Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Kuch testet sein neues Bein

Rehabilitation und Orthopädie
Kambodscha

Nach einem schweren Motorradunfall musste dem damals 8-jährigen Kuch das rechte Bein amputiert werden. Der kleine Junge war schockiert und sehr traurig, dass er nicht mehr wie die anderen Kinder toben konnte. Dank einer Prothese kann Kuch heute wieder herumrennen und fröhlich mit seinen Freunden spielen.

Kuch beeindruckte mit seiner Tapferkeit auch Schauspielerin Elisabeth Lanz bei ihrem Besuch in Kambodscha.

Kuch beeindruckte mit seiner Tapferkeit auch Schauspielerin Elisabeth Lanz bei ihrem Besuch in Kambodscha. | © Kai Maser / HI

Kuchs Beinamputation rettete sein Leben

Wie viele andere kambodschanische Familien war auch Kuch im April 2019 mit seiner Familie auf dem Motorrad unterwegs. Sie waren gemeinsam auf dem Heimweg zurück von einer anderen Provinz, als sie plötzlich frontal von einem anderen Motorrad mit hoher Geschwindigkeit erfasst wurden. Die ganze Familie verlor das Bewusstsein. Als sie wieder erwachten, erblickten sie das schreckliche Ausmaß des Unfalls. Kuch war in einem lebensbedrohlichen Zustand und sein Bein war in einem der Räder eingeklemmt. Er wurde daraufhin schnellstens ins Krankenhaus gebracht, wo seine Eltern später erfuhren, dass sein rechtes Bein amputiert werden musste, um sein Leben zu retten.

Sechs Monate nach seinem schlimmen Unfall mag er sich nicht mehr erinnern, wie das war, als er über den Lenker des Mopeds flog, als er unsägliche Schmerzen hatte, als er irgendwann begriff, dass er kein rechtes Bein mehr hatte. Toben geht nicht mehr. Fußball spielen, Fahrrad fahren, Hinterherlaufen – alles vorbei. Der kleine, zarte Junge ist traurig.

Kuch fehlt das rechte Bein. Er sitzt traurig schauend auf einer Bank im Reha-Zentrum in Kampong Cham in Kambodscha.Kuch ist traurig. Er wartet sehnsüchtig auf seine erste Prothese, um endlich wieder laufen zu können. Foto: HI

 

Ein Neuanfang für Kuch

Doch dann kommt Kuch zum ersten Mal ins Rehazentrum von HI. Heinz Trebbin hilft dem kleinen Kuch auf die Beine, der das erste Mal auf seiner Prothese steht.Überall werden Kinder behandelt. Sie üben an den Barren oder auf der wackeligen Hängebrücke, um die Balance zu verbessern. Nun wird auch Kuch von Orthopädietechnikern untersucht. Der deutsche Spezialist Heinz Trebbin ist zufrieden mit dem Stumpf; er sei gut verheilt, meint der 61-Jährige. Behutsam macht er einen Gipsabdruck. Kuch schaut skeptisch dabei zu. Und dann muss er einen Tag lang warten. Bis die Techniker eine perfekt passende Prothese für ihn erstellt haben.

Nun ist der große Moment gekommen. Heinz Trebbin umwickelt vorsichtig den Stumpf mit einer speziellen Socke, dann schiebt er die Prothese darüber. Kuch traut sich kaum aufzustehen. Doch dann steht er und strahlt. Links hält er sich bei Heinz Trebbin fest, rechts bei Elisabeth Lanz. Alle kämpfen mit der Rührung. Mutter Srey schluchzt. Sie ist einfach überwältigt.

„Nun wird er wieder laufen können“, sagt sie unter Tränen. „Er wird in die Schule gehen, etwas lernen können und später eine Arbeit finden“, sagt die kleine, sympathische Frau zuversichtlich, die genau an diesem Tag erfahren hat, dass sie ihr zweites Kind erwartet.

 

Kuch ist glücklich über seine erste Prothese. Bald kann er wieder mit den anderen Kindern Fußball spielen. © Stephen Rae / HI 

Der einzige, der nicht mit den Tränen ringt ist Kuch, der will sofort loslaufen. Die nächsten Stunden übt Kuch unermüdlich an den Barren. Ganz ohne Hilfe klappt es noch nicht – doch das wird kommen!

 

Fotos: © Kai Maser / HI 

9 Dezember 2019
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