Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

25 Jahre Friedensnobelpreis für Kampf gegen Landminen

Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit
International

Vor 25 Jahren wurde der Friedensnobelpreis an die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL) für ihren Einsatz gegen Antipersonen-Minen verliehen. Eine der Mitgründerinnen der ICBL ist die Hilfsorganisation Handicap International (HI), die bis heute Landminen räumt, Verletzte mit Prothesen versorgt und sich für eine weltweite Umsetzung des Verbots von Antipersonen-Minen engagiert.

Ein Therapeuth hilft einem jungen mit seiner Prothese

Nisar war zwei Jahre alt, als er sein Bein verlor. Der afghanische Junge braucht regelmäßig eine neue Prothese und Reha. | © Jaweed Tanveer / HI

Die Kampagne wurde am 10.12.1997 für ihre „Rolle bei der Förderung der internationalen Bemühungen um ein vollständiges Verbot von Antipersonen-Minen" ausgezeichnet. Mit dem Preis wurde die Hartnäckigkeit der beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisationen gewürdigt, mit der sie die Staaten zum Verbot von Minen drängten. Wenige Tage vorher, am 3.12.1997 war der Vertrag über ein Verbot von Antipersonen-Minen verabschiedet worden, die sogenannte Ottawa-Konvention. 

Die Ottawa-Konvention verbietet Produktion, Einsatz, Weitergabe und Lagerung von Antipersonen-Minen und verpflichtet die Vertragsstaaten zu Entminung und Opferhilfe. Dazu gehören Programme zur Aufklärung über Minen und die Überwachung des Schutzes der Zivilbevölkerung in verminten Gebieten sowie die Betreuung, Rehabilitation und die soziale Wiedereingliederung von Minenopfern sowie die Hilfe bei der Minenräumung.


Deutliche Fortschritte, aber weiterhin Bedrohung durch Millionen von Minen

„Der Druck von Handicap International und der anderen NGOs der Internationalen Kampagne gegen Landminen, der Medien und der öffentlichen Meinung hat zu diesem großartigen Erfolg geführt. Durch den Friedensnobelpreis bekam unser Engagement weltweit eine große Sichtbarkeit“, sagt Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung Handicap International Deutschland e.V. und Mitgründerin des deutschen Vereins. „Obwohl im Einsatz gegen Minen deutliche Fortschritte erzielt wurden, ist unser Engagement noch nicht zu Ende. Der Einsatz von Antipersonen-Minen und selbst gebauten Sprengkörpern, die wie Minen wirken, nimmt leider wieder zu“, unterstreicht Fischer. 
 

In 60 Staaten liegen noch Antipersonen-Minen – über 5.500 Opfer jährlich

Handicap International führt derzeit in 18 Ländern Programme zur Reduzierung bewaffneter Gewalt durch. Dazu muss HI in extrem instabilen Staaten wie im Irak, Syrien oder im Jemen sowie in Ländern wie Kolumbien oder dem Tschad arbeiten, die durch Minen aus früheren Konflikten verseucht sind. Die genaue Zahl verlegter Minen ist unbekannt. Vor dem Ottawa-Abkommen schätzten die Vereinten Nationen, dass ca. 110 Millionen Landminen in über 70 Ländern dieser Welt verlegt wurden. Rund 55 Millionen gelagerte Antipersonen-Minen wurden bisher zerstört und über 5 Millionen geräumt. Heute liegen noch in 60 Staaten Antipersonen-Minen. Allein im Jahr 2021 wurden 5.544 Menschen durch Minen oder Blindgänger getötet oder verletzt. Die Dunkelziffer ist weitaus höher.
 

9 Dezember 2022
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Streumunition in Syrien: Der Ball, der keiner war
© T. Nicholson / HI
Minen und andere Waffen

Streumunition in Syrien: Der Ball, der keiner war

Der Krieg ist vorbei, doch für viele Familien in Syrien beginnt mit der Rückkehr eine neue Gefahr: Explosive Kriegsreste wie Streumunition machen Häuser, Straßen und Gärten lebensgefährlich. Handicap International (HI) klärt über die Gefahren auf und räumt Blindgänger, die sogar in Schulen liegen. Damit nicht noch mehr Kinder wie Mahmoud schwerverletzt werden.

Ukraine: Rehabilitation gibt Lidiya Hoffnung
© L. Hutsul / HI
Minen und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie

Ukraine: Rehabilitation gibt Lidiya Hoffnung

Lidiya blickt auf ihren Garten. Dort, wo früher Blumen blühten und Obstbäume standen, liegen heute Trümmer. Ihr Zuhause in Charkiw wurde bei einem Drohnenangriff zerstört. Dass die 77-Jährige heute überhaupt wieder vor den Ruinen stehen kann, verdankt sie der Reha von Handicap International. Denn nach dem Angriff konnte sie monatelang nicht einmal ihr Bett verlassen.

Warum sind Landminen so gefährlich für die Zivilbevölkerung?
© HI
Minen und andere Waffen

Warum sind Landminen so gefährlich für die Zivilbevölkerung?

Minen töten und verstümmeln jahrzehntelang – auch wenn der Krieg längst vorbei ist. Rund 90 Prozent der Opfer kommen aus der Zivilbevölkerung. Dennoch sind Landminen wieder auf dem Vormarsch: massiver Einsatz in bewaffneten Konflikten, Rückzug von fünf Staaten aus dem Ottawa-Verbotsvertrag, neue Minenproduktion, mehr Minenopfer. Gary Toombs, HI-Experte für Minenräumung erklärt, warum Minen so gefährlich sind und wie sich Staaten besser schützen können.