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Ukraine: Katerynas offenes Ohr – ein Funken Hoffnung

Minen und andere Waffen Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Ukraine

In Mykolajiw im Süden der Ukraine hilft Kateryna Menschen, die durch den Krieg alles verloren haben. Als Sozialarbeiterin von Handicap International (HI) begleitet sie Verletzte, Traumatisierte und Entwurzelte. Ihre Arbeit ist mehr als ein Beruf – sie ist eine Lebensaufgabe. Ihr Engagement zeigt sie am Beispiel von Mykola und Lidiia, einem älteren Paar, das durch eine Explosion fast alles verlor.

Kateryna sitzt zwischen Mykola und Lidiia, zwei älteren Menschen auf einem Bett in einem Raum mit rosa und orangefarbenen Wänden und Vorhängen. Kateryna trägt eine blaue Jacke mit dem Logo von HI.

Mykola und Lidiia mussten nach dem Bombenangriff in ein Aufnahmezentrum in Mykolajiw ziehen. | © Sylvie Roche / HI

„Er brauchte jede Hilfe, die er bekommen konnte.“

Kateryna arbeitet seit Februar 2024 im HI-Team in Mykolajiw. Tag für Tag begleitet sie Menschen mit Behinderung, Vertriebene und Überlebende der Angriffe. Als sie Mykola und Lidiia im Mai trifft, wird schnell klar: Diese Begegnung wird sie nicht mehr loslassen.

Mykola wurde im Dezember 2023 bei einer Explosion schwer verletzt. Er verlor einen Arm, erlitt weitere schlimme Verletzungen. Lidiia wiederum leidet seitdem unter einem Hörverlust und den seelischen Folgen des Krieges. Kateryna erinnert sich eindrücklich an das erste Gespräch:

„Als wir das Aufnahmeformular ausgefüllt haben, war Mykola so überwältigt von seinen Gefühlen, dass er viel geweint hat. Wir mussten uns Zeit lassen, ihn beruhigen und immer wieder Pausen machen. Aber gleichzeitig hat er darauf bestanden, dass wir weitermachen, weil er jede Hilfe braucht, die er bekommen kann.“

Ein Raum des Vertrauens

Vertrauen aufzubauen ist der erste und wichtigste Schritt. Denn nur, wenn die Menschen sich sicher fühlen, können sie über das sprechen, was sie brauchen – und was sie bewegt. Kateryna sagt:

Psychologische Unterstützung ist genauso wichtig wie materielle Hilfe. Für viele Menschen zählen die kleinen Dinge: mit Angehörigen telefonieren oder sich mit dem Rollstuhl leichter fortbewegen zu können. Diese Maßnahmen sind entscheidend für ihre Genesung.“

Mit viel Geduld, Offenheit und Feingefühl schafft Kateryna diesen Raum des Vertrauens – auch für Mykola und Lidiia. Gemeinsam mit dem Paar erfasst sie, was am dringendsten gebraucht wird. Schritt für Schritt beginnt die Hilfe.

Kleine Dinge, große Wirkung

Ein Mobiltelefon, Hörgeräte, Hygieneartikel – das sind Hilfsmittel, die auf den ersten Blick banal erscheinen. Doch für Menschen, die alles verloren haben, bedeuten sie ein Stück Normalität.

„Das hat ihnen nicht nur etwas Selbstständigkeit zurückgegeben, sondern auch geholfen, der Isolation zu entkommen, spazieren zu gehen und ein wenig Alltag zurückzugewinnen“, erzählt Kateryna über Mykolas neuen Rollstuhl, den er aufgrund seiner zahlreichen Verletzungen braucht.

Menschen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft wiederzufinden

Für Kateryna ist jede Begegnung mit Betroffenen einzigartig – und eine Chance, etwas zu bewirken.

„Ich glaube, gegenseitiges Vertrauen steht im Zentrum unserer Arbeit. Es geht nicht nur darum, Hilfe zu leisten, sondern den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben wieder aufzubauen und ihren Platz in der Gesellschaft wieder einzunehmen“, sagt sie.

Trotz der emotionalen Belastung schöpft sie Kraft aus den Reaktionen der Menschen. Die Dankbarkeit, die sie zurückbekommt, gibt ihr die Energie, weiterzumachen.

„Es ist nicht leicht, all dieses Leid zu sehen. Aber es sind diese Momente, in denen man merkt, dass man wirklich etwas bewirkt hat – sie geben einem die Kraft, weiterzumachen“, sagt sie zum Schluss.
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