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Verwundeter Junge aus Sudan will wieder laufen

Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Tschad

Abdellatif wurde im Sudan angeschossen und schwer verletzt. Danach fühlte er seine Beine nicht mehr und war von der Hüfte abwärts gelähmt. Seine verzweifelte Familie flüchtete mit dem Jungen in den Tschad, wo er in einer Klinik operiert werden konnte. Das HI-Team unterstützt ihn seitdem mit Physiotherapie. Abdellatif übt jeden Tag und kann nun seine Beine schon ein kleines bisschen fühlen.

Ein Junge steht angelehnt an einem Brett und hält mit beiden Händen einen Ball über den Kopf.

Abdellatif trainiert jeden Tag mit einem großen Ziel: eines Tages wieder laufen zu können. | © T. Shelton / HI

Eines Morgens im April 2023 spielte Abdellatif mit einigen Freunden vor seinem Haus in der Stadt El Geneina, der Hauptstadt von West-Darfur, 30 Kilometer von der tschadischen Grenze entfernt. Plötzlich und ohne Vorwarnung knallten Schüsse, und Abdellatif brach getroffen zusammen. 


Da es in El Geneina kaum möglich ist, medizinisch versorgt zu werden, machte sich seine Familie zu Fuß auf den Weg über die Grenze, in der Hoffnung, im Tschad Hilfe zu finden. Als sie dort ankamen, wurde der 9-jährige im Krankenhaus von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Adré, einer kleinen Grenzstadt im Osten des Tschad, operiert. Doch die Kugel hatte sein Rückenmark so stark beschädigt, dass er von der Hüfte abwärts gelähmt blieb. Abdellatif war verzweifelt.

Noch ein kleines bisschen Gefühl in den gelähmten Beinen

Das Team von Handicap International versorgt seit Juni 2023 viele geflüchtete Menschen im Krankenhaus von Adré mit Physiotherapie. Dort leben inzwischen fast 500 000 Flüchtlinge, die vor den Kämpfen im Sudan geflohen sind. Viele wurden bei den schrecklichen Gewalttaten verletzt. 


Einer von ihnen ist der kleine Abdellatif. Nach einigen ersten Physio-Sitzungen stellte HI-Physiotherapeut Adrien fest, dass der Junge noch ein kleines bisschen Gefühl in seinen Beinen hatte. Ein erster Hoffnungsschimmer. Die beiden fingen an, eng zusammenzuarbeiten, und Abdellatif bekommt seitdem regelmäßig physiotherapeutische Hilfe. Adrien versucht, seine oberen Gliedmaßen und seinen Rumpf zu aktivieren, um dadurch die Muskeln und das Nervensystem zu stimulieren.  Mit etwas Glück und harter Arbeit könnte Abdellatif das Gefühl in seinen Beinen zurückerlangen und im Idealfall eines Tages sogar wieder gehen können. Bei Rückenmarksverletzungen bedarf es einer intensiven Reha, die viel Fleiß und Durchhaltevermögen erfordert. Denn je mehr die Patienten üben, desto besser sind ihre Heilungschancen.

Abdellatifs Optimismus und Entschlossenheit sind eine Inspiration 

Abdellatif hat trotz aller Mühsal seine positive Einstellung nicht verloren. Er ist hoch motiviert und macht tagsüber weiter seine Übungen, auch wenn er nicht bei Adrien ist. Alle im Krankenhaus nennen ihn "Boss", und er ist immer zu Scherzen aufgelegt. Vor seiner Verletzung ging Abdellatif zur Schule und verbrachte seine Freizeit am liebsten mit seinen Freunden draußen. Alles Dinge, die er heute nicht mehr machen kann. Jetzt lebt er im Krankenhaus und verbringt viel Zeit mit Zeichnen. 


Abdellatifs Familie lebt im Flüchtlingslager Ambelia, außerhalb der Stadt Adré. Doch sein Vater Bakhit lebt mit seinem Sohn im Krankhaus und hat dort sogar einen Job gefunden, um in seiner Nähe zu sein. Auch seine jüngeren Brüder besuchen ihn regelmäßig und bringen ihn mit Hilfe eines Rollstuhls auch mal aus dem Krankenhauszelt hinaus.  


Abdellatif und seine Familie wünschen sich von ganzen Herzen vor allem eines - dass er wieder laufen kann. 

 

 

Das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen Aktion Deutschland Hilft (ADH) unterstützt humanitäre Hilfsprojekte im Tschad.
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21 Mai 2024
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