Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Mehr Raketen auf Gaza als je zuvor

Nothilfe
Palästinensische Gebiete

HI leistet seit 1996 humanitäre Hilfe in den palästinensischen Gebieten und hilft momentan im Rahmen des anhaltenden Konflikts zwischen der militanten Palästinenserorganisation Hamas und den Vergeltungsmaßnahmen der israelischen Streitkräfte. Hani, einer unserer Mitarbeiter, berichtet über seine Erfahrungen und Erlebnisse bei den jüngsten Bombenangriffen.

Ein Junge steht auf den Trümmern von bombardierten Häusern im Gazastreifen.

Die täglichen Bombardierungen haben unzählige Häuser im Gazastreifen komplett zerstört. | © Ahmad Hasaballah / Getty Images Europe via AFP

Wie man unter Bomben lebt

Erfahrungsbericht Hani:
"Wir erleben die Bombardierungen tagtäglich im Gazastreifen mit. Es ist schwer, das Gefühl zu beschreiben, wenn der Körper diesem intensiven Druck ausgesetzt wird. Dieser täglicher Kampf, die eigene Familie vor dem Schock der Bombenangriffe und den schrecklichen Szenen der Gewalt zu schützen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Zeuge eines so grausamen Angriffs werden würde, bei dem die grundlegenden menschlichen Werte so völlig außer Acht gelassen werden. Ich bin Vater von vier Kindern, und zwei meiner Kinder haben eine Behinderung. Es ist eh immer schwierig, ihren täglichen Bedürfnissen gerecht zu werden, aber während dieses Konflikts ist es noch viel schwieriger. Es gibt nicht genug zu essen und wir benutzen oft gesalzenes Kochwasser zum Waschen. Als wir von zu Hause weggingen, nahm ich nur ein paar Sachen mit, hauptsächlich leichte Kleidung und fand eine Wohnung mit einigen Betten und Decken. Aber das reicht nicht aus, um uns warm zu halten, jetzt wo es kalt wird."

Die Angst im Krieg ist schlimmer als der Krieg selbst 

"Diese Tage der Gewalt fühlen sich an wie Jahre des Stolperns zwischen Schmerz und Hoffnung, in denen wir ständig über Leben und Tod nachdenken müssen. Die psychologischen Auswirkungen sind verheerend, vor allem für meine beiden Kinder mit Behinderung. Sie verstehen nicht, was und warum das alles passiert. Die größte Herausforderung in diesem Krieg ist der Umgang mit der Angst meiner Kinder während der ständigen Bombardierungen. Die Evakuierung ist schwierig: Ich muss mit meinen Kindern von einem Ort zum anderen ziehen und versuchen, trotz meiner eigenen Ängste, stark zu sein. Leider ist es in Gaza nirgendwo mehr sicher.
Als jemand, der seit über 20 Jahren in der humanitären Hilfe tätig ist, habe ich gelernt, wie man Menschen vor Schaden bewahrt. All das wird gerade mit Füßen getreten. Um es einfach auszudrücken: Angst im Krieg ist schlimmer als der Krieg selbst."

Mehr Raketen auf Gaza als je zuvor

"Wenn die Menschen in ihren Häusern sicher sind, können sie ihren Tag in vollen Zügen genießen. Wenn die Sicherheit durch Schmerz und Angst ersetzt wird, hängt das Leben davon ab, was die langen Stunden bringen. 
Als sich die Situation verschlechterte, war ich gezwungen, uns alle in unser altes Haus zu bringen. Dort blieben wir zwei Tage lang, aber die Angst und die Schreie meiner Kinder, vor allem die meiner beiden Kinder mit Behinderung, zwangen uns, an einen anderen Ort weiterzuziehen.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber ich musste meine Familie in Sicherheit bringen. Ihre Sicherheit ist wichtiger als mein Leben. So geht es uns in Gaza: Wir leben zwischen Hoffnung und Schmerz. Die Zahl der Raketen auf den Gazastreifen war so groß wie in keinem anderen Konflikt zuvor. "

Über HI in den palästinensischen Gebieten

HI arbeitet seit 1996 in den palästinensischen Gebieten. In den letzten 27 Jahren haben unsere Teams in verschiedenen Bereichen - sowohl im Westjordanland als auch im Gazastreifen - geholfen. 
Im Zuge der aktuellen Krise stockt HI seine Nothilfe im Gazastreifen auf und organisiert für Zehntausende von Einwohnern mit Hilfe von 100 nationalen Mitarbeitenden Rehabilitationsleistungen, Erste-Hilfe- und Verbandskästen, Non-Food-Artikel, Freizeitaktivitäten und Risikoaufklärungsmaßnahmen. 
 

 

14 Dezember 2023
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