Tschad
Der Tschad hat über 17 Millionen Einwohner*innen, von denen die Hälfte unterhalb der Armutsgrenze leben, so die Berechnungen der Weltbank vom Jahr 2023. Angesichts des nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen Armut und Behinderung sind Menschen mit Behinderungen besonders häufig unter den am stärksten gefährdeten Gruppen vertreten. Diese fragile Situation wird durch Konflikte in den Nachbarländern und Auswirkungen des Klimawandels verschärft.

Frauen warten auf einer von HI organisierten Landwirtschaftsmesse in Owoli. | © Gwenn Dubourthoumieu / HI
Laufende Aktivitäten / Our activities
Handicap International (HI) führt Nothilfe- und Entwicklungsprojekte durch, darunter Minenräumung, Unterstützung für Menschen mit Behinderung, Inklusion, Rehabilitation und inklusive Bildung. Wir suchen nach innovativen und nachhaltigen Lösungen, um effektiver auf Bedürfnisse zu reagieren und die sozioökonomische Entwicklung der schutzbedürftigsten Menschen zu unterstützen.
In der Region Lac tragen wir zum Schutz und zur Einschulung von Kindern bei und führen Maßnahmen zur Gefahrenaufklärung für die Aufnahmegemeinden und die von der Krise betroffenen Vertriebenen durch. Darüber hinaus führen wir Maßnahmen zur Konfliktbewältigung, zum sozialen Zusammenhalt und zur inklusiven lokalen Entwicklung durch.
Als Reaktion auf die sudanesische Krise an der Ostgrenze des Tschads hilft das HI-Team Geflüchteten, indem es Rehabilitationsdienste und Unterstützung für die psychische Gesundheit durchführt. Die Organisation ist in der Region auch in den Bereichen Logistik tätig: Unsere Logistikabteilung Atlas Logistik stellt internationalen und lokalen humanitären Organisationen Lagermöglichkeiten für humanitäre Hilfsgüter zur Verfügung. Des Weiteren wurde eine Flug-Landebahn instandgesetzt, um den Zugang für humanitäre Hilfe zu erleichtern.
Hintergrund / Background

Der Tschad ist seit 2003 von verschiedenen humanitären Krisen betroffen.
Diese Krisen stehen im Zusammenhang mit großen Völkerbewegungen in den Grenzgebieten, darunter Geflüchtete aus dem Sudan im Osten, Geflüchtete und Rückkehrende aus der Zentralafrikanischen Republik im Süden und in jüngerer Zeit nigerianische Geflüchtete und Binnenvertriebene in der Provinz Lac im Westen des Landes. In der Provinz Lac ist die Situation nach wie vor instabil. Diese Region ist zusätzlich von den Folgen des Klimawandels betroffen: Durch erhöhte Niederschläge und längere Trocken- und Dürrezeiten wird die Wüstenbildung beschleunigt und der Tschadsee ausgetrocknet. Dies geschieht zudem zu einer Zeit, in der die Region bereits durch die Aufnahme von Geflüchteten unter Druck steht.
Anzahl der HI-Mitarbeiter*innen: 102
Eröffnungsdatum des Programms: 2014
Neues aus den Projekten

Tschad: „Wir mussten kriechen, um irgendwo hinzukommen“
Heute besuchen Kaltouma und Hassaneih den Markt, treffen Freundinnen und feuern ihr Team bei Fußballspielen an. Kaum vorstellbar, dass sie vor wenigen Monaten noch nicht einmal aus dem Zelt kamen. Ihre Flucht aus Darfur war brutal – doch im Flüchtlingslager Aboutengué begann für die beiden Schwestern mit Behinderung ein neuer Abschnitt.

Sudan: Flucht vor dem Krieg, ohne laufen zu können
Omran stammt aus der Region Darfur im Sudan. Der 9-Jährige hat zerebrale Kinderlähmung und kann nicht laufen. Bei den Gefechten und Bombardierungen starben sein Vater, Großvater und Cousins. Seine Mutter Djimilla entschloss sich daraufhin mit ihren Kindern in den Tschad zu fliehen. Sie trug Omran den ganzen Weg auf dem Rücken.

Hungersnot in Sudan
Die Lage der Zivilbevölkerung in Sudan ist dramatisch. In Teilen des Landes wurde eine Hungersnot ausgerufen. Der andauernde Konflikt zwischen rivalisierenden Gruppen führt zu Massenvertreibungen und einer der schwersten humanitären Krisen weltweit. 11 Millionen Menschen wurden bereits vertrieben, darunter rund 3 Millionen Kinder. Fast 25 Millionen Menschen brauchen Hilfe.
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