Vietnam
In Vietnam unterstützt Handicap International (HI) besonders gefährdete Menschen, indem der Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen verbessert und gleichzeitig eine inklusivere Gesellschaft gefördert wird.
Ergotherapeutin Dang Nguyen arbeitet mit Phuc Nguyen, 2, der an Zerebralparese leidet, im Rehabilitation Zentrum in Hanoi. | © Molly Feltner / HI
Laufende Aktivitäten
In Vietnam setzt sich HI für eine inklusivere Gesellschaft und die Stärkung der Rechte besonders schutzbedürftiger Menschen ein. Wir stärken mit unserer Arbeit die politische Interessenvertretung und die Beteiligung der Bevölkerung.
In den Provinzen Gia Lai und Quang Ngai (früher Binh Dinh und Kon Tum) unterstützt Handicap International den Ausbau des Gesundheitssystems, um den Zugang zu hochwertigen Gesundheitsleistungen zu verbessern. Wir fördern den Ausbau von Rehabilitationsangeboten, indem wir Gesundheitseinrichtungen beim Kompetenzaufbau ihres Fachpersonals unterstützen, Maßnahmen zur Finanzierung und Informationssysteme stärken. Diese Maßnahmen tragen langfristig zu einer besseren Versorgung der Patientinnen und Patienten bei.
Gleichzeitig stärkt Handicap International in mehreren Regionen die Arbeit sozialer Dienste und unterstützt die Gemeinden. Wir fördern den Aufbau institutioneller und häuslicher Betreuungsangebote, einschließlich psychischer Gesundheitsversorgung und psychosozialer Unterstützung. Zudem arbeitet Handicap International mit Familien und pflegenden Angehörigen zusammen, um deren Kompetenzen zu stärken und inklusive Betreuungs- und Pflegemodelle zu fördern. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die soziale und wirtschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen gelegt.
Darüber hinaus führt Handicap International Initiativen zur Bekämpfung von Stigmatisierung und Diskriminierung durch. Durch Sensibilisierungskampagnen, die Zusammenarbeit mit Medien sowie den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern unterstützt HI die aktive Teilhabe von Menschen mit Behinderung und anderen vulnerablen Gruppen am gesellschaftlichen Leben. Außerdem fördert Handicap International bewährte Ansätze in den Bereichen inklusive Bildung, Zugang zum Arbeitsmarkt sowie Schutz vor Gewalt.
Darüber hinaus unterstützt Handicap International den Ausbau digitaler Kompetenzen und den Zugang zu barrierefreien Technologien, um die Chancen junger Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. HI begleitet lokale Akteure bei der Entwicklung inklusiver und barrierefreier digitaler Lösungen und stärkt gleichzeitig die Kapazitäten zivilgesellschaftlicher Organisationen. Alle Maßnahmen werden durch politische Interessenvertretung sowie die Unterstützung bei der Weiterentwicklung öffentlicher Strategien begleitet. Ziel ist es, physische, soziale und institutionelle Barrieren nachhaltig abzubauen und die langfristige Wirkung der eingeleiteten Veränderungen zu sichern.
- Anzahl der HI-Mitarbeitenden: 15
- Direkt unterstützte Menschen im Jahr 2025: 9.475
- Indirekt erreichte Menschen im Jahr 2025: 24.052
- Beginn des Programms: 1989
Hintergrund
Vietnam ist ein südostasiatisches Land mit mehr als 102 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Dank der Wirtschaftsreformen der 1980er-Jahre verzeichnete das Land ein rasantes Wirtschaftswachstum und zählt heute zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Diese Entwicklung hat wesentlich dazu beigetragen, die Armut zu verringern und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung und Lebenserwartung.
Trotz dieser Fortschritte steht Vietnam weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Regionale Ungleichheiten bestehen fort, insbesondere zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sowie in Bergregionen und abgelegenen Provinzen. Die dort lebenden Menschen – vor allem Angehörige ethnischer Minderheiten – sind stärker von Armut, wirtschaftlicher Unsicherheit und einem eingeschränkten Zugang zu grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen betroffen. Gleichzeitig setzt die rasche wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes die Systeme der sozialen Sicherung, des Gesundheitswesens und des Arbeitsmarktes zunehmend unter Druck.
Das vietnamesische Gesundheitssystem hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, steht jedoch weiterhin vor Herausforderungen hinsichtlich Qualität, Finanzierung und eines gleichberechtigten Zugangs zu Gesundheitsleistungen. Spezialisierte Angebote, vor allem in den Bereichen psychische Gesundheit und Langzeitpflege, sind nach wie vor unzureichend ausgebaut.
Auch im sozialen Bereich entwickelt Vietnam seinen rechtlichen und institutionellen Rahmen zur Förderung von Inklusion und gesellschaftlichem Zusammenhalt kontinuierlich weiter. Dennoch bestehen weiterhin Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung, die insbesondere Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen und andere benachteiligte Gruppen betreffen. Geschlechtsspezifische Gewalt stellt weiterhin ein erhebliches Problem dar.
Zudem ist das Land stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Taifune und der Anstieg des Meeresspiegels treffen das Mekong-Delta und die Küstenregionen besonders. Diese Entwicklungen gefährden die Lebensgrundlagen vieler Menschen.
Vor diesem Hintergrund sind technische, institutionelle und operative Unterstützung durch spezialisierte Organisationen von entscheidender Bedeutung, um Reformen zu begleiten, lokale Kapazitäten zu stärken und einen menschenrechtsbasierten Ansatz zu fördern.
Einsatzbereiche
Neues aus den Projekten
Reha per Video-App
Handicap International führt in Vietnam eine Software ein, die den Zugang zu Reha-Maßnahmen erleichtert.
Inklusion in Vietnam
Nguyen Thi Kim Lien, HI-Projektkoordinatorin bei „Congenital Differences“ berichtet über ihre Arbeit. Einige Familien wehren sich gegen unsere Arbeit, weil sie Angst haben.
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