Hitze erträglich wird. Aber dann werden schon hunderte von Kindern das Fußballfeld übernommen haben. Es gibt nur ein einziges Fußballfeld für 40.000 Flüchtlinge.

Rehabilitation und Spiele

Die meisten Kinder im Flüchtlingscamp wissen nicht einmal, wie Spielsachen aussehen. Aber So Eike weiß es. Wenn er ins Rehabilitationszentrum von Handicap International geht, darf er mit Bällen, Puzzles und Ton spielen oder das kleine Trampolin ausprobieren. Vor drei Jahren bekam So Eike eine Krankheit, die seine Muskeln schwach und steif machte. „Das Laufen war für mich fast unmöglich. Ich hatte die ganze Zeit über Schmerzen und konnte nicht mehr mit meinen Freuden spielen. Ich kam ihnen nicht mehr hinterher.”
Zweimal die Woche besuchen So Eike und sein Vater das Rehabilitationszentrum. Das ist eine echte Anstrengung, aber eine, die sich auf alle Fälle lohnt: Schritt für Schritt hat er das Laufen wieder erlernt. Die Morgen im Zentrum sind So Eikes Lieblingsmomente der Woche. Er hat viele Kinder im Zentrum kennengelernt und freut sich immer, wenn er sie trifft und mit ihnen spielen kann.

Auf der Flucht vor dem Krieg

Sein Vater ist So Eikes größter Unterstützer, obwohl es für ihn nicht ohne Folgen bleibt, dass er so viel Zeit im Zentrum verbringt. „Ich sollte jetzt bei der Arbeit sein“, seufzt er leise, während er So Eike bei seinen Übungen zusieht. Seine Familie ist auf Lebensmittel durch Spenden angewiesen, versucht aber, etwas Geld dazu zu verdienen. „Meine Frau macht Snacks aus Klebereis und versucht, sie zu verkaufen. Diese winzigen Zuverdienste sind höchst willkommen“.

Die Familie floh vor zehn Jahren aus Myanmar, als So Eike noch ein Baby war. Sein Bruder und seine Schwestern wurden im Lager geboren. Obwohl einige Flüchtlinge darüber nachdenken, nach Hause zurückzukehren, möchte der Vater Ah Li besser im Camp bleiben. „Hier fühlen wir uns sicher und haben zumindest ein Zuhause. In Myanmar ist es noch nicht sicher und ich möchte meine Familie nicht in Gefahr bringen“, sagt er mit Nachdruck. Dennoch träumt er weiterhin davon, eines Tages wieder seine alte Arbeit machen zu dürfen: wieder ein Fischer zu sein.

Veröffentlicht am 14.11.16

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