Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Mossul: Humanitäre Hilfe im Bombenhagel

Minen und andere Waffen Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Irak

Den Offensiven in Mossul (Irak) fielen mehrere tausend Menschen zum Opfer, 35.000 wurden verletzt und Millionen aus ihrer Heimatstadt vertrieben. Maud Bellon war bis Januar 2018 die Koordinatorin der Nothilfeprogramme von HI vor Ort. Heute berichtet sie uns von den Einsatzbedingungen und den Herausforderungen während der humanitären Krise.

Mohammad, Physiotherapeut von HI, mit Abdallah, 13 Jahre, aus West-Mossul. Bei der Explosion einer Rakete erlitt er einen Bruch. Das Bein wird von einem externen Fixateur gehalten.

Mohammad, Physiotherapeut von HI, mit Abdallah, 13 Jahre, aus West-Mossul. Bei der Explosion einer Rakete erlitt er einen Bruch. Das Bein wird von einem externen Fixateur gehalten. | © William Daniels / HI

Mossul ist die zweitgrößte Stadt im Irak mit über 2 Millionen Einwohnern. Im Oktober 2016 begann Maud Bellon als Projektleiterin im Irak-Programm von HI. Sie bereitete dort die Teams auf die bevorstehende humanitäre Krise durch die geplante Offensive auf Mossul vor.

Schon nach nur einer Woche, am 17. Oktober 2016, begannen die irakische Armee und ihre Verbündeten mit den Bombenangriffen. Zwischen Oktober 2016 und Juli 2017 erfolgten fast 6.000 Luftangriffe auf Mossul.

 „Die Koalition gegen den Islamischen Staat begann zunächst, die umliegenden Dörfer und Städte zurückzuerobern. Von dort kamen die ersten Vertriebenen. Dann begann die Offensive auf den Osten der Stadt, weshalb viele in den Westen flüchteten. Die humanitäre Krise kam also schrittweise auf uns zu. So versuchten wir, unsere Teams an die steigenden Flüchtlingszahlen anzupassen“, erinnert sich Maud Bellon.

Die Bombardierungen sind meist willkürlich, das heißt sie sind nicht genau planbar. Denn eine Bombe kann nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterscheiden. Die Opferzahlen in der Zivilbevölkerung sind enorm hoch. „HI ist auf die postoperative Reha spezialisiert. Die Krankenhäuser waren völlig überfüllt, sodass die Patienten nach ihrer Operation sofort das Bett für den nächsten Verletzten räumen mussten. Wir kümmerten uns dann um die Nachversorgung der Patienten, “ erklärt Maud Bellon. Besonders wichtig ist neben der Physiotherapie auch die psychosoziale Unterstützung: „Viele Verletzte kämpfen nach dem Erlebten mit psychischen Traumata. Einige verlieren sogar ihren Lebenswillen.“

Willkürliche Bombardierungen

In den Flüchtlingscamps nahe Mossul klärten die Teams von HI neben der psychologischen Unterstützung auch über die lauernden Gefahren auf: Eine Rückkehr in die Stadt kann besonders durch Landminen und Blindgänger lebensbedrohlich werden.

Maud Bellon hat Schlimmes gesehen: „In den Konfliktgebieten herrschten chaotische Zustände. Die umfassende Behandlung der Patienten war eine wahre Herausforderung. Jeden Tag versorgten wir neue Opfer, bis zum Ende der Offensive vom Juli 2017 – aber auch noch danach.“

Einige Betroffene werden ihr Leben lang unter bleibende Behinderungen leiden. Auch die materiellen Schäden sich beachtlich. Mossul ist nicht nur total zerstört worden, sondern auch mit explosiven Kriegsresten übersät. Es wird Jahre dauern, bis alles wieder aufgebaut ist. Ohne Unterstützung kann die Bevölkerung ihre Grundversorgung und den Betrieb wichtiger Infrastruktur nicht aufrecht erhalten.

Helfen Sie uns, diese Menschen zu unterstützen. Sagen Sie „Stopp!“ zu Bomben auf Wohngebiete und unterzeichnen Sie unsere Petition.

5 April 2018
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