Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Boniface Kapindo

Minen und andere Waffen Rechte von Menschen mit Behinderung Rehabilitation und Orthopädie

Einst arbeitete Boniface Kapindo in den Bergen. Doch seit dem er auf eine Landmine getreten ist, war Boniface Kapindo nie wieder in die Bergen. Sie nahm ihm nicht nur seine zwei Beine und sein linkes Auge, sondern auch seine Heimat: Mit den zwei Prothesen kann er zwar gehen – aber nie wieder in die Berge.

Während des Krieges floh Boniface Kapindo aus den Bergen und suchte Zuflucht im Tal, als er hörte, dass die Rebellen auf dem Vormarsch seien. Später, am 7. Februar 1997, als er in seinem eigenen Feld in den Bergen Bananen und Kartoffel erntete, trat er auf eine Landmine. Die Explosion tötete ihn nicht – sie verstümmelte ihn. Er verlor beide Beine und sein linkes Auge. Boniface Kapindo überlebte nur dank des Muts seiner Nachbarn, die ihn trotz der Gefahr, selbst auf eine Landmine zu treten, aus seinem Feld schleppten. Auf einer improvisierten Trage, den steilen Weg herunter, trugen sie ihn bis zum Dorf im Tal. Rechtzeitig erreichte Boniface Kapindo noch den Laster, der voller Guajaven-Kisten in die nächste Stadt zum Krankenhaus fuhr. Ein lebensrettender Zufall – denn hätte er im Dorf bleiben müssen, hätte er seine Verletzungen wohl nicht überlebt – dieses Schicksal traf viele andere Bauern in vielen anderen Dörfern.

Als er im Krankenhaus ankam, erinnerte er sich nur vage an die Explosion. Über die Bettlaken tastend, suchte er nach seinen fehlenden Beinen. Er stellte fest, dass er nur noch mit einem Auge sehen konnte – das andere wurde durch einen Landminensplitter verblendet. „Wie ein halber Mensch habe ich mich gefühlt. Verstehen Sie, wie ein halber Mann. Ich brauchte lange, um zu akzeptieren, was geschehen war“.

Dass Minenopfer den Unfall den Umständen entsprechend gut verarbeiten und ihr Leben weiterführen können, ist die Aufgabe von Rose Mujungu. Sie ist Sozialarbeiterin bei Handicap International. Das Team von Handicap International vor Ort hilft bei der Verteilung von kostenlosen Prothesen und medizinischen Geräten im Rehabilitationszentrum Fort Portal. Doch dass das Zentrum diese Leistung anbietet, ist vielen Überlebenden von Unfällen mit Landminen in den abgelegenen Dörfern oft gar nicht bekannt. Darum reist Rose Mujungu zusammen mit ihren Mitarbeitern durch die Gegend und bringt die Menschen zum Zentrum, wo sie neben den benötigten Geräten auch psychologische Unterstützung von Handicap International erhalten.

Heute ist Boniface Kapindo 60 Jahre alt. „Ich hatte Glück“, bekennt er. Dank dieser Einstellung hatte er die Kraft, ein neues Leben für ihn und seine Familie anzufangen. Boniface Kapindo besitzt heute einen kleinen Laden, wo er Seife, Küchenartikel, Süßigkeiten etc. verkauft. Er möchte expandieren, der Rohbau steht schon. Um sich einen Boden aus Zement leisten zu können, legt er Geld beiseite. Er träumt davon, sich einmal ein dreirädriges Fahrrad leisten zu können, mit dem er dann seine Ware transportieren könnte. „Ich könnte mehr anbieten. Die Schlepperei wär vorbei.“

Wegen seiner zwei Prothesen kann er nicht mehr zum Arbeiten in die Berge gehen. Auch das Dorf ist für ihn voller Hindernisse. Wenn man ein Bein oder sogar alle beide verloren hat, wird die Umgebung schnell zu einem täglichen Hindernislauf, einer ständigen Herausforderung. Seit der Explosion ist Boniface Kapindo nie wieder in die Berge zurückgekehrt. Er vermisst die tolle Aussicht.

25 Juli 2012
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